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Rezension


Filmstart: 8. Juli 2010

„Mr. Nobody“ (Frankreich, Deutschland, Kanada, Belgien 2009)

Buch und Regie: Jaco von Dormael


(C) Concorde



Mit nur zwei abendfüllenden Filmen, „Toto der Held“(1991) und „Am achten Tag“ (1996) gelang es dem belgischen Drehbuchautor und Regisseur Jaco van Dormael seinen Ruf als Filmemacher zu zementieren. Beide Produktionen wurden mit Preisen und Nominierungen überschüttet, darunter die Goldene Kamera in Cannes für „Toto der Held“ 1991. Nach 14 Jahren kommt nun sein dritter Spielfilm in die Kinos und wird zurecht mit Spannung erwartet.

Medienrummel im Jahr 2092. Der letzte sterbliche Mensch (Jared Leto) feiert seinen 118. Geburtstag. Es geht ihm nicht gut. Er wird wohl bald sterben. In einer Gesellschaft, die durch Verfahren ständiger Zellerneuerung den Tod überwunden hat, ist er die Sensation schlechthin. Da der Alte kaum noch Erinnerungen an sein Leben hat, versucht sein Arzt Dr. Feldheim (Alan Corduner) durch Hypnose das Rätsel um den Sterblichen zu lösen. Da er nicht weiß, wie er heißt, wird er Mr. Nobody genannt. Aber er ist eher ein Jedermann als ein Niemand.



Mr. Nobody, alt - Foto (C) Concorde


In den Erinnerungsfragmenten von Mr. Nobody kristallisieren sich ein Kindheitstrauma und verschiedene Lebensentwürfe heraus. Als Neunjähriger lassen sich die Eltern scheiden und überlassen ihrem Sohn Nemo (Thomas Byrne) die Entscheidung, mit welchem Elternteil er leben möchte. Der Kleine ist völlig damit überfordert. Der Film führt beide Geschichten fort. Wir sehen, was aus Nemo geworden wäre, wenn er zu seiner Mutter gezogen und auch, wenn er bei seinem Vater geblieben wäre. Welches denn jetzt die „richtige“ Geschichte ist, erfahren wir nicht. Autor und Regisseur van Dormael spielt bewusst mit den Möglichkeiten und Entscheidungen, die Nemo im Leben antrifft.

Genauso geht es weiter mit der Partnerwahl. Schon als Kind trifft Nemo auf drei Mädchen, die seine möglichen Ehefrauen werden könnten. Getreu dem Prinzip des Films werden alle drei Versionen erzählt. Nemo hat die blonde Elise (Sarah Polley) geheiratet. Diese ist aber psychisch labil und depressiv. Nemo und die Kinder aus der Ehe leiden darunter. Er bemüht sich sehr um seine Frau, kann aber den Lauf des Schicksals nicht aufhalten.



Nemo soll sich zwischen Mutter und Vater entscheiden - Foto (C) Concorde


Der nächste Entwurf: Nemo hat die aparte Jeanne (Linh-Dan Pham) geheiratet. Die Ehe funktioniert, seine Frau liebt ihn sehr. Aber er liebt sie nicht wirklich. - Die Liebesgeschichte mit Anna (Juno Temple/Diane Kruger) beginnt schon, als Nemo 15 Jahre alt ist (Toby Regbo). Auch sie ist von Trennungen und Schicksalsschlägen gekennzeichnet
Nach Definition von Jaco van Dormael ist „Mr.Nobody“ ein Film über Entscheidungen: „Welche Rolle spielt der Zufall bei den Entscheidungen, die wir treffen? Wie viel davon ist wirklich freie Entscheidung und wie viel ein Zusammenspiel winziger Ursachen, von denen wir keine Ahnung haben?“ Im Film ist es letztlich ein Journalist (Daniel Mays), der sich unerlaubt in das Zimmer des alten Nemo einschleicht und zumindest einen Teil des Rätsels löst.



Drei Mädchen und damit drei Zukunftsentwürfe zur Auswahl - Foto (C) Concorde


Van Dormael ist ein faszinierender Film gelungen, der auch einen kleinen Einblick in das Leben an sich gibt. In „Mr. Nobody“ kann man viele Aspekte von sich selbst wieder entdecken. Der Film ist auch mutig, weil er komplexe filmsprachliche Mittel einsetzt, um die Vielzahl der Geschichten zu erzählen, denn oft genug werden im Medium Film die Dinge verkürzt und vereinfacht. Der Soundtrack ist üppig und vielfältig, reicht von „99 Luftballons“ bis zum Prelude von Johann Sebastian Bach. Die Original-Filmmusik stammt vom Bruder des Regisseurs, Pierre van Dormael.

Obwohl er so selten Filme dreht, ist Jaco von Dormael vom Medium Film begeistert: „Das Kino erlaubt uns, unser Leben zu vervielfältigen. Es gibt keine gute oder schlechte Entscheidung in unserem Leben. Wie wir mit den Entscheidungen leben, das ist es, worauf es ankommt. So gesehen ist eines der grundlegenden Motive in meinen Film das der persönlichen Freiheit und die Frage, ob es überhaupt eine Freiheit der Entscheidung gibt.“


Helga Fitzner - red. / 8. Juli 2010
ID 00000004715

Weitere Infos siehe auch: http://www.mrnobody-film.de/


Post an die Autorin: fitzner@kultura-extra.de



 

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