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Unsere Neue Geschichte (Teil 12)

Puzzleteile für
eine neue Welt

Essay


Bewertung:    



Wenn es unsere Reihe „Unsere Neue Geschichte“ nicht schon gäbe, hätte man sie für Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen erfinden müssen. Im Jahr 2012 wurden die Filmemacher Cyril Dion und Mélanie Laurent durch eine wissenschaftliche Studie in der Zeitschrift „Nature“ aufgerüttelt, in der 21 Wissenschaftler ankündigten, dass es bis zum Ende des Jahrhunderts zu einem Massensterben kommen und ein Teil der Menschheit verschwunden sein könnte. Also reisten sie mit einem Filmteam rund um den Globus, um Menschen aufzusuchen, die kreative Alternativen ersonnen haben, um das düstere Szenario umzuwandeln. „Die wollen Puzzleteile zusammensetzen, um eine neue Geschichte zu schaffen, die zur Gestaltung einer neuen Welt inspiriert“, heißt es im Film. Der Brite Rob Hopkins, Gründer der Bewegung Transition Towns, „Städte im Wandel“, sagt eingangs: „Wir sind so brillant darin, Filme über Katastrophen zu machen, aber wo sind die Filme, die etwas umkehren und etwas lösen können? Wir haben keine Geschichte, die dazu passt, denn das wäre eine Geschichte, in der wir etwas aufgeben und Verzicht üben müssten. Die Leute glauben, dass man dann in Höhlen sitzen und verfaulte Kartoffeln essen müsste. Aber das muss doch nicht so sein, es könnte auch fantastisch werden.“ In fünf Kapiteln werden die Puzzleteile vorgestellt, die vielgestaltige Lösungsansätze beschreiben.


Kapitel 1 - Landwirtschaft

Die Großstadt Detroit im US-Staat Michigan hatte auf eine Mono-Industrie gesetzt und war zu einer florierenden Metropole der Autoproduktion geworden. Als diese zusammenbrach, war auf einmal nichts mehr da und der Niedergang dramatisch. Wer nicht in der Lage war, sich anderswo eine neue Existenz aufzubauen, musste in einer Stadt leben, die zunehmend verfiel. Dadurch aber entstanden Brachflächen, die mittlerweile zum Anbau von Lebensmitteln genutzt werden. Die urbane Landwirtschaft ist so weit gediehen, dass dort 20.000 Freiwillige in über 1.600 Bio-Farmen und Bio-Gärten arbeiten. Ihr Ziel ist es, die Hälfte der Bevölkerung Detroits selbst versorgen zu können. Die urbane Landwirtschaft hat hier nicht nur die Folgen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs abgemildert, die Menschen ernähren sich jetzt sogar besser. Die urbanen Landwirte halten aber nichts von einer romantisierten Vorstellung des Anbaus, der sei harte Arbeit. Sie freuen sich aber, dass die regionale Produktion gleichzeitig die Umwelt schont, denn die Produkte aus konventionellem Anbau legen in den USA im Schnitt 2.400 km zurück, bevor sie beim Verbraucher ankommen.
Auch im englischen Todmorden war man sich des ernsten Zustands unseres Planeten bewusst. Es wurde viel gemeckert, aber nichts gemacht. Zu entmutigend war die Ohnmacht, als Einzelner oder kleine Gemeinschaft, gleich den ganzen Planeten retten zu wollen. Doch dann wurde in Todmorden die erste „essbare Stadt“ gegründet, und die Bewohner fingen in ihrem eigenen Garten, in ihrer eigenen Straße an, Lebensmittel kostenlos für alle anzubauen. „Essbare Stadt“ dehnte sich dann auf viele öffentliche Flächen aus – allerdings erst nach vielen Diskussionen mit Ämtern und Behörden. In Todmorden hat es dazu geführt, dass sich die Bürger zusammengeschlossen haben, sie tauschen Erfahrungen aus und haben gemeinsam ein Beispiel gesetzt, das weltweite Anerkennung und Nachahmung gefunden hat (in Deutschland ist Andernach dem Beispiel gefolgt). Die Eigenverantwortung wird nicht als Last empfunden, denn es hat die Gemeinschaft gestärkt und schweißt die Menschen zusammen. Heute wird in Todmorden der Nachwuchs ausgebildet und in der umliegenden Gegend professionell Nahrung angebaut.

