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Rezension


„Die Anonymen Romantiker“ (Frankreich 2010)

Drehbuch: Jean-Pierre Améris, Philippe Blasband, Regie: Jean-Pierre Améris

Starttermin : 11. August 2011

Sie wären wohl der Schrecken jeder Partneragentur, weil sie so schüchtern und sensibel sind, dass sie unvermittelbar wären: die arbeitslos gewordene Chocolatière Angélique Delange (Isabelle Carré) und Jean-René Van Den Hugde (Benoît Poelvoorde), Besitzer einer Schokoladenmanufaktur, die kurz vor dem Bankrott steht. Aber aufgrund ihrer Empfindsamkeit leben sie in ihrem eigenen kleinen Universum. Ihre übergroße Sensibilität hindert sie daran, ein durchschnittliches Leben zu führen. Angélique hat sieben Jahre lang heimlich unter der Obhut ihres Mentors Monsieur Mercier erfolgreich Schokoladenrezepte ersonnen, die angeblich von einem Eremiten stammen, weil Angélique mit der Publicity nicht hätte umgehen können. Als Monsieur Mercier unerwartet stirbt, ist Angélique ohne Arbeit. Trotz ihrer außerordentlichen Begabung besitzt sie nicht die Fähigkeit, sich eine neue Stelle zu suchen, denn sie steht sich durch ihre Sensibilität selbst im Wege. Als sie sich nach psychologischer Hilfe ihrer Selbsthilfegruppe in der Schokoladenmanufaktur von Jean-René bewirbt, wird sie überraschend genommen, denn ihr Chef ist genauso lebensuntüchtig wie sie, ein Hochsensibler. Aber das weiß sie noch nicht.

Die Angestellten der maroden Manufaktur aber erkennen bald, wie gut ihr Chef und die Neue zusammen passen würden. Sie entdecken auch, dass der vermeintliche Eremit, niemand anders als Angélique ist. Das könnte die Rettung für die Firma sein. Nun wollen sie ihren Chef verkuppeln und ihre Arbeitsplätze sichern. Das ist bei den beiden gar nicht einfach. So nimmt die subtile und feinsinnige Komödie ihren Lauf.

Kommen sich über die Schokolade näher: Angélique (Isabelle Carré) und Jean-René (Benoît Poelvoorde), (c) Delphi Filmverleih
Der Titel „Die Anonymen Romantiker“ ist die Anspielung auf ein Phänomen, dass erst Mitte der 1990-er Jahre beschrieben wurde: HSP, hochsensible Persönlichkeit. Die amerikanische Psychologin Dr. Elaine N. Aron untersuchte, wie sehr hochempfindliche Menschen durch Umweltstress und Reizüberflutung in ihrem täglichen Leben behindert werden. Sie fand heraus, dass diese Personen überängstlich sind, weil Umweltreize von ihnen sehr viel stärker wahrgenommen werden und Auswirkungen auf ihr Nervenkostüm haben. Das schränkt sie in vielen Dingen ein, hat aber den Vorteil, dass sie im kreativen Bereich meist außerordentliche Fähigkeiten besitzen. Untersuchungen zufolge sind in Deutschland 15 bis 20 % der Menschen hochsensible Persönlichkeiten, das wären rund 12 Millionen Menschen, die sich zum Teil in Selbsthilfegruppen organisiert haben.

Im Film sind es Angéliques Geschmacksnerven, die sie zu einer genialen Chocolatière machen. Schokolade wird nicht umsonst als „süße Medizin“ bezeichnet. So wachsen Angélique und Jean-René über sich hinaus und versuchen zumindest ein Paar zu werden. Angélique hat ihre anonyme Selbsthilfegruppe, die ihr immer wieder Mut macht, Jean-René einen Therapeuten, der ihm immer wieder kleine Aufgaben stellt, aber sich dem Leben und der Liebe stellen, das müssen sie schon selbst. Am Ende steht Jean-René vor der Entscheidung, Angélique zu verlieren oder um sie zu kämpfen. Eine titanische Aufgabe für eine Hochsensiblen. Aber wenn es um die Liebe geht, sind wir da nicht alle Anonyme Romantiker?

Angélique (Isabelle Carré) in ihrer Selbsthilfegruppe, (c) Delphi Filmverleih
Regisseur und Co-Drehbuchautor Jean-Pierre Améris hat „Die Anonymen Romantiker“ mit Elementen des Märchens und Musicals versehen. Er erklärt: „Wir haben viel zu viel Angst vor dem Versagen. Wir leben in einer Zeit, in der jeder Höchstleistungen hinterher jagt und führt zu einer Extraportion Druck. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die sich dieser Furcht leichten Herzens nähert. Das Potential komischer Situationen zwischen zwei hochsensiblen Charakteren ist enorm“.


Helga Fitzner, 14. August 2011
ID 00000005328

Weitere Infos siehe auch: http://www.die-anonymen-romantiker.de





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