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...bis 18. Juni 2011, Köln (EXPO XXI)

„Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze“




Die Ausstellungsbesucher werden fast selbst zum Archäologen, denn die Grabkammer des Tutanchamun wurde in Originalgröße nachgebaut. Wir finden sie also in ähnlichem Zustand vor, wie ihr Entdecker Howard Carter im November 1922.

Tutanchamun wurde im Kindesalter von 7 – 9 Jahren Pharao. Traditionsgemäß wurde zu diesem Zeitpunkt schon mit der Arbeit der normalerweise monumentalen Grabkammer des neuen Pharaos begonnen, die mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde. Da Tutanchamun im Alter von ungefähr 19 Jahren starb, konnte diese aber nicht fertiggestellt werden. Eine Bestattung innerhalb von wenigen Wochen nach dem Tod war aber vorgeschrieben. So suchte man ein Ausweichquartier in einem begonnenen Bau, der notdürftig fertiggestellt wurde, und so geschah es, dass Tutanchamun, geboren ca. 1332 vor Christus, Herrscher aus der 18. Dynastie des Neuen Reiches, Sohn des Echnaton und vermutlich von dessen Frau Nofrete, seine letzte Ruhestätte in einer winzigen Grabkammer fand.


Grabbeigaben für Tutanchamun - Foto (C) Semmel Concerts GmbH


Ein historischer Glücksfall, wie sich herausstellen sollte, denn die Grabkammer blieb 3300 Jahre lang unentdeckt und somit vor Grabräubern geschützt und ist heute die einzige nahezu vollständige Grabkammer eines Pharaos, die je entdeckt wurde.

Bevor es zur eigentlichen Ausstellung geht, informieren zwei sehr spannende und unterhaltsame Kurzfilme über Tutanchamun und die Geschichte der Entdeckung des Grabes durch Howard Carter. Dann geht es zur Replik des Grabes. Neben der eigentlichen Grabkammer gibt es noch zwei Vorkammern, in denen über 1000 Grabbeigaben untergebracht sind. Der ägyptische Totenkult bedingte, dass der Verstorbene mit möglichst vielen irdischen Schätzen versehen ins Totenreich geschickt wurde, damit es ihm dort an nichts mangelte. Das ging soweit, dass Tutanchamun 365 Dienerfiguren mitbekam, eine für jeden Tag des Jahres. Wann immer er im Totenreich zur Arbeit aufgefordert werden würde, stellte sich eine diese Dienerfiguren für ihn zur Verfügung, so war die Vorstellung. (Das gibt einen anschaulichen Eindruck, was ein Volk, das monumentale Pyramiden baute, eigentlich von Arbeit hielt). Es wäre natürlich nicht gegangen, dass ein Pharao im Totenreich irdischen Zwängen ausgesetzt worden wäre. Das erklärt den riesigen Umfang der Grabbeigaben und die Vielfalt und Sorgsamkeit bei ihrer Auswahl.


Aufreihung der Schreine und Särge - Foto (C) Semmel Concerts GmbH


Die Mumifizierung dient der Erhaltung der körperlichen Überreste, weil es den alten Ägyptern wichtig war, dass der Mensch vollständig im Totenreich ankam. Da die inneren Organe zur Verwesung führen, wurden sie deshalb herausgenommen und in kostbaren Gefäßen untergebracht. Der Rest des Körpers kann über Jahrtausende konserviert werden. Bei Tutanchamun haben übereifrige Priester aber so viel Salben, Öle und Parfüms verwendet, dass sich der Körper doch teilweise zersetzt hat. Möglicherweise ist das ein Zeichen des Schocks über den frühen Tod des Pharaos. Nach jahrzehntelangen Diskussionen und sogar Mordtheorien geht man heute davon aus, dass Tutanchamun vermutlich an den Folgen eines Jagdunfalls gestorben ist, weil er sich vor seinem Tod beide Beine und ein Knie gebrochen hatte. Neben anderen, teils ererbten, Krankheiten könnte das zumindest zu seinem Tod beigetragen haben.

Die Mumie ist von vier Schreinen umschlossen, die kostbar und reich verziert sind und tonnenschwer. Es hat unsägliche Mühen gekostet, sie damals zu bergen und nach Kairo zu transportieren.

Im letzten Teil der Ausstellung sind die Grabbeigaben noch einmal extra in einer großen Halle ausgestellt. Dort kann man die vier Sarkophage bewundern, den berühmten Streitwagen, die noch berühmtere Maske des Tutanchamun. Die über 1000 Exponate wurden von ägyptischen Kunsthandwerkern in Zusammenarbeit mit Ägyptologen hergestellt, die mit ihrem gemeinsamen Wissen um größtmögliche Authentizität bemüht waren.

Die Ausstellung läuft seit 2008 und wird auch noch Jahre lang an verschiedenen Orten zu sehen sein. Die Idee dazu stammt von dem deutschen Künstler Wulf Kohl, der in Kairo lebt, und dem Projektentwickler Paul Heinen aus Hamburg. Die Ägyptologen Dr. Martin von Falck und Dr. Wolfgang Wettengel waren als wissenschaftliche Berater zugegen.

Es handelt sich zwar nur um Nachbauten, da die Grabkammer im Tal der Könige aber heute fast leer ist und die Fundstücke sich an verschiedenen Orten befinden, ist dies die einzige Möglichkeit, diese alle im Rahmen einer einzigen Ausstellung zu sehen.

Die Organisation ist fantastisch: Man kann die Tickets online buchen. Es gibt immer nur eine festgelegte Anzahl von Besuchern, die zu einer bestimmten Zeit Einlass bekommen. Das garantiert, dass man die Kurzfilme ungestört sehen kann und die Besucher nahe und lange genug vor den Objekten verweile können, um dieses Erlebnis ungehindert zu genießen. Es gibt Audioguides, viele gute Tafeln mit Beschreibungen und Hintergründen und ausreichend Führungen von Ägyptologen, die rund 90 Minuten dauern.


Helga Fitzner - red. 5. April 2011
ID 5141
Ausstellungsort:
EXPO XXI
Gladbacher Wall 5
50670 Köln

Ausstellungszeitraum:
bis 18. Juni 2011
Mo – So, 10 – 18 Uhr

Öffnungszeiten in den Osterferien:
16. April – 1. Mai 2011
10 – 20 Uhr
(Letzter Einlass: 18 Uhr)


Weitere Infos siehe auch: http://www.tut-ausstellung.com


E-Mail an die Rezensentin Helga Fitzner



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