70 bis 75 Prozent der Lebensmittel weltweit werden von Kleinbauern erzeugt. Dies ist die effektivste Methode, obwohl die Nahrungsmittelindustrie den Eindruck erweckt, dass sie es sei, die unverzichtbar ist. Todmordens leitender Biochemiker Nick Green führt dagegen auf, dass die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln völlig ineffizient ist. Das Hauptinteresse der Industrie liegt im Profit, für den der Nahrungsmittelanbau nur das Mittel zum Zweck ist. Es sei ein Märchen, man gaukele uns vor, dass uns nur die Industrie ausreichend mit Nahrung versorgen könne. „Das ist nicht wahr. Es ist eine Lüge der chemischen Industrie, der Hersteller von landwirtschaftlichen Geräten und von Banken, damit diese überleben können“, sagt Nick Green gerade heraus.

Olivier de Schütter ist Professor für Internationales Recht und arbeitete sechs Jahre lang für die Vereinten Nationen. Auch er weiß aufgrund eingehender Studien, dass die Welternährung von Kleinbauern gewährleistet wird und werden kann. Die Industrien zerstören die Umwelt durch die Monokulturen und Abholzung von Wäldern und ersetzen viele Bauern durch Maschinen, wodurch Verelendung entsteht. Der durch Monokulturen notwendige Einsatz von Chemie ist umwelt- und gesundheitsschädlich, ebenso wie gentechnisch veränderte Pflanzen. Anders ist das in der Normandie bei Bec Hellouin. Hier wird auf relativ kleinem Raum naturnah angepflanzt. Die Permakultur orientiert sich an den Kreisläufen der Natur und kommt ohne Erdöl, Chemie und motorisierte Maschinen bei hohen Erträgen aus.



Bei Bec Hellouin sorgt die Permakultur für üppige Ernten | © Mars Distribution


Kapitel 2 – Energie

Neben der ökologischen Agrarwende ist auch eine Energiewende vonnöten, die ohne fossile Rohstoffe auskommt. Sonne, Wind und Wasser sind als Energiequellen im Prinzip ausreichend vorhanden. Allerdings verändert der Klimawandel den Wasserkreislauf des Planeten und ist für die vermehrten Dürren und Überschwemmungen mitverantwortlich. Die Reduzierung von CO² ist eine der möglichen Gegenmaßnahmen. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen hat schon erfolgreich städteplanerische Maßnahmen ergriffen, um in 11 Jahren die erste CO²-neutrale Hauptstadt zu werden. Seit 1995 ist es Kopenhagen schon gelungen, den CO²-Ausstoß um 40 Prozent zu verringern. Durch den Ausbau von Fahrradwegen und den öffentlichen Nahverkehr fahren 67 Prozent der Kopenhagener schon nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit. Durch den Ausbau von Fahrradmitnahmemöglichkeiten können die Kopenhagener sich inzwischen in einem Umkreis von 80 km bewegen, ohne dafür ein Auto zu brauchen. Bis 2050 soll ganz Dänemark autark werden und gar keine fossilen Energien mehr nutzen. Die Verwendung von Biomasse und Geothermie wird zu diesem Zwecke kontinuierlich ausgebaut. Island hat es schon geschafft, völlig unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. Es gibt etliche Länder, dazu gehört auch Deutschland, in denen geothermische Energiegewinnung Dutzende von Atomkraftwerken mit Leichtigkeit ersetzen könnte. Das gilt auch für afrikanische Länder, wie Kenia und Äthiopien, in denen ein riesiges Potenzial schlummert.



In San Francisco werden schon 80 Prozent des Mülls recycelt | © Mars Distribution


Über die Hälfte des Energieverbrauchs ist von vorneherein unnötig, dazu gehören die vielen Geräte mit Standby-Modus, die Videowände in U-Bahnstationen, die häufige, kurzfristige Neuanschaffung von Smartphones, obwohl die alten noch funktionieren.

