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Kulturspaziergang

Island

Zwischen Feuer und Eis


Unterwegs am Snæfellsjökull | Foto: Zaubi M. Zaubert



Die kleine Insel am Polarkreis besitzt nur ein Drittel der Größe Deutschlands, und man kann sie auf einer Ringstraße bequem in wenigen Tagen umrunden. Knapp 400.000 Menschen bevölkern die Insel, mehrheitlich an der Küste. Etwa zehn Prozent der Einwohner sind Ausländer, die vornehmlich in der Dienstleistung und im Tourismus arbeiten, was dazu führt, dass der Tourist Glück haben muss einen echten Isländer zu treffen. Da allgemein Englisch gesprochen wird, fällt der Unterschied ohnehin schwer. Da fragt man in einem Geschäft nach dem isländischen Begriff für Danke. Die Verkäuferin weiß es nicht und entschuldigt sich damit, dass sie ja aus Griechenland käme.

Der Tourist kommt meist mit dem Flugzeug in der Hauptstadt Reykjavik oder dem Nachbarort Kevlavik an. Reykjavik ist mit knapp 140.000 Einwohnern die größte und einzige richtige Stadt der Insel. Das meiste sind eher Dörfer oder kleine Versorgungszentren. Die Hauptstadt bietet ein paar hübsche Straßen zum Bummeln und aus den letzten Jahren ein paar anspruchsvolle architektonische Bauten, wie die neue Konzerthalle Harpa mit ihrer wabenartigen bunten Glasfassade. An Museen sind vor allem das Reykjavik Art Museum mit zeitgenössischer Kunst und die Nationalgalerie zu nennen. Es gibt natürlich auch ein Walmuseum, und für Freunde ausgefallener Museen sind noch ein Punk- und ein Phallus- Museum im Angebot. Nicht zu vergessen ist das Perlan, Islands interaktives Naturkundemuseum, das mit einer gläsernen Kuppel auf großen Warmwasserspeichern ruht. Der Eintritt beträgt etwa 50 Euro. aber es sind nicht die Museen, die in Island das große Ziel sind.

Für die meisten Besucher (und von denen kommen immer mehr) ist die Hauptstadt der Startpunkt ihrer Islandreise. Entweder als Reisegruppe im Bus, mit dem Mietwagen oder Wohnmobil oder (für die ganz Harten) mit dem Fahrrad. Inzwischen ist die Ringstraße, die um die Insel führt, wie ein Großteil der übrigen Straßen asphaltiert und gut zu befahren. Nur das Inselinnere bleibt Offroadfahrzeugen vorbehalten. Das Angebot an möglichen Ausflügen ist groß, breit gefächert und nicht billig. Dafür ist es sicher ein Erlebnis im Offroadbus bis an einen Kraterrand zu fahren, über die Insel zu reiten oder zum Whale watching aufzubrechen.



Am Brúarfoss | Foto: Zaubi M. Saubert


Das Spektrum der Landschaften Islands ist einfach umwerfend und macht den Reiz der Insel aus. Da sind die endlosen Lavafelder, teils schon bemoost oder noch mondartig und schroff aufgetürmt. Berghänge als Reste großer Vulkane, Fjorde die sich malerisch ins Land ziehen, imposante Steilküsten, schwarze Strände, Wasserfälle, gewaltige Gletscher, deren Zungen sich bis fast ans Meer erstrecken und vieles mehr. Wenn dann nicht der typische Sprühregen über die Insel zieht, sondern die Sonne durch die Wolken bricht, gibt es in dieser Landschaft ein traumhaftes Zusammenspiel zwischen Grüntönen und den weißen, blauen bis hin zu fast schwarzen Wolken am Himmel. Spätestens dann kann man nur noch staunen und sich an dem Farbenspiel gar nicht mehr satt sehen.

Island ist eine Vulkaninsel, eine aktive noch dazu. Ein Abstecher von Reykjavik zur berühmten Blauen Lagune führt teilweise über eine komplett neue Straße, die sich durch frische Lavafelder windet. Diese sieht aus wie ein tief gepflügter Acker mit fetter schwarzer Erde. In der Blauen Lagune selbst kann sich der Besucher in milchig-blauem Warmwasser umgeben von Lava entspannen, wofür überall geworben wird. Bei Eintrittspreisen von einhundert Euro pro Person stellt sich die Frage, ob dies noch entspannend ist.

Überhaupt ist Island eine teure Insel. Sicher, vieles muss über das Wasser rangekarrt werden, was den Preis verteuert. Außer bei Treibstoff, der erstaunlicherweise billiger als auf dem europäischen Festland ist und das obwohl Island keine Ölvorkommen besitzt. Alles andere ist exorbitant teuer. Da kostet der leider auch hier allgegenwärtige Burger ab 25 Euro aufwärts, ohne Pommes. Bestell ich aber heimischen Fisch oder ein Stückchen vom heimischen Lamm, tränen mir die Augen, wenn ich die Preise sehe. Und bei 400.000 Schafen muss da keines von weit weg herangekarrt werden. Bei den Preisen für Alkohol bietet es sich an, im Urlaub mal auf Alkohol zu verzichten. Die Übernachtungspreise stehen teilweise in keinem Verhältnis zum Dargebotenem. Da werden selbst in einem B&B Guesthouse für zwei Personen schnell 150 Euro und mehr fällig.

