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Rezension


Filmstart: 28. April 2011

„Thor“ (USA 2011)

Nach der Marvel-Comic-Serie „The Mighty Thor“ / Regie: Kenneth Branagh


2011 wird das Kinojahr der Verfilmungen von Marvel Comics. So wird es ein Wiedersehen mit den X-Men, Spider-Man und vielen anderen geben. Das Ganze wird 2012 in dem Film The Avengers kulminieren, in dem die Superhelden der einzelnen Comics gemeinsam auftreten.

Der New Yorker Comic-Verlag Marvel Enterprises wurde in 1930-er Jahren gegründet. Die X-Men, die Fantastischen Vier, Spider-Man und Hulk gehören zu seinen erfolgreichsten Comics und sind auch schon dem Kinopublikum bekannt. Thor ist die Erstverfilmung dieses Comics. Bemerkenswerterweise feiert Marvel Enterprises immer dann besondere Erfolge, wenn die Zeiten durch Krieg, Wirtschaftskrisen oder andere Bedrohungen geprägt sind.

Die Comic-Figur Thor wurde in den 1960-er Jahren von Stan Lee ersonnen und von Jack Kirby gezeichnet. Er ist nach der nordischen Gottheit Thor benannt, der den mythenumrankten Hammer Mjolnir besitzt, der ihm magische Kräfte verleiht und mit dem er Donner erzeugen kann. Die Namensgebung des Donnerstages ist übrigens auf Thor, den Donnergott, zurückzuführen. Thors Vater ist Odin, ein sehr weiser Herrscher des himmlischen Reiches Asgard. Um seine Weisheit zu erlangen, hat er einst ein Auge geopfert. Seitdem hat er seherische Fähigkeiten. Sein ärgster Feind ist Laufey, der über das Eiskristall-Reich Jotunheim herrscht, doch es ist Odin gelungen, ein langjähriges Friedensabkommen mit ihm abzuschließen.

Der Film Thor setzt nach einem kleinen Ausflug in die Vorgeschichte bei der Krönungsfeierlichkeit für Thor (Chris Hemsworth) ein, der seinem Vater Odin (Anthony Hopkins) auf den Thron folgen soll. Die Zeremonie wird durch einen Affront von Soldaten des Erzfeindes Laufey (Colm Feore) gestört. Odin reagiert gelassen, aber Thors ungezügeltes Temperament verleitet ihn zu einem Gegenschlag. Um den Frieden nicht zu gefährden, bestraft Odin seinen Sohn. Er beraubt ihn seiner magischen Kräfte und verbannt ihn auf den aus seiner Sicht minderwertigen Planeten Midgard, auch unter dem Namen Erde bekannt. Dort fällt er der Astrophysikern Jane Foster (Natalie Portman) und ihrem Mentor, dem Forscher Professor Andrews (Stellan Skarsgard), buchstäblich vors Auto. In seinem väterlichen Zorn hat Odin Thors Hammer gleich mit auf die Erde geworfen. Aber der ist so tief in einem Stein versenkt, dass Thor ihn erst befreien können wird, wenn er seine Lektion gelernt hat. Das ist das besondere an diesem Superhelden, der in diesem Moment ja keiner mehr ist. Er muss sich mit seinen eigenen physischen und mentalen Kräften begnügen und seine Überheblichkeit und sein Ungestüm zügeln lernen. Erst wenn er Selbstbeherrschung, Umsicht und Einsichtsfähigkeit gelernt hat, wird er in der Lage sein, das himmlische Königreich Asgard nach göttlichen Regeln und zum Wohle aller zu regieren. Hier wird ein Gott also in eine menschliche Lage versetzt, was recht amüsant inszeniert ist.

Während Thor auf der Erde „nachsitzen“ muss, erkrankt sein Vater Odin schwer und Thors jüngerer Bruder Loki (Tom Hiddleston) reißt die Macht an sich. Die dunklen Mächte erlangen wieder Macht und Thor ist der einzige, der Asgard retten könnte und auch die Menschen. Denn die Auseinandersetzungen im Götterreich haben Auswirkungen auf die Geschehnisse auf der Erde, der nun ein Inferno droht. Ohne seinen Hammer und seine magischen Kräfte muss Thor sich dem Feind stellen, denn ein wenig hat er schon gelernt. Seine menschlichen Freunde sind ihm ans Herz gewachsen und die schaffen es ohne magische, aber dafür mit menschlichen Qualitäten zurecht zu kommen.

