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Dokumentarfilme

Mut und Zivilcourage im Kampf für Bürgerrechte in zwei weiteren spektakulären Dokumentarfilmen im Herbst 2014 - Citizenfour und Die Arier



Bewertung beider Filme:    



Als ich kürzlich an dieser Stelle schrieb, 20.000 Days On Earth über den Songwriter Nick Cave sei DER Dokumentarfilm des Jahres, war dies vielleicht ein wenig voreilig. Zwei weitere herausragende Beispiele dieses Genres sind nun in die deutschen Kinos gekommen, die diese Auszeichnung verdienen und gesehen werden müssen. 3x Gold statt Gold, Silber und Bronze, hieße das im Sport, was in der überbordenden Fülle an sehenswerten Kinofilmen in diesen Herbstwochen den geneigten Kinobesucher besonders fordert. Und ausgerechnet im eher zuschauerschwachen Dokumentarfilmgenre wimmelt es derzeit nur so vor echten Perlen, darunter auch Das Salz der Erde von Altmeister Wim Wenders, das ungewöhnliche Porträt Sebastiao Salgados, der aus Menschenekel vom Kriegs- und Konflikt- zum Naturfotografen wandelte.

Nun auch noch Citizenfour, die spektakuläre Dokumentation über Edward Snowden, der im vergangenen Jahr die illegalen Machenschaften der US-amerikanischen und britischen Geheimdienste enthüllte, die allen Internet- und Telefonkunden klar gemacht hat, dass sie potentielle Ziele eines Überwachungskolosses geworden sind – mit unabsehbaren Folgen für die Nachrichtenbeschaffung und -vermnittlung von Bürgern sowie die Meinungs- und Veröffentlichungsfreiheit in unseren Demokratien. Regisseurin Laura Poitras betonte bei der Berlin-Premiere, dass ihr Film ohne deutsche Förder- bzw. Sendergelder nicht zustande gekommen wäre, weil die deutschen Koproduzenten ihr Zusagen gemacht hatten, als noch völlig unklar war, wer denn bitteschön der mysteriöse Informant aus dem Umfeld der CIA sei und was er tatsächlich auf der Pfanne hat. So fanden gleich mehrere Premieren in Deutschland statt, das im Vergleich mit den USA, Großbritannien und anderen angelsächsischen Ländern zu einer Art liberalem Rückzugsort für Kritiker des bedingungslosen, von Ex-Präsident George W. Bush initiierten "Krieges gegen den Terror" geworden ist.



Edward Snowden und Glenn Greenwald in Citizenfour | (C) Praxis Films


In Laura Poitras' Film, der auch einige Nebenaspekte und v.a. die (inzwischen muss man leider sagen: begrenzten) Folgen der Snowden-Enthüllungen anschneidet, sind einige dieser Kritiker zu sehen. So z.B. SPIEGEL-Autor Jacob Applebaum, der ebenso wie andere prominente Journalisten und Buchautoren nicht mehr in die USA einreisen kann, ohne bürokratische Repressalien zu erfahren. Probleme, die bereits seit Jahren nachzulesen waren, und Edward Snowden las sie offenbar besonders aufmerksam. Er konnte daher ziemlich genau abschätzen, was für eine Aufregung er verursachen würde, wenn er die Informationen, die er während seiner Zeit als Informatiker für den amerikanischen Geheimdienst CIA einsehen durfte, an die Öffentlichkeit bringen würde. Citizenfour war die anonyme Emailadresse Snowdens, der sich außer an den investigativen Printjournalisten Glenn Greenwald von der Londoner Tageszeitung The Guardian auch an die Dokumentarfilmerin Laura Poitras wandte, die sich mit Filmen wie My Country, My Country und The Oath (über Osama bin Ladens früheren Bodyguard [BERLINALE 2011]) kritisch mit dem Verhalten der US-Regierung im "Krieg gegen den Terror" auseinandergesetzt hatte (und dafür auf eine inoffizielle Schwarze Liste geriet, sodass sie bei Auslandsreisen von amerikanischen Beamten immer wieder intensiv kontrolliert wurde).

