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Kommentar

Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg





Nach 27 Jahren Tätigkeit verabschiedet sich Barbara Wally dieses Jahres von der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg. Sie wird Salzburg den Rücken kehren und nach Jemen gehen um von dort aus Reisen in den Jemen zu organisieren.

Sommerakademie – 1953 von Oskar Kokoschka, als „Schule des Sehens“ gegründet – hatte einen sehr hohen Stellenwert in der Kunstszene. Dieser Stellenwert hielt circa bis in die 80iger Anfang der 90iger Jahre. Warum dieser Stellenwert abbröckelte ist schwer zu sagen, Faktum ist, aus heutiger Sicht, der Wert dieser Akademie geht komplett verloren.

Ein Grund sind vermutlich die hohen Preise. Studenten aus den Hochschulen können sich solche Seminare kaum mehr leisten und so findet man immer mehr – nach langjährigen Beobachtungen – reiche Frauen von Managern, die mit ihrer Freizeit nicht wissen was sie tun sollen, aber die wiederum das nötige Kleingeld haben um so ein Kunstseminar zu finanzieren.

Es ist schade, dass eine Institution die Weltruf hatte, so einen Abstieg macht. Es lehren durchaus Künstler die international bekannt sind bzw. waren, aber durch ihre Lehrtätigkeiten schon lange nicht mehr am aktuellen Kunstgeschehen mitmischen.

Um das Image der Künstlern etwas aufzupolieren, hat man für sie während der Sommerakademie, die jeweils vom Juli bis August stattfindet, den Vortragszyklus „The Artist Him/Her/Self“ ins Leben gerufen. Hier präsentiert sich der lehrende Künstler mit seinen Werken, Reportagen aus der „Glanzzeit“, was für unerfahrene Studenten vielleicht durchaus interessant sein kann, aber es ist einfach nicht mehr zeitgerecht.

Im besten Fall kann man sagen, dass auf der Akademie eine Art Bewusstseinserweiterung stattfindet, aber lernen in diesem Sinne tut man nicht. So ist es zwar erhellen zu erfahren, wie der Werdegang der jeweiligen Künstler war, wie hart sie arbeiten mussten, um das zu erreichen, was sie sind. Aber wesentlichere Fragen bleiben offen: Wie gehe ich an ein Thema heran und wie kann ich es bildnerisch umsetzen. So bleibt einem nur die Möglichkeit, sich mit anderen Studierenden auszutauschen. Die „Schule des Sehens“ gibt es schon lange nicht mehr. Die lehrenden Künstler selbst, glänzen mehr oder minder durch Abwesenheit und der jeweilige Assistent – der ohnehin oft mehr drauf hat – kümmert sich so sporadisch um die Studenten, schließlich will er ja selber künstlerisch arbeiten.

Eine Akademie sollte so geleitet werden, dass man auch jungen Künstlern, die schon erfolgreich im Kunstgeschehen sind, einen Lehrposten verschafft. Sie würden den Studierenden sicher mehr vermitteln über das JETZT. Was war, das war, das kann man alles auch nachlesen. Diese Zeit kann man nicht wiederholen und ein Abdruck aus dieser Epoche wäre (ist) lächerlich.

Wir fragen uns doch, was zum jetzigen Zeitpunkt passiert, was wollen wir, wohin wollen wir und was soll erreicht werden mit unserer Botschaft. Zur Zeit finden keine Bewegungen statt, es ist nur ein gegenseitiges „Abkupfern“, ein Wettkampf mit den Galerien: wenn ich das Male oder dies mache, dann komme ich da und dort hin. Kunst ist vielleicht mehr denn je zur Ware geworden und wird wie am Fließband produziert.

Kein Wunder, dass die gesamte Kunstszene im Moment am Boden liegt und die Neureichen und Superreichen (die von Kunst oft keine Ahnung haben, sondern lediglich einer Prestigevorstellung folgen) jeglichen Schrott zusammenkaufen, der vielleicht in 2-4 Jahren nichts mehr Wert sind.

Warum spricht man heute noch vom Kubismus, Surrealismus, Impressionismus, Fluxus etc.?
Weil es Künstler waren, die in ihrer Zeit standen und sich Gedanken darüber gemacht haben, wie sie auf die Veränderungen der Zeitepoche einwirken können. Vielleicht waren es immer die Künstler die eine neue Zeitepoche einläuteten.

So sollte vor der Neubesetzung des neuen Vorstandes der Sommerakademie vorerst hinterfragt werden, wer geeignet ist für diesen Posten. Wer schafft es, Künstler wahre Künstler und vor allem auch jüngere Leute zu gewinnen, die noch voller Tatendrang sind und der Kunst wieder Leben einhauchen wollen.

Christa Linossi - red 3. August 2008
ID 3944


Siehe auch:
http://www.summeracademy.at/de/history.php





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