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11mm | 11. Internationales Fußballfilmfestival

Lichtblicke und Schattenseiten völlig verschiedener Entwicklungen in Dokus beim 11mm-Fussballfilmfestival




Über Fußballfans in England

und Argentinien

Beim 11mm Fußballfilmfestival stand zum Abschluss eine Doppelveranstaltung an, bei der zwei Filme gezeigt wurden, die ähnliche Themen behandelten. Jan-Henrik Gruszecki, der in beiden Werken eine entscheidende Rolle spielt, leitete die Vorstellung in einem Gespräch mit Festival-Organisator Lars Schepull auf der Bühne ein. Dabei sollte besonders das folgende Zitat des Fußballfanatikers für einen perfekten Startschuss der beiden Filme sorgen: "Wer ein Land kennenlernen will, muss Fußballspiele in diesem Land besuchen. Denn genau dort lernt man die einfachen Menschen kennen."

Im Anschluss an dieses kurze Gespräch wurde die Dokumentation Verrückt nach Fußball - Englische Fans im Abseits gezeigt. Dabei wollten Jan-Henrik Gruszecki und sein Freund Jan Krapf mit Reisen zu verschiedenen englischen Vereinen aufzeigen, wie die Geschichte in den letzten drei Jahrzehnten das Verhalten der Zuschauer im Mutterland des Fußballs verändert haben. Neben Manchester United und dem FC Liverpool, den beiden größten Traditionsvereinen Englands, besuchte das Duo deshalb auch verschiedene unterklassige Vereine, die eine ebenso wichtige Rolle für den Film spielen. Besonders die O-Töne von Raphael Honigstein, einem deutschsprachigen Journalisten, der in England arbeitet, sorgten für tiefere Einblicke in die verschiedenen Themen. Aufgezeigt werden besonders die 80er Jahre, die als das dunkle Kapitel des englischen Fußballs gelten, da es in diesem Zeitraum zu zahlreichen Ereignissen mit Todesfällen in Stadien kam. Während dieses Thema sehr detailliert an einigen Beispielen aufgearbeitet wurde, verpasst es der Film, eine klare Linie durchzuhalten.

Neben der Geschichte des Fußballs in England, der Abschaffung der Stehplatztribünen und dessen Folgen, wird auch die Kommerzialisierung des Sports angesprochen. Da der Film jedoch lediglich 45 Minuten dauert, werden all diese Aspekte nur angerissen, jedoch nicht fertig ausgearbeitet. Der Film bietet deshalb mit einer munteren Mischung aus interessanten Bildern, witzigen und teilweise auch traurigen Anekdoten englischer Fußballfans sowie den Selbstversuchen von Gruszecki und Krapf, die auf verschiedenen Wegen das Mutterland dieser Sportart kennenlernen, einen gelungenen Einstieg für diejenigen, die sich bisher nur wenig mit den genannten Problemen auseinandergesetzt haben. Doch für jene, die sich bereits regelmäßig mit der Entwicklung des Fußballs auf der Insel beschäftigen, bietet der Film nur wenige neue Erkenntnisse.


Bewertung:    




Bildquelle (C) https://www.facebook.com/VerrucktNachFussball


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Es folgte der Film Ekstase und Schock - Die Fußballhauptstadt Buenos Aires. Schon die Einleitung sorgte für Aufsehen im Publikum, denn während stimmungsvolle Bilder aus den Stadien der argentinischen Hauptstadt gezeigt wurden, wurde zugleich auch von regelmäßigen Todesfällen gesprochen, die eng in Verbindung mit dem Fußball standen. In erster Linie sprach der Film die positiven Aspekte des Sports an: Weit über 1000 argentinische Fußballer haben den Sprung zum Profi im Ausland geschafft, und viele von ihnen konnten dadurch auch ihren Familien ein besseres Leben garantieren, z.B. Carlos Tévez, für den in seiner Karriere bereits über 80 Millionen Euro an Ablösesummen bezahlt wurden. Der in Buenos Aires geborene Profifußballer durchlebte eine schwere Kindheit in ärmsten Verhältnissen. Wohin dies führen kann, zeigte die Geschichte eines seiner besten Freunde, der bei einer Auseinandersetzung sein Leben verlor. Auch Tévez hätte ein ähnliches Schicksal erleiden können, wäre er nicht Profifußballer geworden, sind sich die befragten Experten im Film sicher.

Neben den stimmungsvollen Stadien und der nahezu unbegrenzten Identifikation der Fans mit ihren Vereinen, die in Mitteleuropa fast unvorstellbar sind, zeigt der Film jedoch auch negative Aspekte auf. Besonders die Barra Bravas, die in jedem Verein die Fangemeinschaften anführen, sind oft in Gewaltdelikte involviert, und auch die Politik nutzt diese Gruppen, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Der Film stellt völlig verschiedene Sichtweisen der befragten Akteure auf den Fußball in Buenos Aires auf. Unter anderem werden ein Journalist, der täglich über die Gewalt im Fußball in Argentinien schreibt, ein 82jähriger Fußballfan, der laut eigener Aussage nach dem Tod seiner Frau nur noch für seinen Verein lebt, ein Vorsitzender des argentinischen Fußballverbandes, der die Machtlosigkeit der Offiziellen eingesteht, und ein Fußballer aus der vierten Liga befragt, der stolzer Teil seines Heimatvereins und seines Wohnviertels ist, sich aber trotzdem wünscht, dass seine junge Tochter genau diesen Stadtteil eines Tages verlassen kann.

Insgesamt bietet der Film durch die zahlreichen gut recherchierten Geschichten, die witzigen und traurigen Anekdoten und die imposanten Bilder einen guten Überblick über den argentinischen Fußball, bei dem Informationsgehalt und Unterhaltung sich auf einem guten Niveau die Waage halten. Der perfekte Einstieg, um sich mit den Fußballtraditionen und der Zukunft des Fußballs in den jeweiligen Ländern zu beschäftigen.


Bewertung:    

Philipp Büttner - 3. April 2014
ID 7725
Unser Gastautor Philipp Büttner studiert z.Z. Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation – MHMK, Standort Berlin, und wird von Max-Peter Heyne betreut.

Weitere Infos siehe auch: http://www.11-mm.de/





 

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