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BERLINALE

PANORAMA

Kurzkritiken



600 Millas (600 Miles)
von Gabriel Ripstein (Mexiko), 85min, Spanisch/Englisch
mit Tim Roth, Kristyan Ferrer, Noé Hernández, Harrison Thomas, Mónica del Carmen


Der junge Mexikaner Arnulfo Rubio schmuggelt mit Hilfe eines kaum älteren Gringos für ein Drogenkartell Waffen von Arizona nach Mexiko. Der Film folgt ihm bei seinen Einkaufstouren, Grenzüberquerungen und den fast familiären Zusammenkünften mit seinen Mittelsmännern und Auftraggebern. Arnulfo weiß nicht, dass ihm schon seit geraumer Zeit der Agent Hank Harris auf der Spur ist. Nach einem gefährlichen Fehler von Harris beschließt Arnulfo verstört, den Agenten als Geisel nach Mexiko zu schmuggeln, um ihn dort seinen Leuten zu übergeben. Auf der langen Autofahrt von Arizona nach Culiacan kommt es zu einer unbeholfenen Annäherung zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern...


Psychologisch ausgefeilt karikiert der Film auch das Genre Roadmovie: das Auto wird zeitweise zum Gefängnis des kriminellen Dogmas der Beteiligten; funktioniert aber vor allem über den Schauspieler Tim Roth. Eine seltene Perspektive auf die Kriminalität der amerikanisch-mexikanischen Grenzregion. | GL





Al-Hob wa Al-Sariqa wa Mashakel Ukhra (Love, Theft and Other Entanglements)
von Muayad Alayan (Palästinensische Gebiete), 93min, Arabisch/Hebräisch/Englisch
mit Sami Metwasi, Maya Abu Alhayyat, Riyad Sliman, Ramzi Maqdisi, Kamel Elbasha, Hussein Nakhleh, Valantina Abu Oqsa, Mustafa Abu Hanood, Nicola Zreineh, Mohammad Othman


Tagedieb, heimlicher Liebhaber, Kleinkrimineller – Mousa hat viele Qualitäten. Der im Flüchtlingscamp lebende Palästinenser pfeift auf die von seinem Vater mühsam erworbene Erlaubnis, legal im israelischen Teil Jerusalems zu arbeiten und verdient sich sein Geld lieber mit dem Stehlen israelischer Autos, die er an palästinensische Hehler verkauft. Sein Herz gehört einer verheirateten Frau. Als Mousa nach dem Diebstahl eines Passats von palästinensischen Milizen brutal in die Mangel genommen wird und er sich danach das Auto genauer anguckt, macht er eine brisante Entdeckung. Muayad Alayans erster Spielfilm - eine palästinensische Hommage an die Nouvelle Vague - erzählt in leichten, anmutigen Schwarz-Weiß-Bildern und unterstützt von einem starken, jazzorientierten Score.


Intensives Drama, das über den Protagonisten, der in groteske Szenarios gerät, den politischen Konflikt in verdichteter Form wiedergibt. | GL





Bizarre
von Étienne Faure (Frankreich/USA), 98 min, Englisch
mit Pierre Prieur, Adrian James, Raquel Nave, Rebeka Underhill


Maurice, ein junger, wortkarger Obdachloser, schlägt sich in Brooklyn mit Gelegenheitsarbeiten durch und übernachtet in geparkten Autos bis er im "Bizarre" landet, einem für seine Burlesque- Shows berühmten Underground-Club, in dem keine Tabus gelten. Schnell gehört Maurice zur Wahlfamilie der Besitzerinnen, zu der auch der in sich gekehrte Luka zählt. Lukas wachsender Zuneigung kehrt Maurice jedoch den Rücken.


Leider verlässt sich der Autorenfilmer Faure zu sehr auf den (inzwischen auch nicht mehr ganz so besonderen) Reiz des schwul-lesbischen SM- und Nightclub-Milieus und die New Yorker Kulisse und vernachlässigt darüber die Dramaturgie und psychologische Tiefe der Figuren. So schlingert die Handlung vor sich hin und endet in einer schwer nachvollziehbaren, nicht wirklich berührenden Tragödie. | MPH





B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin
von Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck, Heiko Lange (Deutschland), 94 min, Deutsch/Englisch

Den britischen DJ, Musiker und Bandmanager Mark Reeder verschlug es in den frühen Achtzigern vom rottigen Manchester nach West-Berlin – der Heimat seiner Lieblingsmusiker: Der dürre Blixa Bargeld, der ernste Nick Cave, die coole Gudrun Gut und ihre Frauenband „Malaria“, die tödliche Doris, die Toten Hosen, der wahrer Heino. Dazu kamen so unterschiedliche Kreative wie der Undergroundfilmer Jörg Buttgereit oder der Nena- und Nina-Hagen-Manager Jim Rakete, aber auch die ersten Technohelden wie Westbam. Reeder hat sein Super8- und Video-Archiv geplündert und daraus B-Movie: Lust and Sound in West-Berlin mit umfassenden Bild-und Tondokumenten bestückt.


