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Unsere Neue Geschichte (Teil 16)

Der Anfang

der Zukunft?



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Die Fakten stehen fest: Wenn der Konsum von tierischen Produkten im heutigen Ausmaß fortgesetzt wird, zerstört das die Menschheit und den Planeten. Viele Verbraucher haben schon reagiert und ihren Fleischkonsum reduziert oder sogar eingestellt. Doch brauchen wir globale Ideen und Visionen, wie eine Zukunft aussehen könnte, in der wir die so genannten Nutztiere als empfindende Wesen und Mitgeschöpfe verstehen und auch so behandeln. Marc Pierschel ist Soziologe, Kulturwissenschaftler und Filmemacher und beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der Problematik. In seinem neuen Film The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch stellt er Fakten, Thesen und Lösungsmöglichkeiten vor, wie eine Welt ohne das Schlachten von Milliarden von Tieren jährlich aussehen könnte.

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Der Verzehr von Fleisch war früher ein Statussymbol, das Reichtum und Einfluss signalisierte. Die Massentierhaltung und die niedrigen Preise haben zu einem überhöhten Fleischkonsum geführt, der nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch den Planeten gefährdet. Sie schädigt das Klima mehr als die Autos. Pierschel stellt ein paar Statistiken vor: Wir „produzieren“ 56 Milliarden Nutztiere jährlich, ein System, das für 18 Prozent der Treibhausemissionen verantwortlich ist. Zudem wird ein Drittel des Trinkwassers dafür verbraucht und 45 Prozent der Erdoberfläche von der Tierhaltung und Futtergewinnung belegt. 70 Prozent des Amazonas-Urwaldes sind bereits zerstört. 11 Prozent der Weltbevölkerung leidet an Mangelernährung, während die Hälfte des angebauten Getreides an Nutztiere verfüttert wird.

Der US-amerikanische Soziologe David Nibert macht auf die Interessen von Banken und die Formierung eines „tierindustriellen Komplexes“ als wichtige Ursache dafür aufmerksam, denn der habe eine große politische, wirtschaftliche und ideologische Macht, die den Konsum von tierischen Produkten vorantreibe. - An anderer Stelle wird erwähnt, dass die Rügenwalder Mühle in einem Jahr 44 Millionen Euro für die Bewerbung ihrer vegetarischen Produkte investierte. - Jan Bredack, der Gründer der veganen Lebensmittelkette Veganz, macht Millionenumsätze und expandierte anfangs stark. Er bereut seine hohen Umsätze nicht und hält es für legitim innerhalb des gegebenen Systems zu arbeiten, solange er der veganen Lebensweise einen wichtigen Dienst erweise. Die Macht der Verbraucher zeigt sich in der enormen Umsatzsteigerung bei veganen und vegetarischen Lebensmitteln, die sogar die von High-Tech-Waren übertreffe. Im Film heißt es, dass es in Deutschland bereits 40 Millionen Flexitarier gäbe, die sich schon häufiger vegan und vegetarisch ernähren, auf gelegentlichen Fleischkonsum aber nicht verzichten.



Tiere sind empfindende Wesen | (C) mindjazz pictures


Man wird nicht mehr lange auf eine Gesetzgebung verzichten können, die die Rechte von Tieren stärkt. Steven Wise vom Nonhuman Rights Project in den USA setzt sich mit seiner Organisation dafür ein, dass so viele Tiere wie möglich zu juristischen Personen erklärt werden und nicht mehr als Sache gelten. Früher galten Sklaven, Frauen und Kinder auch als Sache, bevor sie zu eigenständigen juristischen Personen erklärt wurden. - Tiere sollten, wie Kinder und andere nicht geschäftsfähige Personen, auch das Recht haben, vor Gericht vertreten zu werden. - Jennifer Wolch, Professorin für Stadtplanung an der Universität von Berkeley, setzt sich für eine spezies-übergreifende urbane Theorie ein, wo sich Raumplaner, Landschaftsdesigner, Architekten, Ingenieure etc. zusammensetzen, um Strategien für die nicht-menschlichen Stadtbewohner und deren Bedürfnisse zu entwickeln.

