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BERLINALE 2018

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Figlia mia



„Meine Tochter, nein, meine!“

Es ist eine alte, immer wiederkehrende Geschichte. Figlia mia, meine Tochter. Diese hier spielt auf Sardinien. Die Insel hat einen besondere Farbe, einen besonderen Klang und einen besonderen Geruch, wie uns die Regisseurin Laura Bispuri verrät.

Beim Rodeo-Rummel ficken ein Mann und eine Frau im Freigehege, das Mädchen Vittoria sieht zufällig zu. Später wird sie erfahren, dass diese blonde Frau Angelica ihre biologische Mutter ist. Ihre jetzige brünette Mutter heißt Tina und tut alles, um eine perfekte Mutter zu sein. Vittoria ist verwirrt.

Das Drama um ein Kind nimmt schnell seinen Lauf und hält die 100 Minuten an. Vittoria (10) ist fasziniert von Angelica, die sie bisher mit Tina öfters auf dem einsamen Bauernhof besucht hat. Mutter Tina versucht, den Kontakt der beiden zu unterbinden und will Vittoria davon abhalten, die haltlose Angelica zu treffen. Denn seinerzeit hatte diese ihr und ihrem Ehemann das Kind überlassen und eigentlich versprochen, von der Insel zu verschwinden. Es war viel Geld im Spiel, und das soll jetzt nicht verdorben werden.

Ein Kind haben zu wollen. Ein Kind zu haben, um das man sich nicht kümmern kann oder will, das sind die zwei Seiten der Medaille in diesem Film.

„Die Macht und Kraft der Mütter sei ein zeitloses Thema“, sagt Laura Bispuri zu ihrer Filmidee. Sardinien hat sie sich in zwei Jahren Recherche erschlossen. „Die Insel hat mir viele Antworten gegeben“, sagte sie. In langen Einstellungen fließt die Schönheit des Landes in den Film ein wie die schmerzhafte Geschichte zweier Frauen miteinander. Es wird ein physischer Film. Ein haptischer. Ein olfaktorischer. Man fühlt den Wind, den Staub, den Schmutz. Man riecht den Dreck, den Schnaps, den Sex und alles andere auch. Die Tochter macht sich selbständig, Vittoria besucht Angelica heimlich.
Behütet bei der einen Mutter, ins wahre Leben geworfen bei der anderen, die mit Alkohol, Schulden, Haus- und Hofverlust und vielen Männern ringt und nicht klein beigeben will...

Vittoria ist neugierig auf diese andere Mutter, die mutig ist und widerständig und auch versucht, ihr die Angst zu nehmen.
Acht Monate lang hat Laura Bispuri nach der Darstellerin von Vittoria gesucht und die rotblonde Sarah Casu gefunden, die mit großer Ernsthaftigkeit und Professionalität das Mädchen spielt. Aber auch Alba Rohrwacher, die schon länger mit Laura Bispuri arbeitet, überzeugt hundertprozentig in der Rolle der wilden Angelica. Und ebenso die brave ruhige Tina (Valeria Golino) in ihrer vernünftigen Art.

Die beiden Frauen zerren an dem Kind. Das Kind ist hin und hergerissen. „Sie kam von sich aus“, sagt Angelica einem heimlichen Besuch Vittorias auf ihrem Hof zu Tina.

Laura Bispuri hat mit ihrem Regiedebüt Vergine Giurata auf der BERLINALE 2015 teilgenommen. Laura Bispuri überzeugt mit klare, gründlicher Regie und einer Entscheidungskraft für starke Schauspielerinnen in starken Frauenrollen.

Drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, Alba Rohrwacher, Valeria Golino, Sara Casu spielen intensiv miteinander. In Figlia mia hängen sie auf Gedeih und Verderb aneinander, sie gehören zusammen. Das sardische Lied Diese Liebe ist unantastbar bindet die Schleifenenden der Geschichte zusammen.

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die die Menschen ohne Worte verbinden.

Der Konflikt geht in immer neue Runden. Nach einem letzten Aufeinanderprallen der beiden Mütter übernimmt Tochter Vittoria das Kommando. „Andiamo. Gehen wir“, sagt sie zu beiden Müttern.

Ein warmer Film, ein schöner Film.

Bewertung:    



Figlia mia | (C) Vivo film / Colorado Film / Match Factory Productions / Bord Cadre Films / Valerio Bispur

Hilde Meier - 25. Februar 2018
ID 10554
Weitere Infos siehe auch: http://www.berlinale.de


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