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Feuilleton


Starttermin: 18.02.2010

Invictus – Unbezwungen (USA 2009)

Biopic über Nelson Mandela
Produktion und Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Anthony Peckham nach dem Buch
„Der Sieg des Nelson Mandela: Wie aus Feinden Freunde wurden“ von John Carlin

„Die Regenbogennation beginnt hier. Versöhnung beginnt hier. Vergebung beginnt hier“, erklärt Nelson Mandela (Morgan Freeman) in „Invictus“. Im Jahr 1995 wurde Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. Obwohl er 27 Jahre lang von den weißen Machthabern inhaftiert worden war, will er die verschiedenen Bevölkerungsgruppen versöhnen und insbesondere den Konflikt zwischen Schwarzen und Weißen beenden. Eine monumentale Aufgabe, eigentlich unmöglich. Erst ein Jahr zuvor war die Apartheid offiziell abgeschafft worden, die Rassentrennung in den Köpfen der Menschen aber blieb bestehen.

Von der schwarzen Mehrheit umjubelt, die ihn nach seinem Clan-Namen Madiba nennt, ist die weiße Oberschicht in ihren Fundamenten erschüttert. Am Tag seines Amtseintritts verlassen die weißen Angestellten schon freiwillig ihre Plätze. Mandela bewegt sie, zu bleiben und bittet sie um ihre Unterstützung. Mandelas Leben als Präsident vereinnahmt ihn zunehmend. Der Vorgesetzte seiner schwarzen Leibwächter fordert wegen der vielen öffentlichen Auftritte mehr Personal an. Zu seinem Entsetzen stellt Mandela weiße Mitglieder der Staatspolizei ein, genau jene Männer, die den Schwarzen zuvor nach dem Leben getrachtet haben. Aber auch die weißen Bodyguards haben es nicht leicht. Mandela verlangt, dass sie bei öffentlichen Auftritten freundlich drein schauen. Ihm ist natürlich klar, was für ein wichtiges Signal die gemischte Truppe in der Öffentlichkeit ist. Dieser Mikrokosmos durchlebt mit der Zeit im Kleinen, was Mandela noch für das ganze Land erreichen will. Zusammenwachsen.

In der Realität ist zu dieser Zeit das Gegenteil der Fall. Südafrika hat eine eigene Rugby-Mannschaft, die Springboks, die bei den Schwarzen völlig verhasst ist. Die Schwarzen jubeln sogar, wenn die südafrikanische Mannschaft Gegentore kassiert. Das Team besteht fast ausschließlich aus Weißen und ist ein Symbol der Trennung und des Hasses für die Ausbeutung und Demütigung der Schwarzen unter der Apartheid. Im internationalen Vergleich sind die Springboks übrigens grottenschlecht und es steht eine riesige Blamage ins Haus, weil 1995 die Rugby-Weltmeisterschaft in Südafrika stattfindet und Südafrika als Gastgeberland automatisch qualifiziert ist. Da hat Mandela eine Vision, die an Wahnsinn grenzt. Erstens, will er, dass die Springboks bei der WM möglichst gewinnen und dann will er die Spiele noch als Grundstock nutzen, seine „Regenbogennation“ Wahrheit werden zu lassen. „Sport kann die Welt verändern. Er kann inspirieren und Menschen vereinen, wie sonst kaum etwas“, glaubt er.


Invictus. Good Luck vom Praesidenten persönlich (Morgan Freeman und Matt Damon)


Mandela lädt den Kapitän der Springboks Francois Pienaar (Matt Damon) zum Tee ein. Clint Eastwood schätzt die Lage Mandelas so ein: „Ihm war klar, dass er alle bei ihrer Ehre packen musste, er musste an den Nationalstolz appellieren – wahrscheinlich das Einzige, das die Südafrikaner damals gemeinsam hatten. Er wusste genau, dass die weiße und die schwarze Bevölkerung früher oder später an einem Strang ziehen muss, wenn das Land Bestand haben soll. Also arbeitet er sehr kreativ daran, einen Mannschaftssport zu diesem Zweck zu instrumentalisieren“.

Zögerlich nimmt Kapitän Pienaar Mandelas Anregungen an, stößt aber immer wieder auf den Widerstand seiner Mannschaft. Ein Besuch des Teams auf der Gefängnisinsel Robben Island, auf der Mandela 27 Jahre lang als politischer Häftling inhaftiert war, bewirkt eine Veränderung. Die Zellen sind so winzig, dass man gerade mal die Arme ausstrecken kann. Betten gibt es keine, die Häftlinge mussten auf dem Boden schlafen. Die Arbeit im Straflager war ebenso menschenunwürdig.


Originale Gefängniszelle Mandelas


Das Wunder nimmt seinen Lauf. Tatsächlich gewinnen die Springboks die Weltmeisterschaft unter dem gemeinschaftlichen Jubel der weißen und schwarzen Südafrikaner. Mit diesem Triumph endet der Film.


Sportsfans im Township


Clint Eastwood hat sich bewusst nur dieses eine, fest umschriebene Kapitel der Präsidentschaft Nelson Mandelas herausgepickt. Der Erfolg war kein wirklich bleibender. Südafrika ist heute noch ein zerrissenes Land. Trotzdem ist der Versuch an sich gelungen und Eastwood zeigt in dem Film das Visionäre, das Durchhaltevermögen und die Demut Mandelas, die das möglich machten. Wenn Mitte dieses Jahres die Fußball-WM in Südafrika stattfindet, wäre dem Land ein weiteres, solches Sommermärchen zu wünschen. Es geht vielleicht gar nicht so sehr ums Gewinnen, aber um die gemeinsame Anstrengung, das gemeinsame Erleben.

Mandela hatte seinerzeit Pienaar ein Gedicht mit auf den Weg gegeben, das ihm geholfen hat, seine Gefangenschaft durchzustehen und das Clint Eastwoods Film den Titel gab.

http://wwws.warnerbros.de/invictus/





 

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