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Rezension


„The Ides of March – Tage des Verrats“ (USA 2011)

Regie: George Clooney

Starttermin: 22. Dezember 2011

Die Iden des März sind berühmt geworden, weil der römische Kaiser Gaius Julius Caesar in der Monatsmitte des März umgebracht wurde. Zu seinen Attentätern gehörte auch sein engster Freund Brutus. So nimmt die Assoziation, die der Filmtitel bewirkt, ein kommendes Unheil und einen Verrat schon vorweg. Auch das Plakat ist sehr geschickt gewählt: Es zeigt rechts die halbe Gesichtshälfte des Präsidentschaftskandidaten Mike Morris (George Clooney) und links die seines aufstrebenden Pressesprechers Stephen Meyers (Ryan Gosling „Drive“). Der Präsidentschaftskandidat wird als das dargestellt, was die PR aus ihm macht und Morris ist ein guter „Verkäufer“ der ihm vorgeschlagenen PR-Strategien.

Sein Wahlkampfteam hat die Finger immer am Puls der neuesten Umfrageergebnisse, lanciert Pressemeldungen und bestimmt die Marschrichtung. Das hat bislang sehr erfolgreich geklappt. Wenn er die Vorwahlen im US-Bundesstaat Ohio gewinnt, ist Morris die Kandidatur sicher. Mit Paul Zara (Philip Seymour Hoffman) hat Morris einen erfahrenen Wahlkampfleiter an seiner Seite und mit Meyers einen hungrigen Idealisten, der sich beweisen will.

The makers of presidents – Mike Morris (George Clooney) wird vom Wahlkampfstrategen Paul Zara (Philip Seymour Hoffman) und Stephen Meyers (Ryan Gosling) beraten © Tobis Film
Die Verwicklungen beginnen, als Pressesprecher Meyers mit der Praktikantin Molly Stearns (Evan Rachel Wood) eine Affäre beginnt. Hat er seinen Job bisher idealistisch gesehen, oder sich zumindest glauben gemacht, Idealist zu sein, erfährt er nun von Geheimnissen, Affären und anderen unangenehmen Dingen. Trotz seiner Rettungsversuche kommt es schließlich zu einem Todesfall, dessen Hintergründe vertuscht werden müssen, weil sie Morris’ Kandidatur gefährden würden.

Dann begeht Meyers noch einen folgereichen strategischen Fehler: Er lässt sich leimen und trifft sich mit dem Wahlkampfmanager der Gegenseite Tom Duffy (Paul Giamatti). Von nun an befindet er sich im freien Fall, es sei denn, dass er aus seinen Kenntnissen Kapital schlägt. Willkommen im Sumpf der Politik!

Strategischer Fehler: Meyers (Ryan Gosling) trifft sich mit dem gegnerischen Wahlkampfleiter Tom Duffy (Paul Giamatti) © Tobis
Die Charakterdarsteller Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti spielen erstmals im selben Film und liefern beide oscar-reife Vorstellungen ab. George Clooney hat bis in kleine Nebenrolle hochkarätige Schauspieler besetzt, darunter Marisa Tomei als Politik-Journalistin und Jennifer Ehle als Morris’ stets im Hintergrund lebende und liebende Ehefrau.

George Clooney erzählt in einem Vorwort, dass er den Film schon früher gemacht hätte. Das wäre aber mit der Wahl Barack Obamas zusammen gefallen, als noch ganz viel Optimismus in der Luft lag. Da wäre sein Film fehl am Platze gewesen. Jetzt sieht das anders aus. George Clooney erläutert: „Es ist nicht nur ein Film über Politik. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der sich bis auf die höchste Stufe der Karriereleiter durchkämpft, dafür aber seine Seele opfert. Es ist eine Geschichte über Moralität, die zufällig in der Politik spielt. Genauso könnte der Held ein Anwalt oder Agent sein, aber Politik macht einfach mehr Spaß“ .

Angesichts der realen bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA ist der Zeitpunkt jetzt sehr passend. „The Ides of March“ ist George Clooneys vierte Regiearbeit und hat wie viele seiner Filme, vor allem die, in denen er “nur” Schauspieler ist, eine kritische politische Note. Der Hauptfigur, Stephen Meyers, mag man seine Ideale zunächst glauben, sich über die Politik für eine bessere Welt einsetzen zu wollen, aber wie Barack Obama wird er von entgegengesetzten Urkräften zermahlen. Wir mögen auch Brutus glauben, dass er seinen Freund Caesar nur verriet, weil dieser der Republik abschwören und, wie man es heute nennen würde, Diktator werden wollte. Bei diesem einen Toten blieb es nicht, es folgten anschließend Morde an den Anhängern Caesars und blutige Diktaturen, wie z. B. die unter Nero. Das hat Brutus vermutlich nicht gewollt, aber auch nicht verhindern können.

Der Film gibt keine schlüssigen Antworten, weil es die nicht gibt. Im politischen Umfeld sauber zu bleiben, ist schwer, vermutlich unmöglich. Der Film zeigt aber auf subtile Art Wachheit und Sensibilität für die Strategien der Wahlkampfmaschinerien. Man sollte sich also von dem strahlenden Image von Politikern nicht blenden lassen.


Helga Fitzner - 21. Dezember 2011
ID 5556

Weitere Infos siehe auch: http://www.theidesofmarch.de





 

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