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BERLINALE

ERÖFFNUNG

Hail, Caesar!


Bewertung:    



Das fängt ja gut an! Aber zu "sehr gut" reichte es nicht.

Die Weltlage mag dramatisch und bedrückend sein: Die Berlinale gönnte den Galagästen zum Auftakt der 66. Berliner Filmfestspielen eine kurzweilige, indes harmlose Komödie der Joel & Ethan Coen-Brüder. Als Eröffnungsfilm die perfekte Wahl: Ein Film übers Filmemachen, erst recht über Hollywoods goldene Ära des 50er-Jahre-Studiofilms, ist für ein glamouröses Branchenevent wie die Berlinale-Auftaktgala ein todsicherer Stimmungsmacher. Die vielen geladenen Filmschaffenden aus deutschen und fernen Landen werden am Donnerstagabend auf der Riesenleinwand im Berlinale-Palast vertraute Situationen entdeckt haben. Denn auch wenn die Zeit der bonbonfarbenen, stets gut ausgeleuchteten und sich dramaturgisch in klaren Bahnen bewegenden Melodramen, Historienschinken und Revuefilmen von dicker Patina verdeckt ist, so zeichnet sich das Filmgeschäft doch auch durch etliche Konstanten aus. Das betrifft weniger die Technik und die Produktionsabläufe, als vielmehr die Empfindlichkeiten und Macken der Schauspieler/innen und anderer Kreativen.

George Clooney spielt nicht den tumbesten Akteur, der in Hail, Caesar! durch die nachempfundenen 50er-Jahre-Studiokulissen latscht (was wörtlich zu verstehen ist, denn seine Figur Baird Whitlock ist der Hauptdarsteller in einem aufwendigen Bibelepos). Diese Ehre bleibt dem singenden Cowboy Hobie Doyle vorbehalten – den Nachwuchstalent Alden Ehrenreich bravourös zum Sympathieträger ausschmückt. Doch auch Whitlock ist nicht gerade Aspirant auf den Titel IQ-Mitarbeiter des Jahres im Capitol-Studio in Los Angeles, das mit unerschütterlicher Gleichmut von Eddie Mannix geleitet wird. Josh Brolin spielt diesen Hardboiled-Manager als Künstlerversteher mit rauer Schale, der auch dann nicht die Nerven verliert, als sein Star Whitlock von einer Bande, die sich „Die Zukunft“ nennt, vom Set des Jesus-Films entführt wird. Schliesslich lässt sich mit Geld alles regeln, und wer die Launenhaftigkeit der Kreativen und Klatschkolumnisten Tag für Tag durchhält, lässt sich auch von einer Truppe von Kommunisten nicht beeindrucken, die Hollywood mit dem erpressten Geld unterwandern will. Soviel darf verraten werden: Ausgerechnet die Drehbuchautoren unter Anführung eines an den deutschen Philosophen Herbert Marcuse erinnernden Professor sind für die revolutionären Pläne verantwortlich. Doch der wackere Studioboss und sein geradliniger Cowboystar retten die Kulturindustrie und ihre Scheinwelt.

Dieser an die Hysterie der McCarthy-Ära in den USA gemahnende Seitenhieb ist weniger witzig ausgefallen als es vielleicht beabsichtigt war. Und das gilt auch für den ganzen Film: Die Story mangelt es an Biss und giftigen Stacheln, statt frecher Satire dominiert der respektvolle Ton einer Reminiszenz an alte Zeiten. Dass die Coens auch Musicalszenen inszenieren können, stellen sie mit Hail, Caesar! eindrucksvoll unter Beweis. Nur die Schwerfälligkeit und Harmlosigkeit mancher anderen Szenen hätten sie besser vermeiden sollen. So ist ihre nostalgische Komödie als Festivaleröffnung perfekt, aber als Kinofilm nur ein halbes Vergnügen.



Hail, Caesar! | © Universal Pictures

Max-Peter Heyne - 13. Februar 2016
ID 9136
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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