Burghausen
Strenge Zinnen, Mauern, Türme und bunte Bürgerhäuser
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Uhrturm im sechsten Burghof von Burghausen | Foto: Jean-Noel Pettit
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Plötzlich steht sie vor uns: die langgezogene Burganlage aus Tuffquaderstein! Laut Guinnes die längste Burg der Welt! Die Höhenburg steht auf einem schmalen, langen Kamm und zieht sich über 1.052 Meter und sechs ineinander übergehende Burghöfe hin. Die Hauptburg im Süden ist der älteste Teil. Zwischen dem vierten und fünften Burghof steht der Folterturm, heute ein Museum. Die Hedwigskapelle ist eine spätgotische Kirche. Der Uhrturm aus dem 16. Jahrhundert steht im sechsten Burghof [s. Foto o.re.]. Die Anlage ist eine in sich geschlossene Wehr- und Wohnburg. Gärten, ein Marstall, Handwerksbetriebe, Wohn- und Verwaltungsräume, Kerker sowie mehrere Kirchen sind über die verschiedenen Höfe verteilt. Ab April kann man angeblich seltsame Vögel beobachten, die den Pulverturm auf einer Wehrmauer bewachen. In der Rentschreiberei wurde seinerzeit der Gewinn aus dem Salzhandel mit Österreich aufnotiert. Im Staatlichen Burgmuseum, dem Palas, kann man nicht nur Kunstwerke sehen, sondern auch das Hamsterrad ausprobieren oder digital den Gegner vom Pferd stoßen.
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Blick auf den Plan der Burganlage in Burghausen | Foto: Jean-Noel Pettit
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Die Hänge auf allen Seiten der Burg fallen steil ab, was im Verteidigungsfall von Vorteil war. Das ist mit ein Grund, warum Burghausen nie im Sturm erobert werden konnte. Kürzliche Scherbenfunde aus dem 16. Jahrhundert vor Christus weisen auf die Besiedlung von Burghausen schon in der Bronzezeit hin.
Die intensivste Bauperiode fand im Mittelalter statt. Auch danach war die Burg von großer militärischer Bedeutung. Im Dreißigjährigen Krieg saß der schwedische Feldmarschall Gustav Graf Horn im Kerker in der Hauptburg. Im 18. Jahrhundert wurden die Außenwerke der Burg im Vauban-Stil erweitert. Nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg fanden umfangreiche Umbauten statt, Burghausen wurde Garnisonsstadt. Ende des 19. Jahrhunderts begann eine Renovierungsswelle, die noch nicht aufgehört hat.
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Die Hauptburg von Burghausen | Foto: Jean-Noel Pettit
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Einen Ritter in schwerer Rüstung oder ein Edelfräulein im Leinenkleid und mit Wulsthaube haben wir zwar nicht angetroffen, aber vorstellen kann man es sich durchaus. Mitte Februar treffen wir nur ab und zu auf andere Besucher. Der Blick durch die nackten Zweige hat aber auch etwas für sich. Die Blütenexplosion im Frühjahr lassen wir einfach in unserem Kopf passieren.
Die Burg untersteht heute der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.
400.000 Besucher aus aller Welt zieht es jedes Jahr nach Burghausen.
Von der Burgmauer auf der einen Seite sieht man den tiefgrünen Wöhrsee, während unser Blick auf der anderen auf die farbenfrohe, malerisch-verspielte Altstadt im Inn-Salzbach-Baustil fällt. Die sogenannten Scheinfassaden bestechen mit ihren Pastellfarben, den verzierten Giebeln und Simsen. Manche Häuser sehen wie Hochzeitstoren aus.
Der Weg von der Burg nach unten dauert 15 Minuten zu Fuß.
Die ehemalige Herzogstadt Burghausen hat gut 19.000 Einwohner. 50 Kilometer sind es bis Salzburg, 100 bis nach München.
Flaschengrün und schnell schlängelt sich die Salzach dahin. Hinter der Brücke ist Österreich und lädt zu romantischen Wanderungen durch Buchenwälder ein.
