Lissabon
Portugals Zentrum am Tejo
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Der Elevador de Santa Justa in Lissabon Foto: Zaubi M. Saubert
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Zum Wasser zieht es, vom Wasser kommt es. LISSABON, die portugiesische Hauptstadt, mit ihren knapp 600.000 Einwohnern ist eng mit dem Wasser verbunden.
An der Mündung des Tejo in den atlantischen Ozean gelegen, gelangte die Stadt und ganz Portugal ab dem 15. Jahrhundert zu Größe und Blüte. Die Stadt ist mit dem Namen Heinrich des Seefahrers verbunden, der den Grundstein für den Aufstieg zur See- und Kolonialmacht einleitete, obwohl er selber nie zur See gefahren ist. 1499 lief die Flotte von Vasco da Gama in den Lissaboner Hafen ein und erlebte einen triumphalen Empfang. Vasco da Gama hatte mit seiner Armada in zweijähriger Reise den Seeweg nach Indien entdeckt.
Bereits die Phönizier gründeten vor 3.500 Jahren hier einen Stützpunkt. Es kamen die Karthager, Griechen und Römer und die Westgoten. 719 wurde die Stadt von den Mauren erobert, die erst 1147 durch die Portugiesen vertrieben wurden. 1580 fiel die Stadt an Spanien. 1668 wurde im Vertrag von Lissabon der Spanisch-Portugiesische Krieg beendet und das Land erneut unabhängig.
Aber Lissabon erlebte auch in anderer Hinsicht bewegte Zeiten. Im Jahr 1344 kam es zu einem starken Erdbeben und einem Ausbruch der Pest, was sich 1531 wiederholte. 1569 raffte eine Pest Epidemie Zehntausende dahin. Endgültig wurde die Stadt am 1. November 1755 durch ein starkes Erdbeben und einen darauffolgenden Tsunami weitgehend zerstört. Der anschließende Wiederaufbau erfolgte für das Zentrum, das Herz der Stadt, auf das Wasser zulaufend, einem streng geometrischen Prinzip folgend, unabhängig von der hügeligen Lage der Stadt.
Die neuere Geschichte ist geprägt vom Sturz der Monarchie 1910 und dem Militärputsch von 1926, der das Land für 48 Jahre in eine Diktatur verwandelte, die erst 1974 mit der sogenannten Nelkenrevolution endete und dem Volk Freiheit und Demokratie brachte.
Zentrum der Stadt und Hauptanziehungsplatz ist der am Tejo gelegene Praça do Comércio mit seiner Reiterstatue von Josés I. von 1775. Von hier erstreckt sich in nördlicher Richtung, hinter einem gewaltigen Triumphbogen; die Baixa, die Unterstadt mit Hauptgeschäftsstraßen die sich weitgehend in gastronomischer Hand befinden. An ihrem Ende erstreckt sich der Rossio, ein prächtiger Platz mit Bronzespringbrunnen, Königsstatue und typisch portugiesischem Pflaster in schwarz-weißer Wellenform. Eingerahmt wird der Platz von Prachtbauten wie dem Tetatro Nacional und dem 1886 im neomanuelinischen Stil entworfenen Kopfbahnhof Rossio.
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Der eingerüstete Torre de Belém von Lissabon, im Nebel | Foto: Zaubi M. Saubert
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Neben Gotik, Barock, Neoklassizismus ist besonders jener manuelinische Stil für Lissabon bekannt. Hierbei handelt es sich um eine Form der Spätgotik mit runden Formen und sehr verspielter Ornamentik. Viele manuelinischen Bauten haben das Erdbeben von 1755 nicht überstanden. Das wahrscheinlich schönste noch vorhandene Exemplar ist auch das Wahrzeichen Lissabons und Weltkulturerbe, der Torre de Belém [s. Foto oberhalb]. Hierbei handelt es sich um eine Stadtfestung aus dem 16. Jahrhundert im Vorort Belém, direkt am Tejo gelegen. Hier wurden früher die Schiffe verabschiedet, die in die Welt hinaus segelten und bei ihrer Wiederkehr begrüßt. Wie Vasco da Gama nach seiner Entdeckung des Seeweges nach Indien 1499.
Doch Belém hat noch mehr zu bieten. Hier begrüßt das Padrão dos Descobrimentos (Seefahrerdenkmal) seit 1960 die einfahrenden Schiffe. Gleich um die Ecke befindet sich das Mosteiro dos Jerónimus, das berühmte Hieronymus-Kloster im manuelinischen Stil. Von Belem hat man auch einen sehr schönen Blick auf die braunrote Ponte 25 de Abril, eine 3 Kilometer lange Hängebrücke über den Tejo. Auf dessen anderem Ufer erhebt sich die Christo Rei, eine über hundert Meter hohe Jesus Statue. Das Pendant dazu steht in Rio de Janeiro.
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Lissabon ist die Stadt der 7 Hügel, deren höchster erreicht eine Höhe von 226 Metern. Zwischen ihnen gibt es teils tiefe Einschnitte, was sich häufig in starken Steigungen der Straßen offenbart. Dies trifft besonders in den alten Vierteln der Stadt (Alfama, Mouraria und Graca) zu, die bekannt sind für ihre kleinen verwinkelten engen Gassen, steilen Treppen und hübschen Plätze, durch die der Autoverkehr teils nicht hindurch passt.
