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Dokumentarfilm

Das fliegende

Auge



Bewertung:    



Ich habe in meinem Leben bisher drei Drohnen, also unbemannte Flugobjekte, über meinem Kopf kreisen sehen. Bei jeder dieser Erlebnisse fühlte ich eine gewisse Beklommenheit, denn erstens wusste ich nicht, mit welchem Zweck diese Drohnen in den Nachbarschaftshimmel befördert waren; und zweitens war es überraschend laut. Ich vermute, anderen Leuten geht es ähnlich, zumal das Wissen, dass Drohnen abseits behördlicher Kontrollen quasi vogelfrei agieren können, nicht zur Beruhigung beiträgt. Durch den neuen Dokumentarfilm von Karin Jurschick, Krieg und Spiele, weiß ich nun immerhin, dass Bilder, die durch privat betriebene Drohnen entstanden sind, nicht ohne Erlaubnis der Abgebildeten ins World Wide Web gestellt werden dürfen. Naja, wer kann sowas nachprüfen? Vielleicht mittels Körperscan und Gesichtserkennung! Autsch!



Krieg und Spiele | © Bildersturm Film


In einer Szene in Karin Jurschicks gut recherchiertem und aufschlussreichem Dokumentarfilm Krieg und Spiele lässt ein kleiner Junge einen Minihelikopter fliegen – im Grunde eine Vorstufe einer Drohne. Etwas größer, mit digitalen Sensoren und ferngelenkten Raketenköpfen ausgestattet, sind diese drolligen Flugobjekte dann Tod bringende Waffen, die im Prinzip keine natürlichen Grenzen kennen. Das Spezialthema der Drohnentechnik gehört zum großen Thema der Erschaffung künstlicher Intelligenz und digitaler Überwachungstechnologie. Jurschick nähert sich diesem Komplex betont unvoreingenommen und laienhaft, lässt sich von Technik- und Waffenexperten wie einem israelischen Erfinderteam, die in den 1970er Jahren Drohnen-Pioniere waren, die Entwicklung der unbemannten, ferngesteuerten Flugobjekte erklären und sammelt Informationen bei kommerzeillen Anbietern.



Krieg und Spiele | © Bildersturm Film


Aber auch Computerspielentwickler, die von den US-Militärs als eine Art Visionäre in Sachen digitaler Waffenanwendung eingestuft werden, und Moralphilosophen und Sozialwissenschaftler kommen zu Wort. Herfried Münkler beschriebt, wie die Nationalstaaten in ihrer postheroischen Phase mittels Drohnen versuchen, den Krieg und das kriegerische Töten in eine buchstäblich abgehobene Sphäre zu verbannen. Am interessantesten gerät das letzte Filmdrittel, bei dem es um das Entwickeln von Robotern mit eingebauter Ethik und "künstlichen" Gehirnen geht. Denn die Frage, ob es mehr oder weniger Opfer gibt, wenn Roboter über eine Attacke entscheiden und nicht ein Militär, ist die – auch nach Sichten des Films – kontroverse und offene Frage.

Argument gegen die Rationalisierung des Kriegführens: Der Mensch besitzt ein moralisches und ethisches Empfinden. Argument für die Rationalisierung: Die Erfahrungen lehren, dass Menschen gerade in Kriegssituationen irrationale Entscheidungen fällen und unnötige Opfer verursachen. Dass Entwickler Robotern zur noch größeren Vermeidung von Opfern neben künstlicher Intelligenz (zum Erkennen und Auswerten von Informationen) auch noch ein ethisches Empfinden einpflanzen wollen, ist der Versuch, den Menschen nachzubilden – ohne Verfehlbarkeit.


Krieg und Spiele | © General Atomics


So sehens- und diskutierenswert solche Informationen sind, erzwingen weder sie noch die teils beeindruckenden Bilder von Überwachungs- und Waffentechnologie die Auswertung des Films im Kino. Aber das betrifft eine ganze Reihe von Dokus. Und ich will über Verleihfirmen, die sich eine stärkere mediale Beachtung ihrer Filme versprechen, wenn diese auch ins Kino kommen, nicht den Stab brechen. Als Manko muss jedoch die völlig unpassende, weil sanft-säuselnde Sprecherstimme bezeichnet werden, die zu dem dramatischen Thema so gar nicht passt.


Max-Peter Heyne - 23. August 2016
ID 9497
Weitere Infos siehe auch: http://www.bildersturm-film.de/krieg_spiele


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