Eine ebenso amüsante wie temporeiche Zeitreise durch das lebendige, punkige und aus vielen Widersprüchen bestehende Westberlin der 80er Jahre. Dabei schlägt der von deutschen Musikwellen sein Leben lang inspirierte Mark Reeder immer wieder einen englisch-humorvollen Ton an, der ein allzu larmoyantes Baden in Nostalgie vermeidet. Dennoch stimmt vieles an diesem flotten, musikalischen Rückblick wehmütig. | MPH





Censored Voices
von Mor Loushy (Israel/Deutschland), 84 min, Hebräisch/Englisch, engl. UT

1967 hatte Israel im Sechstagekrieg die übermächtig erscheinende gegnerische Koalition besiegt und sein Territorium auf die dreifache Größe ausgedehnt. Das Land befand sich im Siegestaumel. Am Rand der allgemeinen Euphorie interviewte der Schriftsteller Amos Oz junge Kibbuzniks, die gerade vom Dienst an der Front zurückgekehrt waren. Die Männer redeten offen über das Erlebte, über die Zerstörung, die Gräuel des Krieges, über ihre Ängste, das Verhalten der israelischen Truppen gegenüber den Kriegsgegnern und waren dabei wesentlich kritischer, als Oz erwartet hatte. Der Schriftsteller plante damals die Veröffentlichung der Interviews, doch es kam nicht dazu, weil der Großteil der Tonbänder von der israelischen Armee zensiert wurde — bis heute.


Beeindruckende, ehrliche Collage, die verdeutlicht, dass die Befragten am Leid ihrer Kriegsgegner durchaus Anteil genommen haben. | GL





Chorus
von Francois Delisle (Kanada), 97 min, Französisch/Spanisch/Arabisch, engl. UT
mit Sébastien Ricard, Fanny Mallette


Seit zehn Jahren sind Irène und Christophe Eltern eines „unsichtbaren“ Kindes, also eines Kindes, das von seiner Umwelt nicht (mehr) wahrgenommen wird. Hugo war acht, als sie ihn das letzte Mal sahen. Als Hugos sterbliche Überreste gefunden werden, trifft das Paar in Montréal wieder aufeinander. Beide begegnen dem Tod ihres Kindes auf unterschiedliche Weise und erschließen sich im Umgang mit Trauer und Wut neue Orientierung in ihrer zerrissenen Welt.


Das Schicksal eines verschwundenen Jungen des inzwischen getrennt lebenden Ehepaars wird nach 10 Jahren aufgedeckt. Mit beeindruckender Intensität und dem intelligenten Einsatz filmischer Mittel (komplexe Erzählstruktur, ausgezeichnete Dramaturgie, Schwarz-Weiß) gelingt dem Autor, Kameramann und Regisseur Francois Delisle die fast unmöglich zu übersetzende Darstellbarkeit dieser kriminellen Tat. Ein Psychogramm, das noch lange nachwirkt. | GL





Danieluv Svet (Daniel’s World)
von Veronika Lisková (Tschechische Republik), 75 min, Tschechisch, engl. UT

Daniel, ein 25-jähriger Literaturstudent, hat pädophile Fantasien, die er nie ausgelebt hat. Der Film begleitet Daniel bei seinem Kampf um Selbstakzeptanz und der hoffnungslosen Suche nach einem Freund.


Ein ambivalentes, nicht besonders originell aufgezeichnetes Porträt eines tschechischen Pädophilen, der aktiv versucht, durch eine Lobby für sich und seine Gesinnungsgenossen mehr Akzeptanz zu erhaschen – zwiespältig. | GL





Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern
von Stina Werenfels (Schweiz/Deutschland), 90 min,Deutsch, engl.UT
mit Victoria Schulz, Jenny Schily, Lars Eidinger


Dora ist 18 und voller Entdeckungsfreude. Ihre beruhigenden Medikamente hat ihre Mutter Kristin erst kürzlich abgesetzt. Ungebremst stürzt sich die geistig behinderte junge Frau nun ins Leben und findet Gefallen an einem Mann. Bald haben die beiden spontan Sex – zum Erschrecken von Kristin. Dora trifft sich ohne das Wissen ihrer Eltern weiterhin mit dem zwielichtigen Mann, der sichtlich von ihrer befreiten Sinnlichkeit angetan ist. Während ihre Mutter sich vergeblich ein zweites Kind wünscht, wird Dora schwanger…


Der Blick der Regisseurin auf die Schicksale der Protagonisten – vor allem der Tochter, aber auch der Eltern – ist tendenziell voyeuristisch. Gut gespielt und kuriose metaphorische Bilder, bleibt doch vieles vorhersehbar. | GL





Dyke Hard
von Bitte Andersson (Schweden), 94 min, Englisch
mit Alle Eriksson, Peggy Sands, M. Wågensjö, Iki Gonzales Magnusson


Nachdem die hippe Lesbenband Dyke Hard mit ihrer ersten Single einen Megahit gelandet hat, kommt es zum kreativen Kollaps. Die Frontfrau setzt sich ab, und die Restband steht kurz vor dem Aus, als die Mädels von einer Battle of the Bands in „the big city“ erfahren, die in drei Tagen stattfindet und bei der sie ihre Karriere kickstarten wollen. Ein Road-Abenteuer voller Gefahren, Intrigen und Hindernisse nimmt seinen Lauf. Die Frauen landen in einem Geisterhaus und danach unschuldig im Todestrakt.