Hier sollte der Besucher unbedingt eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn, der Tram 28 [s. Foto unterhalb], unternehmen, denn es ist ein unglaubliches Erlebnis in diesen altertümlichen Gefährten durch die engen Gassen zu rumpeln. Um Chancen auf einen Sitzplatz zu haben, sollte man an den Endpunkten, wie am Platz Martim Moniz, zusteigen. Der Platz selber hat wenig zu bieten, offenbart aber die andere Seite Lissabon, die Armut. Hier leben in Pappkartons die, die es nicht geschafft haben.
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Die historischen Remodelados (Tram 28) von Lissabon | Foto: Zaubi M. Saubert
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Typisch für Lissabon sind seine Miradouros, die Aussichtspunkte, die der Stadt einen besonderen Reiz geben. Die schönste Aussicht gibt es natürlich vom Castelo de São Jorge [s. Foto weiter unten], der hoch über der Stadt thronenden Stadtfestung. Darüber hinaus gibt es etwa ein Dutzend hübscher Terrassen mit wunderbarer Aussicht, oft angelehnt an ein Kloster oder eine Kirche.
Eine weitere Besonderheit der Stadt sind ihre Standseilbahnen und ein Aufzug. Berühmt ist der Elevador de Santa Justa [s. Foto o.re.], der die Stadtviertel Baixa mit dem höhergelegenen Viertel Chiado verbindet. Hierbei handelt es sich um eine herrliche gusseiserne Konstruktion von 1902, die einen Höhenunterschied von 45 Metern überwindet. Nachdem es im September 2025 auf der Standseilbahn Ascensor da Glória zu einem schweren Unglück gekommen ist, bei dem 16 Menschen starben, sind der Elevador sowie die 3 Standseilbahnen der Stadt aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres gesperrt.
Durch diese Sperrungen heißt es für den Touristen, die Steigungen schweißtreibend selber zu erklimmen. Lissabon verfügt über ein gutes Netz an Metro, Straßenbahn und Bus. Trotzdem ist die Stadt alles andere als barrierefrei. Gerade in der Metro fehlen oft Rolltreppen, oder die Aufzüge sind defekt. Da habe ich einen Tipp: Wenn die Füße schwer werden, einfach mal ein Taxi nehmen, denn das bringt den abgekämpften Besucher für weniger als 10 Euro komfortabel zurück in sein Hotel.
Lissabon ist natürlich auch die Stadt der Azulejos, der Fliesen. Neben der alltäglichen Fliesenkunst im Stadtbild widmet sich ihnen ein ganzes Museum, das Museu Nacional do Azulejo, untergebracht in einem Kloster aus dem 16. Jahrhundert. Wegen Renovierungsarbeiten ist es allerdings noch bis Mitte 2026 geschlossen. Aber Lissabon verfügt über zahlreiche weitere Museen, sodass für jeden Besucher etwas dabei ist. Besonders zu erwähnen ist das Museu de Arte, Arquitetura e Tecnologia (maat), das mit seiner signifikanten Wellenform besonders auffällt.
Nicht vergessen will ich das Oceanário de Lisboa, das Meeresmuseum. Dieses befindet sich mit zahlreichen futuristischen Bauten im Parque das Nações (Park der Nationen), dem ehemaligen Geländer der Weltausstellung von 1998. Bei diesem Aquarium handelt es sich wohl um das größte in Europa. Das große Becken fasst 5 Millionen Liter Salzwasser, beherbergt über 100 verschiedene Arten und bietet ein tolles Erlebnis.
Natürlich könnte ich in diesem katholisch geprägten Land und in Lissabon zahlreiche berühmte Kirchen anführen. Da ist allen voran die romanische Kathedrale, die Sé de Lisboa, sie ist die älteste und wichtigste Kirche der Stadt aus dem 12. Jahrhundert. Sehr schön von weitem zu sehen ist die Ruine des Convento do Carmo, einem Karmeliterklosters aus dem 15. Jahrhundert. Bei dem großen Erdbeben stürzte das Kirchenschiff ein. Heute finden darin im Sommer Konzerte statt.
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Blick auf das Castelo de São Jorge in Lissabon | Foto: Zaubi M. Saubert
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So viele Sehenswürdigkeiten machen hungrig und durstig. Dieses Verlangen kann der Besucher auf vielfältige Weisen stillen. Es müssen nicht die schicken teuren Lokale sein, auch in eher unscheinbaren einfachen Tascas wird hervorragendes Essen serviert. In einer Hafenstadt liegt Fisch natürlich nahe. Dies sind besonders die Sardinen oder eine der vielen Zubereitungsvarianten des Bacalhau, des Kabeljaus. Dazu vielleicht ein Glas guten portugiesischen Weins. Vielleicht der spritzige Vino verde. Alternativ bietet sich ein Besuch in einem der teilweise einhundert Jahre alten musealen Cafés an, wo es köstliche Süßigkeiten wie die bekannten Pastéis de Nata zu naschen gibt.
Lissabon mit seinem spannendem Mix aus alt und neu, der Lage am Tejo, seinen verwinkelten Gassen, der historischen Straßenbahn, dem Torre de Belém, seinen Miradouros und der typischen Fado Musik ist eine abwechslungsreiche Großstadt mit Geschichte und Charme, in der es sich Leben lässt.
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Zaubi M. Saubert - 13. Januar 2026 ID 15647
Weitere Infos siehe auch: https://www.lissabon.org/
Post an Zaubi M. Saubert
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