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Khook



Der iranische Autorenfilmer Mani Haghighi, zuletzt im BERLINALE-Wettbewerb 2016 mit der sehr symbolhaften Fabel Ejhdeha vared mishavad! (A Dragon Arrives!) vertreten, bietet mit seinem neuen Film Khook (Schwein) eine ebenfalls vielschichtige Geschichte, die aber gesellschaftliche und persönliche Probleme wesentlich deutlicher anspricht. Haghighi beweist dank seiner Mischung aus schwarzhumoriger Satire, Thriller, Situationskomödie und Groteske von allen Regisseuren im Wettbewerb bisher die größte Chuzpe. Dafür gibt es meistens den Alfred Bauer-Preis für Innovation. Aber ich würde ihm auch noch mehr gönnen, also einen Silberbären, denn auf mich wirkte die Mixtur wie ein erfrischender Cocktail zwischen vielen eher bekannten und weniger risikofreudigen Rezepturen.

Was mag für einen ambitionierten (iranischen) Filmkünstler schlimmer sein: ein inoffizielles Berufsverbot, über das er nicht sprechen darf, oder von einem verrückten Serienkiller, der es auf Regisseure abgesehen hat, ignoriert zu werden? Für Regisseur Hasan Kasmai (ebenso bärig wie kindlich: Hasan Majuni) ist es Letzteres. Denn die Behörden seines Heimatlandes geben ihm mit ihrem Bannstrahl immerhin das Gefühl, sehr wichtig genommen zu werden. Leider ist mit dem Berufsverbot auch die Möglichkeit verwehrt, dass Kasmai der von ihm entdeckten Schauspielerin Shiva Mohajer (auch im wahren Leben Irans größter weiblicher Star: Leila Hatami) eine neue Rolle geben kann. Kasmai liebt Mohajer mehr als seine Ehefrau und ist tödlich gekränkt, dass die Angebetete aus Mangel an Gelegenheiten dem jüngeren Konkurrenten Kasmais, Sohrab Saidi (Ali Mosaffa) die Mitwirkung an dessen neuem Film zusagt.

Und als immer mehr Freunde Kasmais zu den geköpften Opfern des Killers werden, wird auch diesem zunehmend mulmig. Als er sich Saidi im besoffenen Zustand vorknöpfen will, ist der bereits tot, und der Verdacht fällt auf Kasmais. Die Szene, in der Kasmais mit einem besonders albernen Kostüm zu einer dekadenten Upper-Class-Fete geht, ist reiner Slapstick, aber wie die Splattereffekte gerade noch so wenig übertrieben, dass es im Kontext der Story glaubwürdig wirkt. Die Verhaftung verleiht Kasmais wieder eine Wichtigkeit, über die er sich aber nicht mehr freuen mag – und dann wird auch noch Mohajer ermordet. Steckt etwa ein weiblicher Stalker, der sich an Kasmais Fersen geheftet hat, und Clips von seinen cholerischen Ausbrüchen über die Social Media verbreitet, auch hinter der Mordserie?

Mani Haghighi hat keine Scheu, Facetten seines eigenen Schicksals bzw. das seiner iranischen Künstlerfreunde offen zu thematisieren. Da er die Kritik an den herrschenden politischen und polizeilichen Praktiken jedoch mit einer – fiktiven – Serienmord-Schauergeschichte kombiniert, erscheint diese Kritik nicht larmoyant und selbstbezogen, sondern wie ein allgemeines gesellschaftliches Hintergrundrauschen, vor dem die intelligenten Bürger der einen oder anderen Form von Wahnsinn oder Fanatismus zum Opfer fallen. Bemerkenswert an dieser Produktion sind – wie immer bei Haghighi – die bewusste Wahl der Schauplätze, Kostüme und Farbsetzung, die auch optisch für einen Genuss sorgen. Endlich eine Komödie mit hohem Unterhaltungswert im Wettbewerb!

Bewertung:    



Khook | (C) Berlinale

Max-Peter Heyne - 23. Februar 2018 (2)
ID 10546
Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinale.de


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