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BERLINALE 2018

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Transit



Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold ist ein Risiko eigegangen, indem er eine Geschichte über Flucht und Exil aus den 1930er Jahren in das heutige Südfrankreich transferiert. Mich hat dieser Verfremdungseffekt der Story nicht entfremdet. Ich habe aber von Anderen erfahren, dass sie aufgrund der zeitgenössischen Anmutung der Schauplätze das Bedrohungspotential nicht glauben konnten, dass der Film in den ersten Minuten aufbaut und damit die Hauptfiguren in ihre prekären Situationen zwingt. Vielleicht hätte Petzold zum Aufbau stärkerer Spannungsmomente jene Bilder, in denen modernste Überwachungstechnik gezeigt wird, häufiger und intensiver verwenden sollen. Dann wäre es vielleicht noch glaubwürdiger gewesen, dass in Deutschland Faschisten regieren, die das benachbarte Frankreich nach und nach besetzen und auch dort mithilfe der örtlichen Polizei Andersdenkende und Juden verfolgen, um sie zu deportieren.

Doch Petzold geht es in erster Linie nicht darum, die äußeren Zustände dieser Jahre akkurat zu transferieren, sondern die inneren Zustände der Protagonisten zu verbildlichen, die zwischen Angst, Verzweiflung und kurzen Momenten der Hoffnung auf Flucht und ein sicheres Leben im fernen Ausland (USA, Mexiko) hin- und herschwanken. Die literarische Vorlage ist der von Anna Seghers im Exil verfasste, gleichnamige Roman, der starke autobiografische Züge aufweist, denn die Jüdin Seghers floh mit ihrer Familie zunächst nach Marseille, bevor ihnen 1941 vermittels des mexikanischen Konsulates die Flucht in die USA gelang.

Im Buch und Film steht ein Journalist mit offensichtlich sozialistischen Idealen, Georg (kongenial besetzt mit Franz Rogowski), im Mittelpunkt, der auf seiner Flucht nach Südfrankreich durch Zufall die Möglichkeit erhält, die Identität eines renommierten Schriftstellers anzunehmen, der sich aus Angst vor seiner Verhaftung das Leben genommen hat. Georg trifft in Marseille auf illegale Migranten aus dem Maghreb wie auch eine große Gemeinschaft der in Deutschland aus politischen und rassisch-religiösen Gründen Verfolgten. Die Wege der Exilanten kreuzen sich vor allem in den Cafés und Bars der Hafenstadt und dem Warten im mexikanischen und amerikanischen Konsulat, wo um Transit- oder Einreisegenehmigungen nachgesucht wird.

Eine schöne Unbekannte (Paula Beer) fällt Georg immer wieder auf, und in die er sich verliebt. Doch erst spät erfährt der Gestrandete, dass ihn mit jener Marie, die die Freundin eines ebenfalls geflüchteten Arztes (Godehard Giese) ist, etwas Besonderes verbindet. Georg gehört dank des glücklichen Zufalls der getauschten Identität zu den Privilegierten, die Papiere für eine Schiffsreise ins Exil bekommen. Doch im Bemühen, auch Marie zu helfen, verstrickt sich Georg in emotionale Zustände, die einen einfachen Weg ins Exil ausschließen.

Erzählt wird Georgs Schicksal auch durch Off-Kommentare aus der dritten Person, die dem Ganzen den literarischen Anstrich eines Augenzeugenberichts verleihen – auch dies ein gewollter, irritierender Effekt, der immer wieder eine gewisse Distanz zum Geschilderten aufbaut. Dank einer Riege exzellenter SchauspielerInnen, die die existentiellen Nöte der Figuren glaubhaft vermitteln, wird dennoch hohes Identifikationspotential aufgebaut. Dramaturgisch knüpft Petzold an sein Drama Barbara an, das ebenfalls von Unterdrückung und Fluchtversuch erzählt. In Transit baut er zusätzlich noch eine zweite Ebene ein, denn natürlich lässt sich die Geschichte als Spiegelbild der Schicksale der von Afrika nach Europa Flüchtenden lesen. Mit seinen Verweisen und Verfremdungseffekten lässt Petzold absichtlich Chancen auf besonders intensive Spannungserzeugung links liegen. Die Kühnheit seiner dramaturgischen Konstruktion hat mir aber sehr gut gefallen. Außerdem fiel mir auf, dass Paula Beer aussieht wie eine brünette Nina Hoss. Hmm.

Bewertung:    



Transit | (C) Schramm-Film/Christian Schulz

Max-Peter Heyne - 17. Februar 2018 (3)
ID 10525
Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinale.de


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