In San Francisco schonen u.a. Recyclingprogramme Ressourcen und sparen damit Energie. Die Stadt recycelt schon 80 Prozent des Mülls und ist auf dem Weg zu „Zero Waste“, wo gar kein Müll mehr auf Deponien wandert. Mehr noch, die Bewohner und Firmen müssen für die Müllabfuhr relativ hohe Gebühren zahlen, aber sie bekommen auch Ermäßigungen für jeden Müll, der nicht auf der Deponie landet. Das ist eine Gewinnsituation für alle, denn auch die Stadt spart die Kosten für Müll, der gar nicht erst anfällt. Der zu Kompost verarbeitete organische Abfall wird kostengünstig als biologischer Dünger an Landwirte verkauft und finanziert den Erhalt und Ausbau des Systems mit. So geraten die Nährstoffe aus der Nahrung zurück auf die Felder, sodass wieder neu angebaut werden kann.


Kapitel 3 - Wirtschaft

Die Weltwirtschaft hängt vom Wachstum ab, dieses Wachstum ist aber das eigentliche Problem. Die Aktionäre wollen Gewinne sehen, oft ohne sich über die Folgen Gedanken zu machen. Emmanuel Druon, Geschäftsführer der französischen Firma Pocheco, erklärt die Innovationen seiner Firma: „Unsere Aktionäre bekommen keine Dividenden, aber es geht ihnen trotzdem gut. Die Überschüsse fließen in ständig neue Investitionen, den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen.“ Der Einkommensunterschied zwischen Management und Arbeiterschaft liegt bei Pocheco bei 1:4 anstatt 1:100, wie durchschnittlich in Frankreich. Es wird ständig daran gearbeitet, weniger Ressourcen und weniger Energie zu verbrauchen und gleichzeitig die Produktivität zu erhöhen.

Vielfach wird das, was produziert wird, weggeworfen und landet auf der Deponie oder schlimmer noch, es verschmutzt die Umwelt, das Wasser, die Meere. Gleichzeitig erschöpfen sich die Rohstoffe. Die Industrie der Zukunft (und teilweise schon der Gegenwart) macht es genau anders herum. Die Rohstoffe werden wieder gewonnen, zu neuen Gegenständen verarbeitet, um später erneut recycelt zu werden. Dabei wird auf eine lange Haltbarkeit Wert gelegt. Wie in der Landwirtschaft und bei der Energiegewinnung werden hier Kreisläufe hergestellt. Bei Pocheco wird auch das Dach begrünt. Wenn das allein alle dazu geeignete Supermärkte machen würden, könnte man wirkungsvoll der Luftverschmutzung entgegen wirken. In den 20 Jahren des Bestehens der Firma wurden 10 Millionen Euro investiert, die 15 Millionen Euro an Einsparungen erbrachten. „Alles hat Grenzen. Außer der Mondfisch, der nimmt zu, bis er tot ist“, unkt Druon.

Rob Hopkins ist Ausbilder für Permakultur und Gründer der Bewegung Transition Towns, Städte im Wandel, in Großbritannien. Neben der urbanen, ökologischen Landwirtschaft, eigenen Versorgung mit erneuerbaren Energien und ökologischem Wassermanagement haben diese Städte eine eigene Währung eingeführt, die nur vor Ort gilt. Im englischen Totnes gibt es sogar eine 21-Pfund-Note. Diese Währung unterstützt die Waren und Dienstleistungen in der Gemeinde, und da das Geld in der Gemeinde rotiert, erzeugt jedes Pfund eine ökonomische Aktivität von 2,50 Pfund. Es ist als ergänzende Währung gedacht.



Why not? Rob Hoskins mit einer 21-Pfund-Note | © Mars Distribution


Mark Burton, ein Forscher an der Universität von Bristol, erklärt: „Fast alles Geld in unseren Gesellschaften wird von Privatbanken hergestellt. Deren Hauptanliegen ist es, Geld für ihre Aktionäre zu schöpfen. Banken geben Kredite. Diese erscheinen aber nur als Zahl auf einem Konto. Das Geld existiert in Realität oft gar nicht. Geld wird also durch die Erschaffung von Schulden gemacht. Zurückgezahlt wird es in Form von Zinsen mit realem Geld. Das System funktioniert nur, so lange Schulden gemacht werden.“ In der Eurozone trifft das auf 85 Prozent des Geldes zu. Es geht darum, ein monetäres Monopol durch Schulden zu erschaffen. Dadurch fließt das meiste Geld an der Spitze des Monopols. Ähnlich wie in der Landwirtschaft gibt es auch eine monetäre Monokultur, die allerdings genau so anfällig wie die pflanzliche ist. Seit 1970 hat es 145 Bankencrashs gegeben. Wie es auch in der Natur keine Monokulturen gibt, sind viele kleinere Währungen ökonomisch gesehen sinnvoll.