Eigentlich ging es Snowden von Anfang an nur darum, die amerikanische Bevölkerung und den Rest der Welt auf den Missbrauch ihrer privaten Daten und die skandalösen Entwicklungen innerhalb der Geheimdienste aufmerksam zu machen, und er wollte deshalb nicht gerne vor eine Kamera treten. Dies würde die Story unnötig personalisieren und vom Thema ablenken. Laura Poitras hat ihn dann doch dazu überredet, gefilmt zu werden, um dem Medium Film gerecht zu werden, und sie hat Recht behalten: Snowden in persona zu sehen, heißt, einen ungewöhnlich begabten und mutigen jungen Mann auf der Leinwand zu erleben, der von straken eigenen Überzeugungen getrieben wird, für die er sein bisheriges Leben aufgeben muss. Wie sehr ihm dies bewusst war, ist ihm im Film zu jedem Zeitpunkt und jeder Geste anzusehen. Es stimmt traurig und nachdenklich, dass Snowden eine erstaunliche Entschlossenheit zueigen ist, für demokratische Grundrechte einzustehen und Opfer zu bringen - was man hingegen bei jenen, die dazu gewählt sind, also jenen der globalen politischen Klasse, so schmerzlich vermisst.

Nach sechs Tagen outet sich Edward Snowden nach einer Diskussion mit seinen Medienvertrauten auf eigenen Wunsch in einem Interview, das Greenwald mit ihm in einem der Hotelzimmer in Hongkong aufzeichnet. Was folgt, haben alle Beteiligten zwar so ähnlich erwartet, aber dass die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden schon bald eine wahre Hetzjagd auf Snowden eröffnen und ihn damit in einem Großteil der Welt vogelfrei machen, ist die bedrückendste Passage des Films. Indem das Justizministerium ihn unter anderem des Geheimnisverrats bezichtigt, dessen gesetzliche Grundlage noch aus dem Ersten Weltkrieg stammt, desavouiert es die vermeintliche Fairness, die es bei einer Behandlung Snowdens vor amerikanischen Gerichten in Aussicht stellt.

MPH

https://citizenfourfilm.com



Die Arier warten mit spektakulären Szenen auf, denn wie schon in ihrem ersten Film Roots Germania über die verquere Ideologie weißer Rassisten geht die die afrodeutsche Mo Asumang Michael-Moore-mäßig wieder mitten in die Höhle des Löwen. Diesmal besucht Asumang jedoch nicht nur deutsche Rechtsradikalendemos (in Gera) und versucht, mit deren Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Sie besuchte für den neuen Film auch einen der führenden Hetzer der rechten Szene in den USA, Tom Metzger, und sogar Mitglieder des rassistischen Klu Klux Klan im Mittelwesten. Zugleich hinterfragt sie kritisch die (unzulängliche, weil historische fehlerhafte) Verwendung des Begriffs der Arier und kommt esoterischen Irrwegen auf die Spur.



Die Arier von und mit Mo Asumang | (C) Alpha Medienkontor


„Bin ich weniger Wert, weniger als ein weißer Mensch?“ fragt sich Mo Asumang in ihrem neuen Dokumentarfilm. Mit erstaunlichem Mut und bemerkenswertem Willen tritt sie vor diejenigen, die sowas behaupten. Sie geht auf Neonazi-Demonstrationen, trifft Ku Klux Klan-Mitglieder und begegnet Gründern von rassistischen Hassgruppen. In intensiven Gesprächen stellt sie einfache Fragen und erhält verblüffende Aussagen. Sie geht dorthin, wo andere weggucken, deckt für den Zuschauer eine gefährliche und verdrehte Welt auf und wird dabei oft beleidigt, beschimpft oder abgewiesen. Trotzdem bewahrt die Filmmacherin ihre herzliche und genuine Freundlichkeit und findet schließlich - dank Historikern, Archäologen und Sprachwissenschaftlern - die wahren Arier, weit entfernt von den blonden und großen Blauäugigen. So lernen die Zuschauer von Mo Asumang, wo die "wahren", die Ur-Arier beheimatet sind: im Iran!

Die Arier sind ein hervorragender Dokumentarfilm mit hohem Informationswert, einer aufregenden Kameraführung und einer bewundernswürdigen Filmemacherin/Hauptdarstellerin, die auf Festivals weltweit schon mehrere Auszeichnungen für ihren engagierten Film errungen hat.

JLG

http://die-arier.com/film

Max-Peter Heyne / Julia Lohmann Garcia - 17. November 2014
ID 8254
Unsere Gastautorin Julia Lohmann Garcia (JLG) verfasste ihre Filmkritik zu Die Arier im Rahmen des Studiengangs Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation – MHMK, Standort Berlin.




 

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