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Interview

BARBARA WEBER

Verführung zur subtilen Anarchie


Das ist die Filmemacherin Barbara Weber | Bildquelle: barbaraweber.de

Liebenswert, bayerisch querulantig und verblüffend medien-inkonform - das ist Kofelgschroa aus Oberammergau. Barbara Weber lernte die Tuba, Ziehharmonika und Flügelhorn spielenden Freunde im bayerisch-japanischen Wirtshaus „Nomia“ in München kennen. Ihr Film Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen begleitet sie auf die Alm, in die Schmiede, zum Ziegenfüttern und auf Konzertreisen nach Berlin und Hamburg. Über sechs Jahre sieht ihre Langzeitdoku den vier Freunden beim Erwachsenwerden zu: Frei-Sein-Wollen war Publikumsliebling auf dem letzten Münchner Dokumentarfilmfest. Seit 7. August läuft ihre einfühlsame Dokumentation bundesweit im Kino.



Kinoposter



Frau Weber, was haben Sie in den vier Burschen von Kofelgschroa gefunden?

Barbara Weber:
Sie sind sehr innerlich, und alle vier Freunde haben eine gewisse Unschuld. Es geht mir darum zu zeigen, dass so junge Typen vom Land viel verwurzelter und klarer sein können als die leistungsorientierten Stadtmenschen, die krampfhaft bestrebt sind, sich kontinuierlich zu optimieren.


Der Film transportiert die Überlebensstrategie von Kofelgschroa. Wie würden Sie die beschreiben?

B.W.:
Diese jungen Musiker machen uns Mut uns zu fragen, was wir sind, was wir sein wollen und können. Sie zeigen, dass wir uns weder vom Konsum verführen noch uns zu sehr anpassen und von den Systemen verbiegen lassen müssen: Gerade nicht das tun, was andere von uns erwarten. Das ist eine Verführung zur subtilen Anarchie.


Es gibt Kritiker, die rümpfen die Nase über ihre amateurhafte, etwas ungenaue Spielweise…

B.W.:
Aus meiner Sicht zählt vor allem ihre Spielfreude. Mit der sind sie sich nah und treu. Und eben das nicht Perfekte hat diese magische Anziehungskraft. Ihre Mollakkorde dringen tief ins Gemüt.


Sie meinen, die Kraft kommt aus dem „Schlanzigen“, aus dem beiläufig Hingeworfenem?

B.W.:
Ja, dieses bayerisch schlanzig Dahingespielte ist der Gegenentwurf zur vermeintlichen Perfektion und Präzision unserer Zeit. Der Plan der Jungs aus O-Gau ist - kein Plan. Sondern den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen: Mehr zu fühlen, weniger zu bewerten. Ihre Stille, ihr gemächlich-verzögertes Tempo erscheint uns radikal. Dabei sehnen wir uns genau danach.


Was war für Sie als Münchnerin spannend im engen Oberammergau?

B.W.:
Es ist ein besonderes Dorf, manchmal wirkt es wie eine überwältigende Heimatfilmkulisse. Ich habe dort diese bayerische Lakonie gefunden, die mich sehr anzieht. Und auch das Schräge und Hinterkünftige, was es neben dem Volkstümlichen gibt.


Wie konnte Ihr No-Budget-Film eigentlich ins Kino gelangen?

B.W.:
Ich habe für diesen Film wahnsinnig viel riskiert. Wir hatten kein Geld, und das Projekt war anstrengend. Mein Thema hat aber dann doch überzeugt. Kurz vor Schluss haben wir den Bayerischen Rundfunk als Co-Produzenten gewonnen.


Warum liebt das Publikum Frei-Sein-Wollen?

B.W.:
Ich zeige Seelenmenschen, kluge bescheidene, integre Persönlichkeiten, die sich tastend bewegen. In der Stadt haben wir die totale Freiheit, sind getrieben davon, was scheinbar Kult ist und hipp. Am Land gibt es einen anderen „Spirit“, der tatsächlich cool ist. Die Land-Jungs von Kofelgschroa sind verrückterweise heute Trendsetter für die Großstadt.


Das Kino-Publikum merkt, dass es sich bei diesen scheinbar naiven Typen aus der Provinz eine Scheibe abschneiden kann?

B.W.:
Genau. Das Wahrhaftige, Verträumte und Valentineske der Band macht sie sympathisch - und lässt viele Zuschauer mit einem Lächeln auf den Lippen zurück.




Martin von Mücke in Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen. - Foto (C) Südkino/Movienet



Interviewerin: Eva von Steinburg - 8. August 2014
ID 8002
Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.

Noch sind Kofelgschroa erklärte Freizeit-Musiker. Doch die vier jungen Musiker, Künstler und Handwerker aus Oberammergau haben in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufstieg hingelegt. Aus fideler Volksmusik entwickelte die Band einen hypnotischen unsauber-rustikalen Krautrock. Markant ist ihr Dialekt, der oft dreistimmige Gesang und die ungewöhnliche Länge der Stücke – das Endlose provoziert eine Art Trance.

Kofelgschroa heißt ihre erste CD. Im Herbst 2014 wird die zweite erwartet. „Das Melancholische, Dadaistische, Komische, Minimalistische, Einfache, irgendwie Abgedrehte, Verträumte gefällt uns“, sagt die Band über sich selbst. Der handgemachte, eigensinnige Sound von Tenorhorn, Helikontuba, Gitarre und Akkordeon begeistert Land auf und ab. Als Menschen zurückhaltend und kritisch, sind die „Kofler“ seit gestern (7. 8. 2014) mit ihrer Musik im Kino.

e.v.st.

Weitere Infos siehe auch: http://www.barbaraweber.de


Post an Eva von Steinburg

http://www.eva-steinburg.de




 

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