Überraschend, sehr schrill, aber nicht unbedingt sehenswert, weil ohne große Relevanz, zu harmlos und zu geschmacklos. Immerhin: Die Darsteller sind aufwendig ausstaffiert. | GL





El Hombre Nuevo (The New Man)
von Aldo Garay (Uruguay/Chile), 77 min, Spanisch, engl. UT

Schon als zwölfjähriger Junge kämpfte Roberto als Anhänger der Sandinistischen Revolution in Nicaragua für Bildung und soziale Reformen. Seinen politischen Kampf setzte er an der Seite der kommunistischen Tupamaros in Uruguay fort. Dreißig Jahre später kämpft er dafür, als Stefanía, als Frau, leben zu können und ringt um die Anerkennung durch Gesellschaft und Familie. Der Dokumentarfilmer Aldo Garay begleitet Stefanía seit mehr als zwanzig Jahren und präsentiert das persönliche und liebevolle Porträt einer Frau, die auf ein bewegtes Leben zwischen Gewalt, Drogen, Prostitution und politischem Einsatz zurückblicken kann.


Ein ehrliches, engagiertes Porträt der transsexuellen Stefania, die auf ihre Geschlechtsumwandlung zugunsten eines Wiedersehens mit ihrer Familie, die sie vor Jahrzehnten verlassen hat, verzichtet –obgleich die Familie ihre Transsexualität ablehnt. Stefania begibt sich auf die Reise zurück nach Nicaragua und begegnet ihren Lieben mit nachdrücklicher Präsenz. Der Regisseur begleitet seine Protagonistin über 20 Jahre und führt uns in teils skurrilen Szenen in ihre Vergangenheit. | GL





Fassbinder – Lieben ohne zu fordern (Fassbinder – To Love Without Demands)
von Christian Braad Thomsen (Dänemark), 106 min, Deutsch, engl. UT

Der dänische Filmregisseur und -historiker Christian Braad Thomsen war seit 1969 eng, wenn auch respektvoll distanziert mit Fassbinder befreundet. Fassbinder – Lieben ohne zu fordern sind Thomsens persönliche Erinnerungen auf der Basis von in den Siebziger Jahren geführten Gesprächen und Interviews mit Fassbinder und dessen Mutter Lilo. Dazu kommen aktuelle Interviews mit Irm Hermann und Harry Baer, die beide zum engsten Kreis um Fassbinder gehörten.


Regisseur Thomsen betont die beliebige Auswahl von Fassbinders Darstellern und deren Abhängigkeit und Schicksale in Folge. Professionelle Schauspieler gab es eher selten, dafür einige Selbstmorde und Selbstmordversuche von jenen, denen ein Leben ohne den Meister zu jener Zeit als nicht mehr lebenswert erschien. Er sorgte für permanente Produktivität und Aufregung. Eine sehr persönliche, eindringliche Reflexion der Protagonisten Fassbinder, Thomsen, Irm Herrmann und Harry Bär über das Werk, das untrennbar mit Fassbinders Leben verbunden war. Der Film zeigt auch, wie menschliche Beziehungen von Fassbinder diktatorisch, chauvinistisch ausgenutzt wurden. | GL





Feelings Are Facts: The Life of Yvonne Rainer
von Jack Walsh (USA), 83 min, Englisch

1966 revolutionierte Yvonne Rainer mit ihrer Performance Trio A den modernen Tanz. Beeinflusst von Merce Cunningham und John Cage entwickelte sie sozialpolitische Choreografien, in denen sie alltägliche Bewegungen auf der Bühne durcharbeitete, als bewussten Gegenpol zu den Erwartungen des Publikums. Weil sie auf keinen Fall gefällig wirken wollte, begann sie mit Film zu experimentieren, und zwar mit dem gleichen revolutionären Impetus wie in der Körperarbeit. Mit 56 Jahren hatte sie ihr Coming Out als Lesbe und 1997 gewann sie mit „MURDER and murder“ den Teddy Award. Regisseur Jack Walsh zeigt den künstlerischen Werdegang einer konsequenten und sympathischen Avantgardistin.


