Wer war er? Ohnzweifelbar ein Mann. Ein berühmter Mann. Ein großer Mann. Dreizehn Ellen wuchsen seine Beine empor, eh daß sie einem schmächtigen, doch kraftvollen Körper Platz machten. Darauf ein Lockenhaupt – man weiß nichts über seine beginnende Glatze, doch seine Perücke kennt man ebenso genau wie die Nase. Vom Verpackungspapier dieser Kugeln, von denen sein Foto prangte, jenen magischen Kugeln nämlich, die der Teufelsassistent Auguste Forestier immer im Forêt de Salzbourg aus Schokolade goß. Darauf kaute er dann herum, wenn er am Hammerklavier saß und Kaffee trank. Zwar ist nicht für Kinder dieser Türkentrank, aber da war er ja auch schon groß: als Wunderknabe ist man eben schon mit elf oder zwölf Jahren erwachsen. Vom Genusse der Espressi und Melangen inspiriert fing er an, sich für die Fakire aus dem Morgenland zu interessieren. Bald darauf kaufte er sich seine erste Zauberflöte, auf der er dann immer seinem Papagei vorspielte. Sie ist überliefert und noch heute im Geburtszimmer in diesem Haus, in dieser Straße, in dieser Stadt zu besichtigen. Kein Wunder auch, daß der Kaiser auf ihn aufmerksam wurde. Dem Erzbischof hatte er vor die Füße geschissen, also nahm er die Einladung an, auch bei Hofe mit seinen Schokoladenkugeln die Münder der Damen und die Elfenbeintasten der Cembali zu verschmieren. Unter dem strengen Blick des Herrn Papa klimperte er was von den Janitscharen aus dem nachbarlichen Istanbul – aber da war dann der Ofen schon wieder aus, kaum daß Beethoven sein erstes Quartett gespielt hatte. Erwiesen ist auch, daß unser Mann, der so groß und berühmt war, immer Nockerln aß, während er Stanzerln schrieb und an seinen Lockerln drehte. Aber viel lieber spielte er Quartett mit Beethoven und alle anderen Kartenspiele, die in der alten Welt bekannt waren. Dabei hörte er allerhand Klassik-CDs, Rondo Veneziano und was sonst so auf dem Markt war. Während des Spiels kam ihm, dem Wunderkind, so manche Idee für ein Klavierkonzert, eine niedliche Nachtmusik oder auch das ein oder andere Operchen. Viel unterwegs war er auch, mit seinem Ferrari knatterte er mal nach Paris rüber, um Musik zu machen und der Mama einen Sarg zu kaufen, nach Venedig zur Messe oder nach Mannheim, und sogar in Prag hat man seine beiden Auspuffe rauchen sehen, denn er lebte auf großem Fuß. Zeitgenössische Schätzungen gehen von Schuhgröße achtundvierzig aus, doch an der Academy of Saint Martin in the Fields hat man dreiundfünfzigeinhalb errechnet, anhand von Reparaturrechnungen seines Wiener Leib- und Magenschusters. Gab es Frauen in seinem Leben? Natürlich, natürlich. Ein so großer, wohlgeformter, immer braun gebrannter Mann wird doch stets von einem ganzen Schwarm von Verehrerinnen umgeben. In jeder Stadt, in die er reiste, soll er mit Tausenden unbescholtener Mädchen Figaros Hochzeit gefeiert haben...
Wer war er? Das ist die große Preisfrage. Aber, um mal das Thema zu wechseln: wußten Sie, daß die Engelchen im Himmel immer, wenn der liebe Gott mal nicht hinhört, ihren Johann Sebastian beiseite legen und Mozart spielen?
Patrick Wilden, 18. Januar 2006 ID 00000002208
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