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Rezension

Pferdekopf in Slow Motion - Recycling Medea von Asteris Kutulas scheitert im Reich der Sinne





Jede Generation schafft sich ihre eigene Medea. Die Medea meiner Jugend war ein Monument gegen Duldsamkeit. In Recycling Medea, einem Film von Asteris Kutulas, vertritt die Ungehaltene Griechenland. Medea ist aber die berühmteste Ausländerin der Weltliteratur, sie folgt Iason und seinen Argonauten aus einem Barbarenreich (in Sicht der Griechen) am Schwarzen Meer nach Iolkos. Da lässt sie sich zur Tänzerin ausbilden: in Kutulas’ Lesart des Mythos. Recycling Medea verschränkt Proben- und Premierenstimmungen einer klassischen Verwandlung des Dramas in Bewegung mit Straßenkampfszenen. Die Aufnahmen suggerieren ein sich erhebendes Volk in der Blüte seiner Jugend.

Choreograf Renato Zanella fragt: Sind wir nicht alle ein bisschen Medea? Seine Tänzerinnen sind großes Kino, sie passen zu Aufmärschen in den dramatischen Farben der Rebellion. Primaballerina Maria Kousouni schwebt über schwelenden Straßen – Aufstandsromantik. Beide Stränge laufen in einer Graphic Novel über den Erklärungsticker. Was gezeigt wird, findet noch einmal eine Beschreibung. Diese Verdopplung funktioniert. Soweit so gut. Nicht gefallen kann einem die weichgezeichnete Naturlyrik (plus Anne Frank in Zitaten), die als dritte Achse den Aufbau beweglich halten soll. Ich will das nicht ausmalen, ich erinnere an David Hamilton, der aus einer Neubewertung seiner Kunst womöglich als Krimineller hervorginge. Ich erlebe die Koloraturen eines Softpornos mit einem Pferdekopf in Slow Motion.

Was soll der Geiz. Mikis Theodorakis hat die Filmmusik geschrieben, er äußert sich als Patriot in außerparlamentarischer Opposition. Man habe ihn drei Mal als Terroristen gehandelt, zur Zeit der deutschen Besatzung, im Bürgerkrieg nach Fünfundvierzig und in der Obristenära ab Siebenundsechzig. Der musikalische Kämpfer sagt: „Wenn ich heute jung wäre, würden sie mich wieder einen Terroristen nennen.“

Jeder wird Recycling Medea als Kommentar zur griechischen Krise deuten. Doch der Film ertrinkt in seinen Bildern. Seine Aspekte erscheinen zunehmend disparat. Collage, Montage. Filmgedicht. Das Kino als Mobile – ich suche ein Wort, das meine Eindrücke rettet. Ich halte mich an Zanella und seine Compagnie. Ich sehe Mythos und Arbeit. Die Frauen gebären „gegen den Anmarsch der Würmer“. (Heiner Müller) Medea, „die Kennerin der Gifte“, kriegt spitz, dass ihr Iason zu Glauke geht. Sie leuchtet der Tochter des Kreon heim, wie dann auch allen anderen. Das ist ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der ganz bestimmt kein betäubter Wille steht.


Bewertung:    
Jamal Tuschick - 19. Januar 2014
ID 7528
Die Berliner Filmpremiere von Recycling Medea war gestern (18. Januar 2014) im BABYLON am Rosa-Luxemburg-Platz.

Weitere Infos siehe auch: http://recycling-medea.com/de/


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