Die besondere, vielseitige Persönlichkeit Rainers kristallisiert sich aus dem interessanten Material über ihr Leben und ihr Werk eindrucksvoll heraus. | GL





Gukje Shijiang (Ode to M Father)
von JK Youn (Südkorea), 126 min, Koreanisch, engl.UT
mit Jung-min Hwang, Yunjin Kim, Dal-su Oh


Ein Film über die Auswirkungen des Koreakrieges und seiner Folgen bis ins heute. 14.000 fliehende Menschen finden sich auf US-Schiffen - da zerreißt es eine Familie zwischen Flüchtlingsboot und Kriegsschiff: Vater und ein Töchterchen bleiben zurück, Mutter mit drei Geschwistern gelingt die Flucht nach dem heutigen Südkorea. Endlich angekommen, erlebt die Teilfamilie das Elend und die Diskriminierung aller Flüchtlinge, aber auch den Aufbauwillen, den Optimismus derer die nichts mehr zu verlieren haben.


Ein mit liebevollem Pathos inszeniertes, theatralisches Epos über eine koreanische Familie, in deren Geschichte sich über mehrere Generationen der nord-südkoreanischen Konflikt spiegelt. Die politische Dimension wird sehr emotional, aber nachdrücklich transportiert. | GL





I am Michael
von Justin Kelly (USA), 98 min, Englisch
mit James Franco, Zachary Quinto, Emma Roberts


San Francisco, 1998. Eine wahrer Geschichte: Michael Glatze arbeitet als schwuler Aktivist, wird Mitbegründer des Magazins "Young Gay America". Aus einer tiefen Sehnsucht nach Zugehörigkeit heraus schafft er dabei unermüdlich neue Perspektiven für sein eigenes Dasein. Nach einem vermuteten Herzanfall sucht er nach einem neuen Gleichgewicht zwischen Sexualität und Spiritualität. Er verlässt seine schwulen Freunde und verankert sich mit meditativer innerer Einkehr und heterosexuellen Experimenten fest im christlichen Glauben und wird evangelikaler Prediger.


Die sich im realen Leben über viele Jahre erstreckende, langsame Wandlung eines sinnsuchenden, immer etwas haltlos wirkenden Mannes ist für den betont undramatisch, sondern behutsam inszenierten Film auf 98 Minuten eingedampft. Vor allem dank der nuancierten Leistung James Francos erhält der Zuschauer die Chance, die schwer verständlichen Wendungen im Leben des Protagonisten nachzuvollziehen. Franco gelingt es, charakterliche Änderungen zu vermitteln ohne Klischees zu bedienen oder zu übertreiben, und so ein- und derselbe Mann zu bleiben. | MPH





Iraqi Odyssey
von Samir (Schweiz/Deutschland/Irak/VAE), 163 min, Arabisch/Englisch/Deutsch/Russisch, engl. UT

Filmemacher Samir, geboren in Bagdad und in der Schweiz lebend, erzählt über Generationen hinweg von der Geschichte seiner Familie, die in alle Welt verstreut ist. Eine Chronik vom gescheiterten Traum einer modernen und gerechten irakischen Nation, die schon bald nach ihrer Dekolonialisierung und Gründung in den 1950er Jahren ein halbes Jahrhundert lang große Wellen der Emigration erlebt hat und durch Saddam Hussein's 30-jährige Diktatur bis zur US-Invasion 2003 zerrüttet wurde.


Samir begibt sich auf eine lange internationale Reise und sucht sowohl die Vergangenheit seiner Familie als auch die seines Geburtslandes. In einem großen historischen Abriss mit Zitaten aus der Filmgeschichte gelingt ihm mit seinen Protagonisten ein eindrucksvolles, facettenreiches Kaleidoskop, das über die Filmlänge spannend bleibt. Sehenswert nicht zuletzt auch durch den raffinierten 3D-Doku-Bildaufbau. | GL





Jia Zhang-ke, um homem de Fenyang (Jia Zhang-ke, a guy from Fenyang)
von Walter Salles (Brasilien), 105 min, Mandarin, engl. UT

Die Regisseure Jia Zhang-ke und Walter Salles verbindet eine ähnliche Grundhaltung zum Kino. Gemeinsam mit seinem chinesischen Kollegen sucht Salles die Schauplätze von dessen Filmen auf und begibt sich an Orte, an denen Jia Zhang-ke groß wurde. Eine Zeitreise im doppelten Sinne beginnt. Der Film zeigt die Veränderungen eines Landes, aus denen das Werk eines der großen Filmemacher unserer Zeit entstand.


Porträt eines sehr reflektierten Filmemachers und seines familiären Hintergrunds, das auch die politischen Verwerfungen der Kulturrevolution einbindet. Unterhaltsam und einsichtsvoll aufgrund seines besonderen Protagonisten. | GL





Je suis Annemarie Schwarzenbach (My Name is Annemarie Schwarzenbach)
von Véronique Aubouy (Frankreich), 85 min, Französisch, engl. UT

Doku über Annemarie Schwarzenbach, einer schillernden Figur der Bohème der Zwanzigerjahre. Die begabte Schriftstellerin war lesbisch, drogensüchtig, Globetrotterin, von betörender Androgynität und, zum Leidwesen ihrer dominanten Nazi-verehrenden Mutter Antifaschistin. Schwarzenbach starb jung, mit 34. Bis Ende der Achtzigerjahre vergessen, werden ihre Bücher seither wieder gedruckt und ihre Biographie rekonstruiert. Véronique Aubouy holt sie in die Gegenwart, indem 16 junge Schauspieler und Schauspielerinnen in wechselnden Rollen als Schwarzenbach und deren Freunde und Geliebte agieren.


