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A Tale of Three Sisters



Gefühlt alle zwei Jahre läuft auf der Berlinale ein Film, dessen karge Handlung sich in einer kargen Berglandschaft abspielt, in der Abgeschiedenheit einer nach traditionellen, patriarchalen Regeln lebenden Gemeinschaft, fern der modernen Zivilisation und Technologie, inmitten erhabener Landschaften, voller Mühsal und Entbehrungen für die Menschen, vor allem für die Frauen, die sich nach Selbstbestimmtheit sehnen. Das waren zumeist Filme aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, aus Georgien, aus Kasachstan, aus Kirgisistan, manchmal auch Griechenland, oft aber – wie in diesem Jahr wieder – aus der Türkei, genauer gesagt: der abgeschiedenen Bergwelt Ostanatoliens.

In A Tale of Three Sisters leben die drei Schwestern Reyhan (20), Nurhan (16) und Havva (13) mit ihrem Vater in einem aus wenigen Steinhäusern und Scheunen bestehenden Bergdorf. Strom gibt es hier ebenso wenig wie fließend warmes Wasser. Meist bestimmt der Dorfälteste über die Geschicke der Gemeinschaft, in der die soziale Kontrolle quasi bis in die Wohnstube hineinreicht. Die drei Schwestern neiden einander so manches (eher eingebildetes) Privileg und streiten sich gerne. Der Vater ist bestrebt, seine Töchter hintereinander als Dienstmägde in die nächstgelegene Stadt zu schicken, auf dass sie dort lernen, einen Haushalt zu führen und einen Mann zum Heiraten zu finden – was idealerweise noch in der Pubertät geschehen soll. Die älteste Tochter Reyhan (Cemre Ebüzziya) war allerdings nicht so folgsam wie gedacht, und da sie schwanger zurückkehrte – diese Vorgeschichte erfährt der Zuschauer durch die Dialoge – wurde sie flugs mit dem einfachen Schafhirten Veysel (Kayhan Açıkgöz) verheiratet.

Die jüngere Nurhan (Ece Yüksel) will eine bessere Tochter sein. Aber ob sie angesichts ihres Dickkopfes tatsächlich geeigneter ist, den Haushalt eines wohlhabenden Arztes in der Stadt reibungslos zu führen, bleibt fraglich. Und ausgerechnet, als eben jener Arzt zu Besuch im Dorf ist, geraten er, der Vater der drei Töchter und ein weiterer Dorfbewohner mit dem naiven, tapsigen Veysel in Streit. Der volltrunkene Hirte wird anschließend von der eigenen Ehefrau im Suff bestiegen, aber auch das hilft ihm nicht, sein großes Mundwerk im Zaune zu halten. Die Wut über die gebildetere Altherrenriege im Dorf lässt ihn Dummheiten begehen, die zu einer Tragödie führen.

Der selbst in Anatolien aufgewachsene Regisseur Emin Alper erzählt dies alles mit ausgesuchter Optik, aber dramaturgisch heruntergedimmt. Die starren patriarchalen und hierarchischen gesellschaftlichen Strukturen sind zwar Auslöser für das Unglück von Veysel und Reyhan, bleiben aber im Kontext der Handlung so "naturgegeben" wie die Berge. Die schwelenden Konflikte werden nicht ausgelebt, sondern verpuffen in einer Art ritualisiertem, geschwisterlichen Zwist oder Frotzeleien mit dem Familienoberhaupt. Angst und Verzweiflung bleiben wohltemperiert. Eine geistig zurückgebliebene Frau kommentiert die den Wahnsinn befördernden Beschränkungen des geistigen und natürlichen Horizonts mit Purzelbaumschlagen.

*

Die meisten Kritiker mögen Alpers Variante des sanft-kritischen Heimatfilms: sie bleibt folkloristisch und diffamiert die Lebens- und Gedankenwelt ‚der Fremden‘ am Rande Europas nicht, lebt von kunstvollen Andeutungen statt Emotionalisierung und verbreitet gepflegte Langeweile. Ich hatte hingegen so manches Déjà-vu: Wie immer in solchen Filmen wird es dann irgendwann Winter mit Unmengen an Schnee, und jemand wird gerade dann sehr krank, was logistische Probleme bereitet. Es ging diesmal gut aus in dieser türkisch-deutsch-griechisch-niederländischen Koproduktion.

Bewertung:    



Kız Kardeşler / A Tale of Three Sisters | (C) Liman Film, Komplizen Film, Circe Films, Horsefly Productions

Max-Peter Heyne - 16. Februar 2019 (2)
ID 11226
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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