In Basel gibt es seit 80 Jahren Geschäfte, die ihre eigene Währung nutzen. Die WIR-Bank nimmt keine Zinsen, funktioniert ansonsten wie jede andere Bank, nur dass die Komplementär-Währung ausschließlich zwischen den 60.000 angeschlossenen Betrieben zirkuliert. Auch hier wird ein Kreislauf hergestellt. Es gibt auf Guthaben keine Zinsen, sodass sich die Anhäufung von Geld nicht lohnt und man es besser zirkulieren lässt. Weil regionale Produkte gekauft werden und Transportwege entfallen, ist das auch umweltfreundlich.

2001 wurde in den USA die Business Alliance for Local Living Economies BALLE gegründet. Diese will nach eigenen Angaben die derzeitig dominierende zerstörerische und untergehende Ökonomie durch ein System ersetzen, das Gesundheit, Wohlstand und Glück für alle Menschen generiert und eine lebenserhaltende Wirtschaft erschafft. BALLE setzt auf lokale Wirtschaft, u.a. erhöht sich dadurch die Gewerbesteuer und bleibt in der Gemeinde. Das kann jeder Einzelne unterstützen, indem er Produkte von Großkonzernen meidet und regional kauft. Die Großkonzerne mischen in der Politik mit und verhindern echte Demokratie. Derzeit zahlen Großkonzerne weniger Steuern als kleinere, der Freihandel verbilligt ihre Produkte zusätzlich. Die Großkonzerne bestimmen vielfach über die Märkte, die Politik und sogar die Gesetze. Wir haben also ein Riesenproblem mit unserer Demokratie.


Kapitel 4 - Demokratie

Studien der Universität Princeton haben ergeben, dass die USA keine Demokratie mehr ist, sondern eine Oligarchie. Die Politik trifft Entscheidungen zugunsten großer Konzerne und an den Interessen und Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei. Auf die Frage, ob wir den Gesetzen denn dann noch gehorchen sollten, meint die indische Umweltaktivistin Dr. Vandana Shiva diplomatisch: „Wir sollten höhere Gesetze achten. Das eine Gesetz ist das von Gaia, der Mutter Erde, deren Vielfalt es zu schützen gilt, alle ihre Ressourcen und alle ihre Gaben. Und alles, was unserer Pflicht der Erde gegenüber im Wege steht, sollte nicht unterstützt werden. Das nächste Gesetz, das wir achten sollten, sind die Menschenrechte. Alles was unserer Freiheit und Unabhängigkeit zuwider läuft, sollte ebenfalls nicht unterstützt werden.“

2009 protestierten die Isländer nach der Bankenkrise. Sie hatten sich zuvor sicher gefühlt und kaum mitbekommen, wie die Korruption des globalen Kapitalismus ihr Land zerstörte. Alles war Täuschung. Nach monatelangen Protesten traten die Regierung und der Zentralbankpräsident ab. Die Isländer retteten ihre Banken nicht, und die Bürger bildeten eine große Bewegung, die verhindern soll, dass so etwas noch mal passieren kann.

Elango Rangaswamy wurde in Indien in die Kaste der Unberührbaren hinein geboren. Ihm gelang es trotzdem zu studieren, und er wurde Bürgermeister der Kleinstadt Kutthambakkam, deren Bürgermeister er für einige Zeit war. Er führte das Prinzip der regelmäßigen Gemeindeversammlungen ein unter Beteiligung möglichst aller Einwohner und Kasten. Heute ist Kutthambakkan beispielgebend für andere. Nachdem die Menschen ihre Mitverantwortung übernommen hatten, florierte die Stadt. Enlango trat zurück und hat innerhalb von 10 Jahren 900 BürgermeisterInnen ausgebildet, damit diese wiederum ihre Gemeinden lehren, sich selbst zu verwalten. Elango folgt dabei einer Vision Mahatma Gandhis, der sich eine Republik der Dörfer mit einer starken Demokratie erträumt hatte. Demokratie ist also lehr- und lernbar.