Teils absurd skurril, aber auch sehr gewollt manieristisch durchinszenierte Doku, die nicht jedermanns Geschmack bedient, aber mit dem gelungenen Versuch, die 20er Jahre zu adaptieren. | GL





Une jeunesse allemande (A German Youth)
von Jean-Gabriel Périot (Frankreich/Schweiz/Deutschland), 93 min, Deutsch/Französisch, engl. UT

Ende der Sechzigerjahre lehnte sich die Nachkriegsgeneration in der Bundesrepublik gegen ihre Eltern auf. Der Protest gegen den Staat führte zur Gründung der Rote Armee Fraktion (RAF). Hier wird von ihrem langsamen Weg über die zunehmende Politisierung in den bewaffneten Widerstand und die Reaktionen der Bundesrepublik darauf erzählt – ohne Kommentar, ausschließlich mit umfangreichem, bisher unbekanntem Film-und Tonarchivmaterial. Das Lehrstück in Radikalisierung und den gesellschaftlichen Reaktionen darauf ist beängstigend aktuell, wenn sich auch die Vorzeichen geändert haben.


Ein beeindruckender Abriss der damaligen Zeit, deren Atmosphäre durch das selten gesehene Material lebendig wird. Der Filmemacher bemüht sich um größtmögliche Neutralität. | GL





Jun Zhong Le Yuan (Paradise in Service)
von Doze Niu Chen-Zer (Taiwan/VR China), 133 min, Mandarin/Taiwanesisch, engl. UT
mit Ethan Juan, Jianbin Chen, Qian Wan, Yi-Han Chen


Regisseur Doze Niu aus dem Filmwunderland Taiwan zeigt in seinem Spielfilm ein heikles, bislang ungefilmtes Kapitel der gemeinsamen chinesischen Geschichte nach dem Bürgerkrieg 1949: die Einrichtung von Bordellen zur Moralerhaltung der taiwanesischen Kriegstruppen im Kampf gegen Maos China. Frauen aus den Gefängnissen des Landes, aber auch weiblichen Kriegsgefangenen, wurden Haftverkürzungen oder gar Entlassungen versprochen, wenn sie sich als Huren in Militärbordellen zur Verfügung stellten.


Ein sehr stimmungsvolles, mit vielen bizarren Details und anrührenden Nebenhandlungen versehenes Drama, das die ruhigen Töne bevorzugt. Obgleich das Schicksal der zu Huren degradierten Frauen eher aus der Perspektive eines Mannes erzählt wird, nämlich einem der Wärter des Bordells, der als kriegsuntauglich ausgemustert wurde, ergibt sich eine aufrichtige Rückbetrachtung weiblicher Schicksale während des ostasiatischen Kalten Kriegs. Verblüffend ist die humane Zeichnung selbst hartleibiger Söldner, die ebenso wie die Frauen Opfer der politischen Entwicklungen ihrer Zeit wurden. | MPH





Der letzte Sommer der Reichen (The Last Summer of the Rich)
von Peter Kern (Österreich), 91 min, Deutsch, engl. UT
mit Amira Casar, Nicole Gerdon, Winfried Glatzeder


Die junge, attraktive Konzernchefin Hanna von Stezewitz ist eine arrogante und skrupellose Strippenzieherin, die Politik und Banken kontrolliert – eine perfekte Inkarnation des Raubtierkapitalismus, die als Domina am liebsten Lack und Leder trägt. Gegen die Langeweile sucht sie immer extremere Kicks, und dass sie dabei ein junges Mädchen mit Karrierehoffnungen missbraucht, ist für sie ein Kollateralschaden, der mit Geld repariert wird. Ein Reigen der Korruption, und wer den Takt stört, der wird aus dem Weg geräumt.


Drastisch karikiert Kern die Perversion der Hoffnungslosigkeit – plakativ und klischeehaft in Bezug auf die Klientel der Vermögenden in Wien. Der Themenmix um Sex und Tod ist pathetisch untermalt mit klassischer Musik – Peter Kern reizt mal wieder jede Schmerzgrenze aus, um seinen Protagonisten das jeweilige Image anzuheften. Jeder aus dem exzellenten Cast steht für eine Seite des abgründigen Establishments. Manche Szenarios wirken distanziert und bieten eine episch-symbolische Theatralik. | GL





Mariposa (Butterfly)
von Marco Berger (Argentinien), 103 min, Spanisch, engl. UT
mit Ailín Salas, Javier De Pietro, Julián Infantino, Malena Villa


Ein Schmetterling, Sinnbild für Wiedergeburt und Neubeginn, symbolisiert Rominas und Javiers Welt, die aus zwei parallelen Wirklichkeiten besteht. In der einen wachsen sie als Geschwister auf, die sich begehren und versuchen, ihre Liebe ohne sexuelle Erfüllung zu gestalten. In der anderen begegnen sie sich als junger Mann und junge Frau, die eine unbeholfene Freundschaft aufbauen, anstatt ihren Gefühlen füreinander zu folgen. Ein von ungewöhnlicher Dynamik beseelter Raum, in dem emotionale Verunsicherung, sexuelle Konfusion, Inzest, Selbsttäuschung, Intuition und spirituelle Verbundenheit ihren Platz haben.


