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Dokumentarfilm

Interview mit Dokumentarfilmregisseurin Jennifer Baichwal über ihren spektakulären Film Watermark




Nach uns die Sintflut

Der als BERLINALE-Special im Februar in Deutschland uraufgeführte, jetzt in den Kinos angelaufene Film Watermark (Wasserzeichen) ist nach Manufactured Landscape (2005) ein neuerliches Ergebnis der Zusammenarbeit der kanadischen Regisseurin Jennifer Baichwal und dem Landschaftsfotografen Edward Burtynsky. Der engagierte Künstler dokumentiert in seinen Fotoreihen bereits seit Jahrzehnten die Schönheit und Erhabenheit, aber auch die Auswirkungen der Verschmutzung und Austrocknung von Wasserlandschaften. Selbst für die verwöhnten Augen von Zuschauern, die die vielen „…von oben“- und andere Naturfilme gesehen haben, bietet Watermark außergewöhnlich spektakuläre, bisweilen schwindlig machende Bilder von gigantischen, chinesischen Staudämmen, vertrockneten Flusslandschaften in Nordamerika und verseuchten oder übervölkerten Flüssen in Asien (Kamera: Nicolas de Pencier).

Baichwal und Burtynsky bereisten insgesamt zwanzig Stationen in zehn Ländern und verlassen sich ganz auf die Kraft der teils erhabenen, teils erschreckenden Bilder, die gleichermaßen die Schönheit wie Gefährdung der globalen Schöpfung dokumentieren. Manchmal ist der Zwiespalt, den der Zuschauer empfindet, nahezu unauflösbar; etwa beim Anblick von zig Millionen von Indern, die alle zur selben Zeit am gleichen Tag ein kurzes, religiös begründetes Bad zur Reinigung der Seele im heiligen Fluss Ganges nehmen.



Watermark | Baden im Ganges - Foto (C) Senator Filmverleih



Gesundheitlich de facto wohl eher ein Risiko, vermitteln die Bilder die Verbundenheit eines Volkes zu ihrem Glauben und ihren Traditionen.

Atemberaubend in seinem Gigantismus ist der Anblick der Baustelle und letztlich der Überflutung der umliegenden Landschaft des Xiolangdi-Staudamms in China, der „die sechsfache Größe des amerikanischen Hoover-Staudammes besitzt“, wie Ko-Regisseurin Jennifer Baichwal erläutert, um die Dimensionen zu verdeutlichen. Der zwischen den US-Bundesstaaten Arizona und Nevada gelegene Hoover-Damm ist umfasst bei 170 km Länge eine Fläche von rund 64.000 Hektar. Insofern können selbst die zum Teil mit einem ferngesteuerten Mini-Helikopter gedrehten Aufnahmen aus der Vogelperspektive des Xiolangdi-Staudamms in Watermark nur einen kleinen Ausschnitt der riesigen Unternehmung wiedergeben, die von jeden menschlichen Maßstäben weit entfernt ist.




Watermark | Mini-Helikopter im Einsatz - Foto (C) Senator Filmverleih



„Die Bilder wurden in der neuesten, hochauflösenden 5K-Technik aus dem Boden eines Mini-Helikopters gedreht“, berichtet Jennifer Baichwal, „vor allem, weil wir in China keine Drehgenehmigung für einen Flug mit einem großen Helikopter erhalten haben.“ Auch in dieser Sequenz verzichten Baichwal und Burtynsky auf kritische Kommentare oder auch nur genauere Erläuterungen, sondern lassen bis auf einige Interviewausschnitte im gesamten Film die Bilder für sich sprechen. „Eine bewusste Entscheidung“, sagt Baichwal, die meint, dass die gesammelten Eindrücke den Zuschauer auch ohne Erklärungen neugierig machen: „Ich finde es gut, dass mein Koregisseur trotz der schockierenden Fakten über die Bedrohung von Wasserläufen mit seinen Fotografien nicht predigt, sondern sich auf die Zeugenschaft beschränkt, sodass die Zuschauer angeregt werden, sich selbst mit dem Thema näher zu beschäftigen“, so Baichwal.

Beim eleganten, aber gefährlich anmutenden Steilflug durch die Canyons des Stikine River im kanadischen British Columbia – der die Erhabenheit natürlicher Landschaften symbolisiert – vermutet man nun am ehesten, dass sie mit einer irgendwie ferngesteuerten Kamera gedreht wurden – doch weit gefehlt: „Dieser Flug ist von einem großen Helikopter aufgenommen worden, für den die Piloten eine spezielle Ausbildung und Erlaubnis brauchen“, sagt jennifer Baichwal. „Uns war von Anfang an klar, dass man in die Luft hinauf muss, wenn man Wasser und seine Zirkelbewegung zeigen will“, erläutert Jennifer Baichwal. Verdunstet es, bildet es Wolken und kommt als irgendwann als Niederschlag zurück – so der Idealfall. Doch die Bilder des völlig verkarsteten Colorado River in Mexiko dokumentieren, dass der Eingriff von Menschenhand – in diesem Fall die massenhafte künstliche Bewässerung von Anbauflächen im US-Bundesstaat Colorado – Flüsse innerhalb von einer Generation auch komplett zerstören können. Denn wo nichts mehr fließt, wächst auch nichts mehr, verschwindet mit der Vegetation auch die Fauna, bis letztlich eine knochentrockene, gespenstische Mondlandschaft zurückbleibt.

„Sobald solche vertrockneten Flussdeltas wieder mit Wasser versorgt werden, sind Menschen überrascht, wie schnell neues Leben entstehen kann“, sagt die Regisseurin, „aber es gibt auch Flüsse, die wir zum Beispiel in Asien gesehen haben, die zu stark verschmutzt sind, als das sie sich erholen könnten“. Doch der Film ist gottlob nicht auf sich steigernde Schocks aus, sondern bietet auch viele Szenen voll Schönheit und Kontemplation. „Die Recherche erfolgte auch nach philosophischen Aspekten“, sagt Jennifer Baichwal und betont, dass sie und ihr Koregisseur immer auch auf die Besonderheiten vor Ort geachtet haben, um sie abseits des geplanten Skriptes miteibeziehen zu können. Watermark bietet zwar keine Erklärungen oder Lösungsansätze an, weil er überwiegend auf textliche Informationen verzichtet, aber er setzt ein bildmächtiges Zeichen gegen die Verseuchung unseres wichtigsten globalen Rohstoffs: Wasser.




Watermark | Chinesische Staudammbaustelle - Foto (C) Senator Filmverleih



Bewertung:    



Max-Peter Heyne - 19. Mai 2014
ID 7839
Weitere Infos siehe auch: http://www.senator.de/movie/watermark-ot


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