Entschädigt wird der Besucher mit der atemberaubenden Landschaft, die es oft kostenlos gibt. Allerdings kosten dafür die Parkplätze, dort wo es in der Natur was zu sehen gibt. An den Highlights, wie zum Beispiel dem großen Geysir, der seinen heißen Wasserdampf bis zu 100 Meter in die Höhe schießt, treffen sich dann alle Nationen, staunen und fotografieren um die Wette. Da treten die kleinen heißen blubbernden Schlammbecken, die daran angrenzen, fast in den Hintergrund. Manchmal ist der Boden unter den Füssen richtig warm. Im sogenannten Rauch-Tal bei dem Örtchen Hveragerði, ist die Erdkruste über einer Magma Blase so dünn, dass es überall raucht und Dampf aus der Erde schießt.

Vulkanische Aktivitäten gehen mit Erdbeben Hand in Hand, wenn wie in Island tektonische Platten aufeinanderstoßen. Hier driften die nordamerikanische und die europäische Platte jedes Jahr sieben Millimeter auseinander. In der Touristeninformation in Hveragerði können sich Mutige einem Erdbeben der Stärke 6,6 aussetzten, in einem Simulator. Ein heftiges nachhaltiges Erlebnis.

Wer die Folgen eines Erdbebens sehen will, fährt in das kleine Hafenstädtchen Grindavik. Dort fällt auf, dass der ganze Ort nicht nur wie ausgestorben wirkt, er ist es auch. Erkaltete Lavawälle erheben sich an den Grenzen der Gärten. Nach Erdbeben und Lavaausbrüchen in den Jahren 2023/2024 wurde der ganze Ort evakuiert. Wir sehen Häuser, die halb in der Luft hängen oder eine seltsam verformte Fassade aufweisen. Da stellt sich schon ein komisches Gefühl ein.

Wem es nicht vergönnt ist, bei einem Offroadausflug frische Lava zu sehen, der hat in Reykjavik und Vik die Möglichkeit im Rahmen einer Lava Show, für 50 Euro, echte Lava zu erleben, die über eine Rampe in ein kleines Becken läuft und eine immense Hitze ausstrahlt.



Gletschersee Jökulsárlón | Foto: Zaubi M. Saubert


Das Gegenstück zum Feuer ist das Eis. Island besitzt noch vier große Gletscher, von denen der Vatnajökull der Größte ist. Obwohl die Gletscher auch hier schmelzen, so strecken sie sich immer noch mit beeindruckenden Gletscherzungen dem Polarmeer entgegen. An der Gletscherflusslagune Jökulsárlón [s. Foto oberhalb] kann man beobachten, wie kleine Eisberge, wahrscheinlich tausende Jahre alt, vom Breiðamerkurjökull-Gletscher abbrechen, unter der Brücke der Ringstraße hindurch schwimmen, und ins Meer treiben. Einige liegen dann glitzernd wie riesige Diamanten am schwarzen Strand und sind das Ziel aller Islandreisenden. Ein Moment des Staunens und sich die Augen reiben.

Die Tierwelt nimmt sich bei den ganzen Naturschönheiten eher bescheiden aus. Es gibt Schafe, Pferde, Möwen, Robben, Küstenseeschwalben und Puffins. Das ist der lustig anzuschauende Papageitaucher, Islands Nationaltier. Und die Wale wollen wir nicht vergessen. Papageitaucher und auch Wal werden in Island immer noch gejagt und gegessen. Auch wenn 98% der Isländer keinen Wal zu sich nehmen, gibt es immer noch einen Geschäftsmann, der die Riesen des Meeres jagd, um das Fleisch an die Japaner zu verkaufen. Einige Lokale haben die Tiere auf der Speisekarte. Und vorweg einen geräucherten Papageitaucher? Pfui!

Wale wollen die meisten Islandbesucher auch, aber sehen und nicht essen. Überall auf der Insel wird Whale watching angeboten. Ich habe eine Tour mitgemacht, mit mäßigen Sichtungen. Einen Buckelwal gab es zu sehen. Aber in Anbetracht der Anwesenheit von acht Ausflugsbooten vielleicht auch kein Wunder, dass sich nicht mehr Tiere zeigten. Bei dem ganzen Motorenlärm haben die Wale vielleicht einfach keinen Bock. Eine andere gebuchte Tour wurde witterungsbedingt erst verschoben und dann abgesagt.

Nun hatte ich vor der Reise gehört, das sogenannte Hot Pots, also Becken heißen Wassers, typisch für Island seien. Das kann ich nicht bestätigen. In freier Natur habe ich so etwas nicht erlebt. Und der Unkundige sollte sich auch tunlichst vorsehen seine Füße in dampfendes Wasser zu stecken, von blubberndem Schlamm einmal ganz abgesehen. Diese sind oft kochend heiß. So finden sich diese Hot Pots meist nur in Hotels oder Schwimmbädern. Letztere gibt es in jedem Dorf, da die Regierung die Schwimmfähigkeit ihrer Bevölkerung als Ziel ausgegeben hat.



Schlammquellen bei Gunnuhver | Foto: Zaubi M. Saubert


Vor einer Reise nach Island sollte man sich über das Wetter informieren. Island ist keine Sonneninsel. Im Juli hatte ich Temperaturen zwischen zehn und neunzehn Grad. Mit Glück gibt es wenig Regen. Was es fast immer gibt ist Wind. Der Autovermieter weist bei Übernahme des Fahrzeugs explizit darauf hin, dass Schäden durch abgerissene Autotüren nicht versichert sind.

Island ist etwas ganz Besonderes und auf alle Fälle eine Reise wert.


Zaubi M. Saubert - 18. August 2026
ID 15990
Weitere Infos siehe auch: https://de.visiticeland.com/


Post an Zaubi M. Saubert

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