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Interview


Mit Der Mondmann ist es dem Berliner Produzenten und Regisseur Stephan Schesch gelungen, den Schweizer Kultzeichner Tomi Ungerer nach Die 3 Räuber zu einer zweiten Verfilmung eines Kinderbuches zu überreden

Interview mit KATHARINA THALBACH



Frau im Mond

Ebenso wie das Buch, das sich mittlerweile zu einem Klassiker in deutschen Kinderzimmern entwickelt hat, wendet sich auch die Mondmann-Verfilmung an ein ganz junges Publikum. So zählt der Film zu den ganz wenigen, die man ohne Vorbehalte Kleinkindern empfehlen kann, die noch im Kindergartenalter sind. Denn aus den wenigen Seiten des Buches hat das Team um Stephan Schesch einen sehr ruhigen Film transformiert, der seine Geschichte behutsam und vorrangig über die Bilder entwickelt, so dass jene Zuschauer, die noch über sehr wenig Filmerfahrung verfügen, ohne Mühe und mit Genuss zu folgen vermögen. Die eigenwillige Eleganz der betont einfachen, aber akzentuierten Bildsprache Ungerers wurde beibehalten, indem die Bilder am Computer nicht mehrdimensional, sondern flächig nachgezeichnet und animiert wurden. So hat der Film optisch eher den Charme klassischer Zeichentrickfilme, allerdings mit digitaler Schärfe.

Die Story ist eine Fabel, in der das Fremde, Ungewöhnliche (der kurzentschlossen zur Erde gereiste Mondmann) dank Fantasie und Hilfe eines ihm wohl gesonnenen Wissenschaftlers (Prof. Bunsen van der Dunkel) den eitlen Machtgelüsten des Weltpräsidenten ein Schnippchen schlägt. Neben markanten Sprechern wie Thomas Kästner als van der Dunkel (mit adäquat dunkel-sonorem Timbre) konnten auch prominente Namen wie Ulrich Tukur und Katharina Thalbach für das Vertonen der Dialogtexte gewonnen werden.




Der Mondmann 1 - Foto © Le Pacte

Der Mondmann 2 - Foto © Le Pacte



Frau Thalbach, kannten Sie das Buch schon, bevor sie den Mondmann gesprochen haben?

Katharina Thalbach:
Zufälligerweise ja, weil ich es meiner Enkeltochter irgendwann mal geschenkt und vorgelesen hatte. Ich war schon immer großer Tomi-Ungerer-Fan – nicht nur von seinen Kinderbüchern. Insofern war es für mich eine große Ehre, der Mondmann sein zu dürfen.


Der Mondmann ist ein sehr isoliert lebender, melancholischer Mann. Da passt Ihr warmes, dunkles Timbre gut.

Thalbach:
Für mich ist der Mondmann eine geschlechtsneutrale Figur. Ein Wesen. Seine Hülle ist La Lune und in ihr hat er sich viele zig-millionen Jahre aus der Entfernung so angeschaut, was sich auf der Erde so alles zuträgt. Dass einen so etwas sonderbar macht und man mal nachschauen will, um die Dinge besser zu erfassen, ist verständlich. Insofern hat das Sprechen so einer Figur viel mit Kreation zu tun, also ein Finden, welche Art von Langsamkeit der Mondmann hat und wie er Emotionen äußert. Was ich an Zeichentrickfilmen so besonders liebe: dass man so viele Geräusche machen darf – von Entsetzen über Genuss bis Müdigkeit. Dann darf man fast wieder in die urkindlichen Phasen zurückgehen, das liebe ich. Ausländische Schauspieler lippensynchron zu sprechen, erlaubt so etwas nicht. Das habe ich früher aber auch gerne gemacht, als ich als Kind in der DDR für die DEFA synchronisiert habe. Wir hatten ja viele Kinderfilme aus der Sowjetunion und Tschechien, die synchronisiert werden mussten.


Hat Ihnen das bei der späteren Arbeit als Schauspielerin geholfen?

Thalbach:
Ja, in gewisser Hinsicht. Man braucht ein gewisses Rhythmusgefühl für Synchronsprechen. Und man spielt auch dabei! Deswegen macht man wahrscheinlich immer viel mehr Fratzen als im Film, weil man am Mikrofon so stark mitgeht. Bei Der Mondmann hat jeder Schauspieler seine Figur allerdings für sich alleine im Studio gesprochen.


Der Mondmann hat relativ wenig Text, da hat die Synchronisation wohl nicht lange gedauert?

Thalbach:
Das Sprechen für den Film selber war zwar eine kurze Zeitspanne. Aber eigentlich bin ich mit dem Mondmann schon seit drei Jahren beschäftigt. Denn ich wurde schon sehr früh als Sprecherin engagiert und habe damals ohne Animationen die Texte aus dem Buch vorgelesen. Im Jahr darauf gab es dann einige wenige, lebende Skizzen, die nach den Bildern entstanden waren. Das war dann schon fast die Synchronisation, und dann gab es etwas später den letzten, dritten Schritt, wo noch einige Atmungs- und andere Geräusche dazugekommen sind. Ich hatte zusätzlich noch das große Vergnügen, dass ich den Mondmann auch auf Englisch und Französisch sprechen durfte. Der Produzent Stephan Schesch wollte mich unbedingt alle Fassungen sprechen lassen, nachdem er sich andere Stimmen angehört hatte.


Kein Problem für Sie?

Thalbach:
Ich habe mal in Paris Mutter Courage auf Französisch gespielt – da durfte ich aber einen Akzent haben. Das sollte diesmal nicht sein, und so haben mich die Franzosen feinste Unterschiede beim „en“, „on“ und „an“ durchproben lassen. Das war schon eine schwierige Übung, dafür bin ich jetzt sehr stolz darauf, auch der französische Mondmann zu sein: „la lune“. Die Engländer hat das nicht sonderlich gekümmert, ob der Mondmann einen undefinierbaren Akzent hat.


Kennen Sie überhaupt Freizeit?

Thalbach:
Na klar! Ich arbeite zwar gerne und daher viel. Aber normal, glaube ich. Vielleicht vermutet man das nicht, weil ich das Glück habe, dass ich häufiger an Produktionen beteiligt bin, die in der Öffentlichkeit nicht so schnell untergehen. Für dieses Jahr habe ich mich aber entschlossen, kürzer zu treten und nicht mehr selbst zu inszenieren, denn das kostet am meisten Zeit und Kraft. Letztes Jahr habe ich eine Oper und ein Theaterstück inszeniert, das erspare ich mir dieses Jahr.


Max-Peter Heyne - 21. März 2013
ID 6632

Weitere Infos siehe auch: http://www.der-mondmann-film.de


Post an Max-Peter Heyne



 

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