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Die Kinder der Toten



Das Internationale Forum zeigt die Verfilmung Die Kinder der Toten nach dem Roman der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Für die Adaption verantwortlich zeichnen Kelly Copper und Pavol Liska vom New Yorker Theaterkollektiv „Nature Theatre of Oklahoma“, das auch schon mit Teilen seines Langzeitprojekts Life and Times für das Wiener Burgtheater 2010 zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. 2017 waren Copper und Liska zu Gast beim Festival Steirischer Herbst und haben dort ihr Vorhaben der Jelinek-Verfilmung unter Mitwirkung von ca. 300 einheimischen Statisten verwirklicht. Herausgekommen ist, man höre und staune, ein Stummfilm. Nun ist der Text bei Elfride Jelinek, die ja auch für das Theater schreibt, nicht ganz unwichtig, trotzdem sie allen RegisseurInnen zugesteht, völlig frei damit zu verfahren.

So auch Kelly Copper und Pavol Liska, die, des Deutschen nicht mächtig, wie man hört, den Romantext gar nicht lesen konnten, da er nicht in englischer Übersetzung vorliegt. Aus einem über 100 Seiten langem Skript zum 666seitigen Opus Magnum der aus der Steiermark stammenden Autorin, sind dann nur ein paar deutsche bzw. auch englische Zwischentexte übriggeblieben, die Handlung und Dialoge beschreiben und wie eben beim Stummfilm üblich, eingeblendet werden. Die Handlung orientiert sich recht frei an Motiven und ein paar Personen des Romans, wie einen Förster (Klaus Unterrieder), der seine Söhne durch Selbstmord verloren hat, oder die in Hassliebe zu ihrer Mutter (Greta Kostka) verbundene Karin Frenzel (Andrea Maier). Produziert hat das Ganze der Filmemacher Ulrich Seidl, bekanntermaßen Spezialist für das österreichische Abseitige. Es geht wie oft bei Elfriede Jelinek um die Verdrängung der österreichischen Nazivergangenheit, wobei auch Aktuelles sowie Intertextuelles aus Literatur und Philosophie in den Roman mit eingeflochten werden.

Im Film treffen nun in der Pension „Alpenrose“ in der Steiermark Einheimische, Touristen und auch ein Gruppe verhungernder syrischer Dichter aufeinander. Es wird zunächst viel getrunken, gemosert und eine Fahrt in die Umgebung unternommen, bei der der Kleinbus aus der Alpenrose mit einem Bus voll niederländischer Touristen zusammenprallt. Parallel in den Wäldern unterwegs ist besagter Förster, der sich umbringen will, und immer wieder dabei gestört wird. Nach dem Unfall, bei dem sich viele Schaulustige sammeln, stehen irgendwann die Toten wieder auf und treten durch das Loch einer brennenden Leinwand, auf der Erinnerungen der Hinterbliebenen flimmern, die Untoten und formieren sich zu einem karnevalesken Maskenzug der historischen Zombies zu österreichischer Blasmusik.

Das Treiben erinnert fern natürlich auch an die Werke zweier anderer künstlerischer Multitalente, den deutschen Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief und den bayrischen Tausendsassa Herbert Achternbusch, in den 1990er Jahren selbst regelmäßiger Gast mit seinen Filmen auf der Berlinale, und nun mit 80 Jahren leider fast schon vergessen. Man kann das also auch als eine Hommage an diese beiden Regisseure und viele andere Filmvorbilder des alternativen Erinnerungs- oder Splatter-Genres werten. Wer eine textgetreue Jelinek-Adaption erwartet, ist hier leider fehl am Platz, wer Spaß an Trash und abseitigem Humor hat, wird sich auf seine Kosten kommen und nicht nur wenn wie bei der Jelinek auch mal gekalauert und aus Styria (engl. für Steiermark) Syria wird.

Bewertung:    



Die Kinder der Toten | (C) Ulrich Seidl Filmproduktion

pb - 12. Februar 2019
ID 11216
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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