Bis ins 8. Jahrhundert war ein Teil der heutigen Altstadt wahrscheinlich eine Zollstätte-Ansiedlung. Die älteste Erwähnung Burghausens stammt aus dem Jahr 1025. 1168 starb das Adelsgeschlecht aus und der Herzog Heinrich der Löwe nahm für wenige Jahre die Stadt in seinen Besitz. Ab 1180 ging die Siedlung an die Wittelsbacher. Zu diesem Zeitpunkt wurden Burghausen Stadtrechte verliehen und der Ort erlebte einen politischen und wirtschaftlichen Aufschwung. Der Handel mit Salz aus Hallein zählte zu den wichtigsten Einnahmequellen. Der Dreißigjährige Krieg, Erbfolgekriege sowie die Napoleonischen Kriege und später der Verlust des Salz-Geschäftes brachten Burghausen einen Bedeutungsverlust. Die Salzach wurde zum Grenzfluss zwischen dem Kurfürstentum Bayern und Österreich ob der Enns. Burghausen zur Grenzstadt und verlor so sein östliches, wirtschaftliches Hinterland. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Stadt der Titel Hauptstadt wieder aberkannt.
Hinter den romantischen Gebäuden verbergen sich heute edle Dirndl-Schneidereien, Antiquitäten- und Trödelläden, Glas-Schmuckhersteller und sympathische Cafés.
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Die Altstadt von Burghausen - mit der Burg im Hintergrund | Foto: Jean-Noel Pettit
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Das Mautnerschloss ist heute ein Schulungs- und Seminargebäude und der Sitz des Jazz-Vereins von Burghausen. Dort eingelassene Bronzeplatten erinnern an berühmte Teilnehmer des international bekannten und seit den 1960er Jahren jährlich im März stattfindenden Jazz-Festival. Ella Fitzgerald, Oscar Peterson oder Till Brönner gehörten dazu. Berührungsängste gibt es auch nicht. So soll es einer Anekdote nach zu einer spontanen Jam Session mit örtlichen Schuhplattlern gekommen sein.
Wer es lieber gemütlich hat, begibt sich auf eine Plättenfahrt. Auf diesen Plätten, flachen, floßartigen Booten, wurde im Mittelalter das "Weiße Gold" von Hallein/Salzburg über Burghausen zum Schwarzen Meer verschifft. Salz wird heute nicht mehr transportiert, aber im Sommer Touristen. Dixie und Swing gibt es auf der Plätte auch. Das in der Nähe liegende Rokoko-Kloster Raitenhaslach ist sehenswert. Den Besuch im Klosterbiergarten müssen wir im Sommer nachholen. Im Kloster liegt übrigens die polnische Königstochter Hedwig begraben. Sie hat im Mittelalter den niederbayerischen Herzog Georg den Reichen geheiratet. Die famose Landshuter Hochzeit wird heute alle paar Jahre immer noch im Original nachgefeiert.
Baden kann man in der Salzach auch. Wer aber lieber ruhiger und ohne Strudel schwimmen will, geht in den Wöhrsee, dazu muss man allerdings bis zum Juni warten.
1900 hatte Burghausen 2.500 Einwohner. Mit der Anbindung an das Schienennetz am Ende des 19. Jahrhunderts ging es wirtschaftlich wieder bergauf. Die Stadt entwickelte sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Seit dem Jahr 2012 trägt Burghausen den Titel Fair-Trade-Stadt. Burghausen hat außerdem eine Akademie für Darstellende Kunst mit Hauptsitz auf der Burg. Auch die Theaterszene kommt nicht zu kurz.
Die Landesgartenschau 2004 lockte fast eine Million Besucher an.
Burghausen zählt heute zu den erfolgreichsten Technologie- und Wirtschaftsstandorten in Deutschland.
Eine kleine Stadt mit hoher Lebensqualität in einem bezaubernden Umfeld.
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Christa Blenk - 24. Februar 2026 ID 15723
Weitere Infos siehe auch: https://www.burghausen.de
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