Es ist schon ein wenig verwunderlich, dass ausgerechnet Kenneth Branagh, der sich u. a. mit Shakespeare-Inszenierungen einen Namen gemacht hat, die Regie für eine Comic-Verfilmung übernahm. Aber irgendwie passt es doch. Shakespeare-Könige sind wie Götter und nicht weniger mythisch, wie das Reich Asgard. Branagh meint dazu: „Es ist elektrisierend und so aufregend, dass man es körperlich spürt, Königen und Giganten beim Kampf gegen ihre Probleme zu begleiten – weil sie sich mitunter ebenso verhalten, wie wir es täten, auch wenn es bei den wenigsten von uns um ein Thronduell gehen dürfte.“ Branagh brachte seine Erfahrungen mit mythischen Geschichten und ihrer besonderen Sprachgebung ein. Er hütete sich aber vor übertriebener Überhöhung und blieb weitestgehend bei dem, was es ist: eine Comic-Verfilmung. Dies allerdings auf höchstem Niveau.


Odin (Anthony Hopkins) appelliert vergeblich an die Einsicht seines Sohnes Thor (Chris Hemsworth) - Foto (C) Paramount Pictures

Der Thronsaal des Königreichs Asgard im goldenen Design - Foto (C) Paramount Pictures

Thor (Chris Hemsworth) bekommt den magischen Hammer nicht los - Foto (C) Paramount Pictures


Die Herausforderung lag nicht nur im Skript und in der Regie. All dies ist wunderbar gelungen. Es mussten Kostüme und Set-Designs entworfen werden, die nicht nur dem Comic, sondern auch dem Medium Film und der 3D-Technik gerecht werden. Es entstanden drei verschiedene Welten. Das in Gold getauchte Königreich Asgard, das dunkle und kalte Eiskristallreich Jotunheim und ein ganz normaler amerikanischer Ort auf der Erde in New Mexico. „Wir mussten auch visuelle Brücken schaffen, die das spektakuläre Reich der Götter mit unserer Erde zu verbinden helfen“, erklärt Branagh. „Wir brauchten einen Stil, der die Welten eint, aber den Charakteren auch erlaubt, ihre Reisen anzutreten und sich an ihren fremden Zielen wie Fische auf dem Land zu fühlen. Von Asgard nach Jotunheim zur Erde und zurück – das ist ein ziemlich wilder Trip. Und nicht nur die Fans sollen genug Zeit haben, alle Welten und ihre endlosen Details zu bestaunen.“

Branagh war von dem Produktionsdesigner Bo Welsh und seinem Team begeistert: „Was ich von Bo brauchte und zur Genüge erhielt, waren freie Flüge der Fantasie. Er war furchtlos darin, die Erde der Gegenwart, das kosmische Asgard und die erschreckenden Schneewüsten Jotunheims so aufwendig wie möglich zu konzipieren, um sie dann durch kreatives Design miteinander zu verbinden. Natürlich nutzte er auch intensiv das vorliegende Material aus den Comics, doch wir wollten keine filmische Blaupause, sondern auch eine Explosion frischer Ideen. Bo fand sie in Büchern ebenso wie nach Blicken durch das Hubble-Teleskop. Was immer da draußen sein mag und aus astrophysischer Sicht heute hinsichtlich extraterrestrischen Lebens und der Möglichkeit interplanetaren Reisens denkbar scheint – es ging durch die Hände von Bo und seinen Leuten, die daraus die Basis für unsere Set-Designs schufen.“ So wurde die Regenbogenbrücke des Comics zu einem beeindruckenden Portal. Der Darsteller des Schurken Loki, Tom Hiddleston, ergänzt: „Eine meiner wichtigsten Sequenzen spielt im sogenannten Observatorium – einem Tor am Rande der Gotteswelt Asgards, das alle Reisenden passieren müssen. Und ich kann schon verraten: In ‚Thor’ gibt es keine kleinen Visionen und unser Set war atemberaubend.“

Kenneth Branagh verlässt sich bei Crew und Cast überwiegend auf ein bewährtes Team. Es spricht für ihn, dass er es geschafft hat, die Schauspielgröße Anthony Hopkins vor die Kamera zu locken, der eine Bravour-Leistung abliefert. Für die Titelfigur des Thor hat er den Australier Chris Hemsworth engagiert, einen Newcomer, der allein durch seine Körpergröße und athletische Statur die visuellen Voraussetzungen mitbringt, der Rolle aber auch schauspielerisch gewachsen ist. Wir werden ihn sicher noch oft zu sehen bekommen, weil dies sein Durchbruch werden dürfte.

Wer mit der Erwartung von Action- und Popcorn-Kino in die Vorstellung geht, kann mit einem äußerst gelungenen Abend rechnen.


Helga Fitzner - red. 29. April 2011
ID 5185

Weitere Infos siehe auch: http://thor.marvel.com


E-Mail an Helga Fitzner



 

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