Unterstützt durch den rasanten Schnitt und die atmosphärische Kamera entwickelt sich ein gelungener, experimenteller Reigen, in dem die Schauspieler in unterschiedlichen Beziehungen ihre Identitäten wechseln. Damit werden zwei Realitätsebenen geschaffen und situativ verwoben. | GL





Meurtre à Pacot (Murder in Pacot)
von Raoul Peck (Frankreich/Haiti/Norwegen), 130 min, Französisch, engl. UT
mit Alex Descas, Ayo, Thibault Vincon, Lovely Kermonde Fifi


Haiti nach dem verheerenden Erdbeben 2010: Häuser, Straßen und Brücken sind zerstört, Männer in weißen Schutzanzügen bergen Tausende von Leichen. Auch die Villa eines bürgerlichen Ehepaares in Port-au-Prince ist schwer beschädigt. Eine Baukommission fordert die Besitzer auf, das Haus umgehend zu renovieren, andernfalls muss es abgerissen werden. Um die Kosten tragen zu können, zieht das Paar in die ehemalige Dienstbotenetage und vermietet den einzigen noch bewohnbaren Raum an Alex, den Vertreter einer internationalen Hilfsorganisation.


In einem beklemmenden, dichten Kammerspiel begeistert uns der haitianische Regisseur Peck für die Schicksale seiner Protagonisten. Es ist diese sehr spezielle Vorgehensweise, in der die Ereignisse des Erdbebens seziert und stellvertretend porträtiert werden, die diesen Film so sehenswert macht. | GL





Nasty Baby
von Sebastián Silva (USA), 100 min, Englisch
mit Kristen Wiig, Sebastián Silva, Tunde Adebimpe, Mark Margolis, Reg E. Cathey, Alia Shawkat


Der Wunsch nach einem Baby ist für den Künstler Freddy zur Obsession geworden. Er arbeitet fieberhaft an einem Kunstprojekt über Neugeborene und hat mit seinem Partner Mo ihre beste Freundin Polly dafür gewinnen können, ein Kind zu bekommen. Zahlreiche Zeugungsversuche verlaufen jedoch nicht so einfach wie gedacht. Auch die Umsetzung der geplanten Video-Installation gestaltet sich für Freddy kompliziert. Als auch noch der "Bischof", ein geistig verwirrter Nachbar, die drei mit massiven Schikanen quält, gerät ihr unbeschwertes Dasein in eine gefährliche Schieflage.


Im pseudo-dokumentarischen Dogma-Stil inszeniert, lebt der dialoglastige Film sehr stark von der Fokussierung auf das Biotop der New Yorker Künstlerszene, was sich schon daraus ergibt, dass auch die Protagonisten auf sich, ihresgleichen und ihr Metier fokussiert sind. Diese Egozentrik – von einem durchweg stimmigen Cast überzeugend vermittelt – durchbricht der Autorenfilmer Silva, indem er die Stimmung am Ende mutig ins Tragische kippen lässt. Doch ein Mehr an Substanz und psychologischer Tiefe erreicht er kaum damit. | MPH





Necktie Youth
von Sibs Shongwe-La Mer (Südafrika/Niederlande), 86 min, original, Englisch/Afrikaans/Zulu
mit Sibs Shongwe-La Mer, Bonko Khoza, Emma Tollman, Jonathan Young, Colleen Balchin


Wer in Sandton aufwächst, verbringt viel Zeit in Pools und auf drogenbeflügelten Partys, dieser Stadtteil von Johannesburg ist das reichste Fleckchen Afrikas. Necktie Youth porträtiert diese erste post-Apartheid-jeunesse-dorée in grellem Schwarz-Weiß. Der Filmemacher und Multimediakünstler Sibs Shongwe-La Mer zeigt in seinem Film – mit sich selbst in einer Hauptrolle – eine ihm bestens vertraute südafrikanische Szene als rasanten Zickzack-Parcours, auf dem jugendliche Träume von Exzessen jeglicher Couleur geprägt werden.


