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Dokumentarfilm

Der Kindmann



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Die deutsche Autorenfilmerin Margarethe von Trotta hat ein schönes und berührendes Portrait über den schwedischen Autorenfilmer Ingmar Bergman (der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre) konzipiert und abgedreht - es fängt inmitten der Naturkulisse an, wo sich die 1957er zentrale und auch abschließende Schlüsselszene aus Bergman´s Das siebente Siegel abspielt; Trotta sieht man da am rauhen Ostsee-Steinstrand, und sie tut im Nachhinein jedes Detail von dieser wunderbaren und auch wunderlichen Szene, wo der jugendliche Max von Sydow (der zu dieser Zeit von blendend heller Schönheit war) urplötzlich der wie aus dem Nichts erschienenen Gestalt des Tods begegnet, nacherzählen und in all ihren Facetten, was das Filmtechnische anbelangte, quasi nachbelichten. Schnell wird klar, dass diese Frau allein durch ihr Idol - diesen wahrscheinlich heute mehr noch als in ihrer Filmerinnenanfangszeit Verehrten, Angebeteten, ja Angehimmelten - zum Selberfilmemachen kam und kommen musste. Und sie macht auch keinen Hehl aus diesem abhängigen "Grundgefühl"; sie lebt es aus, sie deutet es, sie hinterfragt und forscht... will, auch von Anderen, nach all den Jahren und Jahrzehnten wissen, was das Faszinosum Ingmar Bergman ausmachte und (anhaltend bis heute) ausmacht.



Margarethe von Trotta |(C) Börres Weiffenbach


"Ist nicht Kunst", wird Ingmar Bergman an positionierter Stelle o-zitiert, "immer eine gewisse Therapie für den Künstler"?!

Ja natürlich ist sie das.

Alles, was diesbezüglich blieb und bleibt, hatte und hat auch IMMER und in erster Linie mit den geistigen Verursachern der jeweiligen künstlerischen Werke (ob im Film, ob in der Literatur, ob in der Musik oder ob in der Kunst) zu tun. Mit ihrer Art und Weise sich und ihre (Lebens-)Zeit zu reflektieren, sie in Kunst - also in Kunst an sich - zu packen. Sich mit sich und ihrer (Lebens-)Zeit, wozu selbstredend auch all diese anderen Figuren und Gestalten, die sie und ihr Leben (lebens-)lang begleiteten, gehörten und gehören.

Bergman ist, was jene künstlerische Abbildung seines von ihm gebrauchten Egos anbelangte, ein extrem-bizarrer Fall; ein Vorzeigeobjekt, wenn man so will, ein künstlerisches Beispiel ohnegleichen: Permanent sind dann auch Kinder in den Filmen von ihm "vorrätig" - für jedermann und jede Frau ersichtlich, auch: Dass insbesondere Fanny und Alexander eigentlich dann eine ganzheitliche Abbildung seiner früh- /spätkindlichen biografischen Erfahrungen bedeuteten und er sich so (nur so!) der eig'nen Selbstbespiegelung aussetzen wollte (musste!!).

Alles das, und noch viel mehr, hat Trotta in Gesprächen mit zig Anverwandten ersten, zweiten Grades, Zeitzeugen sowie Kollegen/Mitstreitern oder auch "Nachkommenden" (also Menschen, die den Bergman nicht mehr lebend kannten und trotz alledem von seinem Faszinosum profitieren wollten/sollten) weiterführend und im Umkreis ihrer eigenen Thematik [Auf der Suche nach Ingmar Bergman] eingefangen. Und die menschlich angenehme Art und Weise, wie sie diese Interviews zu führen in der Lage war, berührte und beeindruckte schon sehr.

Zu Worte kommen Schauspieler und Regisseure, u.a. Liv Ullmann, Stig Björkman, Gunnel Lindblom, Jean-Claude Carrière, Olivier Assayas, Carlos Saura - und (ganz selbstverständlich) Bergman´s Söhne Daniel (* 1962), Ingmar jr. (* 1951). Auch die Zeit, wo Bergman ein paar Jährchen am Resi in München wirkte, werden nachgerade reflektiert; die Alt-Aktricen Gaby Dohm und Rita Russek tun sich da an Dieses und an Jenes implizit erinnern...

Bergman blieb zeitlebens immer Kind. Das machte seine unstillbare Neugier aus.

Daniel, der in dem Trotta-Film ausführlich "abgehandelte" Bergmansohn, sagt: "Ich frage mich immer: Was ist so schwer daran? Wenn du deine eigene Kindheit so gut verstehst, warum verstehst du dein eigenes Kind nicht?"

Ein derartiger Konflikt - wohl auch ein klassisch zu nennender Vater-und-Sohn-Konflikt - ist wohl bei Künstler´s immer, also nicht nur irgendwie, präsent. Er lässt, falls man ihn dann "rein künstlerisch" bewältigt, Kunst und Kunstwerke entstehen. Dieses wusste/weiß die Trotta freilich; logisch.




Ingmar Bergman jr., Margarethe von Trotta und Daniel Bergman | (C) Börres Weiffenbach

Andre Sokolowski - 12. Juli 2018
ID 10800
Weitere Infos zu Auf der Suche nach Ingmar Bergman


http://www.andre-sokolowski.de

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