Dr. Mark Post, Biowissenschaftler an der Universität Maastricht, gilt als Pionier der Cultured Meat Bewegung. 2013 präsentierte er den ersten Hamburger, der in einem Labor gezüchtet wurde, indem etwas Muskelgewebe aus einem lebenden Rind entnommen und im Labor vervielfältigt wurde. Er sagt, dass viele vegane/vegetarische Produkte den Geschmack von Fleisch nur nachahmten. Viele Menschen wollen aber richtiges Fleisch und keinen Fleischersatz. Es sei denn, der Fleischersatz ist so gut, dass man ihn vom Original nicht unterscheiden könne. Ernährungssicherheit, eine bessere Umweltbilanz und weniger Tierleid, das seien die drei großen Vorteile seiner Idee. - Pierschel besucht auch Stätten, an denen ähnliche Methoden zur Herstellung von Käse und Eiern entwickelt werden. Aus der DNS von Tierprodukten werden Proteine herausgefiltert und auf Hefebasis zum Wachsen gebracht.

Marc Pierschel hat gründlich recherchiert und Informationen von etlichen internationalen Akteuren zusammengetragen. Viele Entwicklungen sind noch in der Schwebe, und so fehlt es an Klarheit und Stringenz. Pierschel konnte in einem Film auch nicht alle Aspekte berücksichtigen. So stellt er gleich mehrere Lebenshöfe für Nutztiere vor, ein Konzept, was man mit 56 Milliarden Schlachttieren pro Jahr machen könnte, wenn man sie nicht schlachtet, fehlt schlichtweg. Zu den konkreten Lösungsvorschlägen gehört die Preisgestaltung von Nahrungsmitteln nach ihrem Klima-Abdruck. Wegen der hohen Emissionen würde Fleisch dann deutlich teurer werden als klimafreundlichere pflanzliche Produkte. Erfreulich sind auch das steigende Bewusstsein und abnehmende Akzeptanz für das Tierleid, das durch die Massentierhaltung verursacht wird.

Pierschels Film ist offensichtlich als Anregung zu einer gesellschaftlichen Diskussion gedacht. Deshalb berief er die für den 27. August 2017 anberaumte The End of Meat-Konferenz ein. Zu dieser sind mehrere Protagonisten aus dem Film eingeladen, darunter die Journalistin Hilal Sezgin, die in ihrem Buch Artgerecht ist nur die Freiheit eine Ethik für Tiere formuliert hat, die eine philosophische Gedankengrundlage liefert. Auch Steve Jenkins und Derek Walter sind vertreten, die vor Jahren ein Minischwein als Haustier kauften, das aber ein normales Schwein war und zu einem Schwergewicht heranwuchs. Das Schwein Esther wurde zum Star in den Social Media und lebt nun in einem Lebenshof für Tiere, den ihre Besitzer 2014 in Kanada gegründet haben.

„Wir hoffen, mit der Konferenz interessante und inspirierende Diskussionen über eine Zukunft anzuregen, in der Fleischkonsum der Vergangenheit angehört“, heißt es in der Einladung. Der Film wurde zu 80 Prozent über Crowdfunding realisiert: ein Zeichen dafür, dass immer mehr Menschen sich konkret für eine Änderung der Situation einsetzen und wir uns in einem gesellschaftlichen Aufbruch größeren Ausmaßes befinden.
Helga Fitzner - 26. August 2017
ID 10213
Bereits vor dem offiziellen Kinostart von The End of Meat gibt es heute (26.08.) schon eine Premiere im BABYLON Berlin, gefolgt morgen (27.08.) von der gleichnamigen Konferenz im Heimathafen Neukölln. Tourdaten und Sondervorführungen - siehe unter mindjazz-pictures.de.

Weitere Infos siehe auch: http://www.theendofmeat.com/


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