Sehr frech-direkte, rasant und schonungslos gedrehte, dokumentarisch wirkenden Milieustudie der orientierungslosen Upperclass-Jugendlichen in Johannesburg. Der Regisseur, ein 23-jähriger bildender Künstler und Musiker, zeigt in metaphorischem Schwarz-Weiß eine zwischen Melancholie und Hemmungslosigkeit changierende Szene. | GL





Ned Rifle
von Hal Hartley (USA), 85 min, Englisch
mit Liam Aiken, Martin Donovan, Aubrey Plaza, Parkey Posey


Kultfilmer Hal Hartley, Ikone aus der großen Zeit des amerikanischen Indie-Kinos der 1980er Jahre, zeigt nach Henry Fool und Fay Grim (Panorama 2007) ein Meisterwerk als Abschluss dieser Trilogie Ned Rifle. Ned ist der bei einer Predigerfamilie aufgewachsene Sohn von Fay Grim, die wegen Terrorismusverdacht noch immer inhaftiert ist. Er schwört, an seinem leiblichen Vater Rache zu nehmen, den er für die Familientragödie verantwortlich macht und begibt sich mit einer jungen, geheimnisvollen Frau auf die Suche nach ihm.


Hartley inszeniert gewohnt lakonisch, hintergründig, anspielungsreich, mit humoristischen und satirischen Einsprengseln. Dabei erzählt er die wendungsreiche, sehr amerikanisch geprägte Story weniger über die äußere Dramaturgie, sondern über das Figurenensemble sehr spezieller Charaktere, die gut gespielt sind und die Konstruiertheit etwas mildern. | GL/MPH





Paridan az Ertefa Kam (A Minor Leap Down)
von Hamed Rajabi (Iran/Frankreich), 88 min, Farsi, engl. UT
mit Negar Javaherian, Rambod Javan


Bei einer Routine-Untersuchung erfährt die 30-jährige Nahal, dass das Kind nicht mehr lebt und ihr in zwei Tagen eine Ausschabung bevorsteht. Nahal weiß, dass die Familie sie zwingen wird, ihre vor der Schwangerschaft begonnene Behandlung gegen Depressionen fortzusetzen. Zunächst scheint die junge Frau einfach in ihren Alltag zurückzukehren. Doch ihr Schweigen schlägt in Rebellion um.


Eine durchaus sehenswerte, aber an vielen Stellen gewollte, psychologisch wenig glaubwürdige Geschichte einer symbolischen Rebellion, die letztlich kaum nachwirkt. Die zurückhaltend agierende Hauptdarstellerin sorgt mit ihrem Phlegma für Verwirrung, kann aber die mangelnde Identifikationsmöglichkeit mit ihrer Figur nicht kompensieren. | GL/MPH





Que Horas Ela Volta? (The Second Mother)
von Anna Muylaert (Brasilien), 111 min, Portugiesisch, engl. UT
mit Regina Casé, Camila Márdila, Karine Teles, Lourenço Mutarell


Val ist Haushälterin bei einer reichen Familie in São Paolo. Sie wäscht, kocht, putzt, und das schon seit einer halben Ewigkeit. Und sie ist dem 17jährigen Fabinho, dessen Mutter nie Zeit für ihn hat, eine liebevolle Vertraute. Ihre eigene Tochter Jessica aber wurde von Val in ihrer fernen Heimat zurückgelassen; schon seit mehr als zehn Jahren haben sich die beiden nicht mehr gesehen. Plötzlich kündigt sich Jessica an…


Harmlose, wenngleich nicht unsympathische Geschichte über soziale Hierarchien, die über die Person der Haushälterin erzählt wird. | GL





Sangue Azul (Blue Blood)
von Lirio Ferreira (Brasilien), 119 min, Portugiesisch, engl. UT
mit Daniel de Oliveira, Caroline Abras, Sandra Coverloni, Rômulo Braga


Ein Schiff mit einem Zirkus an Bord nähert sich einer Insel im südlichen Atlantik. Am Abend bei der Vorstellung präsentiert der Zirkusbesitzer und Illusionist Kaleb den Artisten Zolah, dem sofort alle Herzen zufliegen. Zolah ist Pedro, der die Insel vor 20 Jahren als Neunjähriger verließ. Die Wiederbegegnung mit seiner Mutter Rosa und seiner introvertierten Schwester Raquel konfrontieren den weitgereisten Akrobaten mit alten Verletzungen und verdrängten Sehnsüchten.


Der Regisseur porträtiert über seinen Protagonisten Pedro/Zolah Einsamkeit in der Vielfalt des Lebens, Sehnsüchte und Traumata. Atmosphärisch dicht mit intensiver Emotionalität, wobei die Kamera den Figuren psychophysiologisch in großer Nähe folgt. Der Schauplatz Zirkus wird ironisch dargeboten und für eine Parabel genutzt. Endlich mal wieder viel Sex im Film. | GL





Sume - Mumisitsinerup Nipaa (Sumé -The Sound of a Revolution)
von Inuk Silis Høegh (Grönland/Dänemark/Norwegen), 73 min, Grönländisch/Dänisch, engl. UT

1973 gehörte Grönland seit über 200 Jahren zum dänischen Königreich. Formale Bildung gab es zu jener Zeit nur im 4000 Kilometer entfernten Dänemark. Dort traf sich eine junge Generation von Grönländern, die fern der Heimat ihre Stimme fand. Malik Høegh und Per Berthelsen begegneten sich als Studenten in Kopenhagen und gründeten Sumé, die erste Rockband, die auf Grönländisch sang. Die politischen Songs prangerten die Missstände in Grönland an, die den Hörern Lust machten, die marginalisierte native Muttersprache zu sprechen und sich politisch zu engagieren. So wurden Sumés Songs der Soundtrack der ersten Jugendproteste gegen die dänische Verwaltung und für die Autonomie.