Kapitel 5 - Bildung

Skandinavische Länder führen seit langer Zeit die internationalen Rankinglisten für Bildung an. Finnland verfügt über keine Bodenschätze oder Erdölvorkommen und setzt deshalb auf Bildung. Auch in ärmeren Vierteln werden ansprechende Schulgebäude gebaut. Das Lehrprinzip lautet, so wenig Bürokratie wie nötig und so viel Vertrauen wie möglich. Zwei Lehrer kommen auf 15 Schüler, die Ausbildung der Lehrer findet weniger am Schreibtisch, sondern in Schulklassen statt. Kinderpsychologie ist dabei wichtiger als pädagogische Lehrmethoden. Die Kinder werden da unterstützt, wo sie sich gerade befinden. Die Kinder dürfen und sollen sogar während des Unterrichts reden und voneinander lernen. Der Lehrer ist keine Autorität, er leitet an, bewegt sich in der Klasse. Es geht zwar auch um Wissensvermittlung, aber in erster Linie um soziale Kompetenz. Man lehrt die Kinder zu lernen, was sie autonom macht. Heutzutage ist Wissen überall abrufbar, die Lehrer helfen den Kindern herauszufinden, was sie lernen wollen und was für ihre individuelle Zukunft wichtig ist. Die Lehrer nehmen das Mittagessen gemeinsam mit den Kindern ein, was indirekt die Sozialkompetenz stärkt und wo die Kinder Tischmanieren abgucken können. Stricken, Nähen, Kleidung Schneidern, Holz-, Metall- und Lederverarbeitung, Wäsche waschen, putzen, kochen gehören zum Lehrplan. Das Bildungssystem in Finnland arbeitet unabhängig von der Politik. Es gibt keine Schulaufsichtsbehörde. Die Schule ist dazu da, die Kinder auf das Leben vorzubereiten, und das funktioniert gut.

„Macht und Autorität sind nicht das Privileg einiger Weniger. Man kann sich in Netzwerken verbinden, wie das die Natur macht. Je mehr Eigenverantwortung man übernimmt, desto mehr Macht gewinnt man“, heißt es abschließend im Film. Heute gibt es 1200 Transition Towns, 800 Gruppen „essbare Stadt“, Tausende von urbanen Landwirtschaftsbetrieben, 4000 eigene Komplementär-Währungen etc. etc.

Wir können uns nicht damit herausreden, dass man nichts tun kann. Die Welt ist in der Tat voller Lösungen und voller Menschen, die sich zur Wehr setzen und miteinander verbinden. Die bestimmende Instanz in unserem Leben sollte nicht das Geld sein. Die Großindustrien haben sich durch Profitgier zur Antithese zum Leben entwickelt. Doch es ist das Leben, das der definierende Wert sein sollte, und nach diesem Wert des Lebens sollte sich die „Macht“ ausrichten. Dabei kann sich die „Macht“ unsere kollektive Intelligenz zunutze machen und eine Zusammenarbeit im Einklang mit der Natur eingehen. Wir sind die Generationen am Scheideweg. Entweder wir schaffen es, oder es schafft uns. Wir können dafür sorgen, dass die lebensfeindliche Ökonomie untergeht und durch unsere Kaufentscheidungen und unser Handeln eine neue Welt erschaffen. Wenn wir das auf die Reihe bekommen, dann geht unsere Geschichte nicht zu Ende, sondern unsere neue Geschichte wird geschrieben. Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen beschreibt sehr anschaulich, dass dieser Weg vielfach schon gegangen wird. Der Film berichtet von vielen Projekten, in denen Menschen sich ihre Souveränität zurück holen, sei es beim Lebensmittelanbau, der Energiegewinnung, in der Wirtschaft, Bürgerbeteiligung und Bildung. Und das Schöne ist: es fühlt sich gut an.


Helga Fitzner - 1. Juni 2016
ID 9352
Weitere Infos siehe auch: http://www.tomorrow-derfilm.de/


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