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Dokumentarfilm

Was aus

dem Gulag

geworden ist



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Der Dokumentarfilmer Stanisław Mucha, 1970 in Polen geboren und in Deutschland lebend, hat einen eigenen Stil entwickelt wie vor ihm Georg Stefan Troller, Hans-Dieter Grabe oder Ulrich Seidl. Seine Themen jedoch sind vielfältig. Er hat unter anderem Filme über die slowakische Familie Andy Warhols, über Transsilvanien, die Heimat Draculas, und über die Länder am Schwarzen Meer gedreht. Jetzt hat er sich nach Kolyma begeben, in jene berüchtigte Gegend im Osten Sibiriens, in die zu Zeiten Stalins und darüber hinaus politische und kriminelle Gefangene zwangsdeportiert wurden. Mucha verzichtet auf Archivmaterial. Sein Film besteht ausschließlich aus Interviews mit Menschen, die schon lange oder erst seit wenigen Jahren auf dem Gebiet am Fluss Kolyma leben wie die Frauen, die 2014, während des Krimkriegs, hierher umgesiedelt wurden, oder die Abenteurer, die von sich aus gekommen sind, um nach Gold suchen. Unter ihnen interessieren ihn vorwiegend Originale, Sonderlinge, schrullige und auch unheimliche Individuen. Verbunden sind die Gespräche mit faszinierenden Landschaftsaufnahmen des Kameramanns Enno Endlicher.

Mucha gelingt es, selbst aus der eigentlich tragischen Materie wie in seinen früheren Filmen komische Funken zu schlagen. Er stellt seine Fragen in deutsch untertitelter russischer Sprache mit ausgeprägtem polnischen Akzent aus dem Off. Die Kamera verharrt auf den ausdrucksvollen Gesichtern der Gesprächspartner. Auch in Kolyma lässt sich, wie bei anderen Dokumentarfilmern, darüber streiten, ob man Bilder veröffentlichen „darf“, die für die Betroffenen unvorteilhaft sind, die diese gar ausdrücklich nicht veröffentlicht sehen wollen. Die Entscheidung zwischen Diskretion und Wahrheit ist nicht immer leicht zu fällen.

Kolyma zeigt uns einen Aspekt des heutigen Russland, der in der üblichen Berichterstattung nicht vorkommt, in dem Armut eine Untertreibung bedeutet und mittelalterlicher Geisterglaube weiter existiert. Und er bestätigt, wie sehr Russland immer noch sowjetisch ist, oder, genauer, wie russisch die Sowjetunion war. Was wir hier sehen und hören, hat seine Ursprünge weit vor Stalin. Es ist die Fortsetzung von Dostojewskis Aufzeichnungen aus einem Totenhaus und Tschechows Insel Sachalin. Das freilich ist den Menschen, mit denen Mucha spricht, nicht immer bewusst. Eine jüngere Frau, die im sibirischen Nirgendwo Hotdogs verkauft, weiß nicht, was das Wort Gulag bedeutet. Soll man sie beneiden?

Thomas Rothschild – 30. Januar 2019
ID 11183
Der DVD-Start von Kolyma war am 25. Januar 2019.

Weitere Infos siehe auch: https://www.wfilm.de/kolyma/


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