Ein sehr spezielles Thema, das rundum gelungen transportiert wird. Wir lernen eine besondere Welt und einige ihrer engagiertesten Aktivisten kennen. | GL





Tell Spring Not to Come This Year
von Saeed Taji Farouky und Michael McEvoy (Großbritannien), 87 min, Dari/Paschtu, engl. UT

Mit dem Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan übernimmt die Afghanische Nationale Armee (ANA) die Kontrolle in der Provinz Helmand, die als extrem gefährlich gilt. Attacken durch Talibankämpfer sind an der Tagesordnung. Sicherheit oder gar Frieden scheinen unerreichbar, ja, schon eine gemeinsame Sprache zu finden, ist schwierig in einem Land, in dem jeder jedem misstraut. In dieser Umbruchperiode begleiten die Regisseure über ein Jahr hinweg eine Kompanie der ANA im Fronteinsatz in Helmand. Gezeigt wird die Absurdität des Konflikts aus der Perspektive der afghanischen Soldaten und ein Land, dessen Staatsmacht einem Feind ausgeliefert ist, den auch NATO-Truppen in fast 13 Jahren nicht besiegt haben.


Eine atemberaubende, direkte Begleitung per Kamera mitten in den Alltag der Soldaten inklusive Kampfhandlungen, sodass der Zuschauer sich kaum mehr distanzieren kann. Einer der Filme, bei denen man sich fragt, wie er so eindringlich gedreht werden konnte. | GL





What Happened Miss Simone?
von Liz Garbus (USA), 102 min, Englisch

Die Dokumentarfilmerin Liz Garbus zeichnet mithilfe vieler Filmdokumente das Leben einer getriebenen Künstlerin nach, die nach dem Mord an Martin Luther King von der begabten Jazz-und Klassikpianistin und unverkennbaren Sängerin zu einer hochpolitischen Menschenrechtskämpferin geworden ist, die aneckt – privat und öffentlich. Die verschiedenen Phasen im Leben von Simone bis hin zu den letzten Jahren in Europa, in denen sie immer wieder zwischen pleite, einsam, krank und gefeiertem Jazzfestival-Star schwankte, werden anhand von Gesprächen mit Ninas Tochter Lisa und ihrem langjährigem Gitarristen Al Schackman vermittelt.


Ein bewegendes, vielschichtiges Porträt einer außergewöhnlichen Begabung. Simones viele Facetten als Sängerin und politische Aktivistin werden in diesem verdienstvollen, nuancierten Porträt gleichberechtigt herausgearbeitet. Zugleich erinnert das hervorragend ausgewählte Material an die bewegten 60er Jahre und die Anfänge der farbigen Bürgerrechtsbewegung, deren Kampf um mehr soziale Gerechtigkeit unvermindert aktuell ist. | MPH/GL





The Yes Men Are Revolting
von Laura Nix, Andy Bichlbaum, Mike Bonanno. (USA/Deutschland/Frankreich/ Dänemark/Niederlande), 92 min, Englisch

Nach bald zwei Jahrzehnten des humorvollen Guerilla-Aktivismus gegen die Gier der Wirtschaft und die Korruption der Politik unter dem Banner der Yes Men haben Alltag und Sinnkrisen die beiden Gründer eingeholt. Ihre kritischen Aktionen, in denen sie sich unter anderem als Sprecher der US-Handelskammer oder von Shell ausgeben, um der verwunderten Presse einen Richtungswechsel zu verkünden, verpuffen bisweilen ohne die gewünschte Wirkung. Die gewachsene private Verantwortung hat ihren Effekt auf die gemeinsamen Aktionen. Aus wechselnder Tagebuchperspektive von Andy und Mike erzählt der inzwischen dritte Film über die Yes Men vom Auf und Ab einer kreativen Freundschaft und dokumentiert vergnüglich gescheiterte wie auch gelungene Aktionen der beiden von 2009 bis heute.


Gewohnt frech und agil – so sind die berüchtigten Yes Men auch diesmal zu sehen, allerdings oft in Momenten, in denen sie über ihre Freundschaft und ihre Aktionen reflektieren, um ihr Engagement neu zu justieren. Unterhaltsam und aufschlussreich. | GL



Gabriele Leidloff (GL) / Max-Peter Heyne (MPH) - 6. Februar 2015
ID 8417
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


Post an Max-Peter Heyne

Post an Gabriele Leidloff



 

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= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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