Im Tal der
Schwarzen Laber
Skulpturenpark der Europagemeinde Beratzhausen
|
Eingang zum Skulpturenpark der Europagemeinde Beratzhausen | Foto: Christa Blenk
|
Vom Bahnhof aus geht es zirka zehn Minuten immer steil bergab. Viele Stufen führen nach unten ins Laber-Tal. Der Ort wirkt verschlafen, ruhig.
25 Minuten braucht der Zug aus Regensburg bis er den oberpfälzischen Markt Beratzhausen erreicht. Dort ist vor knapp 25 Jahren der Skulpturenpark der Europagemeinde Beratzhausen entstanden. Ursprünglich sollte der Park nach dem Fall des Eisernen Vorhangs rumänischen Kunstschaffenden eine Plattform bieten, um ost- und westeuropäische Künstler und Länder zu verbinden. Das Kuratorium Europäische Kulturarbeit e.V. ist Trägerverein des Skulpturenparks.
Auf einem romantischen Wanderweg an der Laber entlang und an unterschiedlichen Plätzen in der Ortschaft entdeckt man insgesamt 43 Kunstobjekte von internationalen Künstlern, die direkt dort, teilweise in einem alten Holzstadel, entstanden sind und von den jeweiligen Symposiumsteilnehmern hinterlassen wurden. Das ist auch der Grund, warum sich die Plastiken so perfekt in die Naturlandschaft einfügen. Die Skulpturen sind aus Stein, Metall und Holz.
Wie kam es zu diesem Park?
1990 organisierten die Bürger von Beratzhausen einen Konvoi mit Hilfsgütern nach Rumänien - die „Rumänienhilfe Beratzhausen“. Schon gleich zu Anfang entstand die Idee, Kunst als Vermittler zwischen den Völkern einzusetzen. Im zweiten Jahr schon fand eine Deutsch-Rumänische Kulturwoche mit 70 Kunstschaffenden statt und wieder ein Jahr später, 1992, das erste Bildhauer-Symposium. Die meisten der Künstler waren in ihren Ländern bereits bekannt. Eine Scheune im Ortsteil Essenbügel wurde als Atelier umgebaut. Als Ausstellungsplatz entschied man sich für die idyllischen Laberwiesen, direkt am schwarzen Fluss entlang.
*
Die Plastik Erhebung von Viorel Farcas hat – wie viele andere Werke - einen religiös-politischen Hintergrund. Farcas lässt seine Figur nach Osten blicken als Symbol für das rebellische Aufbegehren seiner Heimat. Erhebung ist eine übergroße Figur, die sich aus einem Steinblock heraus aufrichtet und ein liegendes Negativ zurücklässt. Die Plastik entstand 1992 und ist somit eines der ersten Werke im Open Air Museum. Weiter gehörten die Künstler Liviu Russu, Serban Dumitru, Napoleon Tiron und Aurel Vlad zu den Pionieren. Mit der Zeit hat der Park sich dann vergrößert und das Gebiet wurde ausgedehnt.
Napoleon Tirons Winkel des Lebens verläuft parallel zur Laber, kommt auf den ersten Blick wie eine abgewinkelte Sitzbank daher. Sie soll den langen Lebensweg des Menschen symbolisieren. Auf der Oberfläche entdeckt man filigrane Strukturen.
Die Festung (1992) von Liviu Russu soll mit ihren geschwungenen und kantigen Formen gleichermaßen so etwas wie Geborgenheit vermitteln, Wärme, die aus der Gemeinschaft entstehen kann.
Einige der Plastiken, wie die Figur Paracelsus von Mihai Buculei – der, wie Aurel Vlad - mit mehreren Werken in Beratzhausen vertreten ist, sind Auftragsarbeiten. Buculei würdigte 1995 mit seiner Arbeit den Markt Beratzhausen als Kulturstätte. Der bekannte Arzt, Naturphilosoph und Alchemist Paracelsus (Theophrastus von Hohenheim) kam, während seiner vielen Reisen durch Europa 1530 auch in diesen Ort und schrieb: „Der genius loci Beratzhausen ist’s, der mich ruft.“ Schon damals schwärmte er von der Weltoffenheit dieses Marktes. Auch der Künstler Gulyás Gyula huldigte mit seinem Kompass zu Paracelsus dem Schweizer Laientheologen.
|
Türme von Snejana Simeonova - im Skulpturenpark der Europagemeinde Beratzhausen | Foto: Christa Blenk
|
Die Installation Türme der bulgarischen Künstlerin Snejana Simeonova [s. Foto oberhalb] entstand auf dem Bildhauersymposium 1998. Die fünf Türme sind aus weißem Maisandstein. Das Quadrat schläft von Alexandru Pasat [s. Foto unterhalb] erinnert an die Arbeiten seinen Landsmanns Brancusi. Die gefaltete Decke scheint zu Stein geworden zu sein. Das ist eine der schönsten Arbeiten.
|
Das Quadrat schläft von Alexandru Pasat - im Skulpturenpark der Europagemeinde Beratzhausen | Foto: Christa Blenk
|
Der Objektkünstler und Mundartdichter Ludwig Bäuml hinterließ dort den Schrein der blauen Lilie am Lammlgraben. Bäuml hat seine Plastik so aufgestellt, dass die Natur die Optik des Kunstwerks im Laufe der Jahre bestimmen beziehungsweise angeben soll.
Gerät von Günther Ebenbeck lässt an ein altes Ackergerät denken. Das Kunstwerk besteht aus Kalkstein mit Eisen. Heiliges Wasser Agia Asma ist von Vladan Martinovic.
140 menschliche Fehler 140:140 ist von Herbert Lankl. Die Ruhebank für Verliebte RELAX von Endre Albeck und Große Fahrt vom Oberpfälzer Künstler Korbinian Huber. Anna Beckstein Pilz ist derzeit die einzige Künstlerin, die aus Beratzhausen kommt. Sie hat mit der Plastik Venus ihre eigene Interpretation der Schönen geschaffen. Im Winter dürfte die Fusion mit der kargen, unbunten Landschaft perfekt sein.
Die Holzstele von Armin Göhringer ist die jüngste Errungenschaft in der Dauerausstellung des Europa-Skulpturenparks.
Immer wieder finden sich dort an den Laberwiesen auch regionale, nationale und internationale Künstler und Musiker ein und verwandeln dieses Open Air Museum kurz in einen Veranstaltungsort.
2011 erhielt das Kuratorium Europäische Kulturarbeit den Kulturpreis des Landreises Regensburg.
Ein zauberhafter und sehr abwechslungsreicher Kunstspaziergang, der sicher auch im blätterlosen Winter zwischen Schnee, Laber und Stein attraktiv ist.
Auf der A 3 zwischen Regensburg und Nürnberg gibt es seit ein paar Jahren auch ein Hinweisschild auf diesen Europa-Skulpturenpark.
Ein kurzer Abstecher lohnt sich!
|
Christa Blenk - 9. September 2026 ID 16032
Weitere Infos siehe auch: https://www.landkreis-regensburg.de
Post an Christa Blenk
eborja.unblog.fr
Ausstellungen
Kulturspaziergänge
Museen
Werkbetrachtungen
Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!
Vielen Dank.
|
|
|
Anzeigen:
Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN
Rothschilds Kolumnen
ANTHOLOGIE
INTERVIEWS
KULTURSPAZIERGANG
MUSEEN IM CHECK
THEMEN
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
|