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Rezension


25. bis 30. September 2011, Cologne Conference

Die Cologne Conference 2011 ging feierlich mit der Preisverleihung zu Ende



Den „Hollwood Reporter“-Award für hervorragende Leistungen in der Film- und Fernsehbranche erhielt in diesem Jahr der britische Drehbuchautor und Produzent Paul Abbott. Auf der Cologne Conference war er mit der Vater-Sohn-Verschwörungsgeschichte „Exile“ vertreten und mit der US-Version seiner in Großbritannien schon sehr erfolgreichen Serie „Shameless“. Wie er im Werkstattgespräch während der Cologne Conference erläuterte, mag er keine vorgefertigten Ideen, er lässt sich beim Schreiben gerne selbst überraschen. Neben den eigentlichen Dialogen gibt es bei ihm immer sehr viel Subtext. So zeigt er in „Shameless“ eine unterprivilegierte Familie aus der Chicagoer Unterschicht in all ihrer Gewöhnlichkeit, rutscht dabei aber nie ins Diskriminierende oder Vulgäre ab. Die materielle Not wird nicht geäußert, sie wird anhand der Abnutzung des Inventars und der Gewohnheit im Umgang mit den Folgen des jahrelangen sozialen Abstiegs. Die Komik entsteht manchmal gerade dadurch, dass die Figuren ihre Würde behalten. Auch wenn Frank Gallagher (wundervoll gespielt von William H. Macy) als arbeitsloses Familienoberhaupt fast ständig betrunken ist, hält er doch seinen Status als alleinerziehender Vater von sechs Kindern hoch, obwohl seine älteste Tochter die Verantwortung für die Familie und den Vater übernommen hat. Trotz der materiellen Misere hat die Familie ihre Lebenslust keineswegs eingebüsst, sie entwickeln bei den Herausforderungen des Alltags durchaus Lebenskunst. Abbott hat die Drehbücher mit gesellschaftspolitischem Sprengstoff gefüllt und schamlos, wie der Titel andeutet, ist nicht die Familie, sondern die ihnen aufgezwungenen Lebensumstände.

Der Deutsche Casting-Preis 2011 ging an Sophie Molitoris für die Besetzung von „Neue Vahr Süd“, Regie: Hermine Hundgeburth. Molitoris hat 1998 das Casting für Fatih Akins Spielfilmdebüt „Kurz und schmerzlos“ übernommen, was ihren Ruf in der Branche mit begründete.

Der als visuelles Wunderkind gefeierte indische Filmemacher Tarsem Singh erhielt den Filmpreis Köln. Singh ist für seine spektakulären Werbespots berühmt und die zwei Spielfilme „The Cell“ und „The Fall“. Sein dritter Spielfilm „Kampf der Götter“ läuft ab 11.11.2011 in den deutschen Kinos. Der Filmpreis Köln würdigt Medienschaffende, die in herausragender Weise zur Weiterentwicklung der Film- und Mediensprache beitragen. Singh vereint die östliche und westliche Kultur in sich und seine individuellen Ideen und Bilderwelten.

Der Gewinner des TV-Spielfilm-Preises war der sehr entspannte und gut gelaunte Autor und Regisseur Todd Haynes. Seine Miniserie „Mildred Pierce“ mit Kate Winslet hatte in den USA 21 Nominierungen für den Fernseh-Oscar Emmy und fünf Emmys erhalten. „HBO ist mit der Serie ein bewusstes Risiko eingegangen“, erklärte er. Der führende amerikanische Pay-TV-Sender wollte ein Prestigeprojekt, was ihm angesichts des künstlerischen Erfolgs der Serie auch gelungen ist. „Ich verstehe mich als politischen Regisseur und liebe das Melodrama“, erläutert Haynes, „deshalb hat mich die Geschichte von ‚Mildred Pierce’ besonders angesprochen.“ Der Roman spielt in der Zeit der schweren Wirtschaftskrise der 1930-er und 1940-er Jahre. Es geht um eine Frau aus der Mittelschicht, die sich gezwungen sieht, als Kellnerin zu arbeiten. Das führt zu Konflikten mit der verwöhnten Tochter, die ein starkes Klassenbewusstsein hat und eine arbeitende Mutter unter der Würde der Familie findet.

„Die Parallelen zur jetzigen Finanzkrise sind offensichtlich“, sagt Haynes. Auf die Frage, wie politische Botschaften und Melodrama zusammenpassen, meint er: “Politisches Bewusstsein ist eine Kopfsache. Beim Melodram geht es um Gefühl. Mir geht es darum, dass die Zuschauer nicht nur verstehen, sondern auch mitempfinden können, was die Charaktere durchmachen.“ Haynes liebt aus diesem Grund die Filme von Rainer Werner Fassbinder, der seine sozialkritischen Botschaften oft mit melodramatischen Mitteln inszenierte und damit das Publikum erreichte. Todd Haynes wurde mit dem TV-Spielfilm-Preis ausgezeichnet, weil “seine gefühlvollen, nachdenklichen Filme sich durch die elegante Auflösung von festgefahrenen Strukturen auszeichnen, seien es bürgerliche Werte, sexuelle Geschlechterbildung oder dramaturgische Konventionen.“

Die Vorlesungsreihe „Lectures“ hatte das Thema „More than TV“. Es ging um den Einfluss der Neuen Medien auf das Fernsehen. Heute sind das Internet und die Social Networks wie Facebook oder Twitter oft schneller als das Fernsehen. Über die Anschläge in Oslo am 22.7.2011 hat Twitter als Erstes berichtet. Journalisten haben dann z. B. Facebook als Recherchemöglichkeit genutzt, Augenzeugen für Interviews zu finden. Das Problem bei den Neuen Medien ist die schlechte Überprüfbarkeit der Authentizität der Nachrichten. So behalten die Zeitungen, Radios und das Fernsehen zunächst noch ihre Rolle als Orientierungsinstanz, weil sie die Nachrichten filtern und im Idealfall in Gesamtzusammenhänge einbetten können. Es ist zwar schön, das erste Medium zu sein, das eine Nachricht bringt, aber sie muss auch richtig sein. Wie schwer das ist, hat die Reaktorkatastrophe am 11. März 2011 in Fukushima gezeigt. Die Fernsehsender, insbesondere die öffentlich-rechtlichen Anstalten, konnten kompetente Analysen liefern und die unzulängliche Nachrichtenlage in Japan wenigstens teilweise ausgleichen.

Für die Demokratiebewegung in den arabischen Ländern sind das Internet und Mobiltelefone ein wichtiges Instrument zur Nachrichtenverbreitung. Ohne die auf Youtube eingestellten Videos hätten Fernsehsender kaum Bildmaterial. Dies allerdings mit der Einschränkung, dass sich die Authentizität der Bilder nicht beweisen lässt. Der „arabische Frühling“ lässt sich allerdings auch bei fehlender Technik nicht aufhalten. Als in Ägypten zu Anfang der Demonstrationen das Internet und dann die Mobilfunknetze abgeschaltet wurden, kamen die Menschen erst recht auf die Straße, um sich vor Ort zu vereinen. Die Videos der Betroffenen haben den Journalismus aber um wichtige Elemente ergänzt. Das ist auf jeden Fall ein Schritt in Richtung Interaktivität.

Auch im Jahr 2011 hat die Cologne Conference wieder eine Vielfalt an Programmen und Eindrücken vermittelt.


Helga Fitzner – 4. Oktober 2011
ID 5416

Weitere Infos siehe auch: http://www.cologne-conference.de


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