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Kulturspaziergang

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Ballermann und Liebe


Tanz hat auch die Funktion, das Böse abzuwehren | Foto (C) Liane Kampeter


Man kann in das Paradies auf Erden eintauchen, dort sein, wo einen die Delfine begrüßen. Dann ist es vielleicht ein Resort im Norden von Bali, wo man gar nichts tun muss, das beste Essen wird einem gereicht, WLAN den ganzen Tag. Und wenn einen die Wellen unangenehm im Schlaf überrollen, kann man auch in die Berge umsiedeln, natürlich mit Salzwasser-Pool. Verbotene Früchte gibt es nicht, auch keine gefährlichen Tiere. Der letzte Tiger wurde 1940 gesichtet.

Zudem hat diese Insel, im Indischen Ozean gelegen, ein tropisch warmes Durchschnittsklima. Auch bekannt als „Insel der tausend Tempel“ sind dort Götter allgegenwärtig. Das schafft eine gewisse Selbstkontrolle, auch durch Rituale wie die blutigen Hahnenkämpfe, Schamanismus, Ahnenkult, Wahrsager und Heiler. Der Grundgedanke ist die Wiederherstellung der gestörten Harmonie innerhalb der universalen Polarität. Religionen ergänzen sich, man ist selbst bereit, sich dann und wann demütig zurück zu stellen.

Und trotzdem gibt es immer wieder Gewalt auf der Insel: die Holländer haben die Insel lange besetzt und ein Opium-Monopol bis 1942 aufrecht erhalten. Attentate u.a. in Kuta. Und wenn eine Familie nur Mädchen bekommt, die man teuer verheiraten muss, wird so lange weitergemacht, bis ein Junge Platzhalter ist.

Dazu kommen jährlich 4 Millionen Besucher. Klar, der Tourismus ist der wichtigste Devisenbringer, diese warme Insel mit ihren Reisfeldern, Urwäldern und Palmen am Strand ist der Inbegriff von Luxus-Urlaub. Doch Rucksacktouristen prägen mehr und mehr das Bild. In der ehemaligen Kulturhauptstadt Ubud kauft man inzwischen Standard-Schmuck, Taschen designed in Italien und gefertigt in Vietnam.

Andererseits - und hier gibt es ständig dieses Andererseits…



Sonnenaufgang in Bali | Foto (C) Liane Kampeter


Kokosnüsse werden geerntet, bevor sie einem auf den Kopf fallen. Alle sind freundlich, die Koffer werden noch zum entferntesten Bambushaus getragen, der in Indien ausgebildete Yogalehrer gibt Rat. Die Sonne geht für mich jeden Morgen rotglühend auf.

Ich bin allein am Strand. Es herrscht eine harmonische Atmosphäre zwischen mir und dem Kosmos. Und angesichts der lieblichen und üppigen Natur kann man sich nur gehen lassen. Im Haus stehen ständig frische Blumen-Arrangements.

Balinesen sind sehr im Herzen und ausgesprochen freundlich, sie streiten nicht in der Öffentlichkeit. Wenn jemand schlechte Laune hat, wird er so gelassen; wenn ihnen Aggression entgegengebracht wird, bleiben sie bestimmt. All ihre Rituale sind auch dazu da, das Gemeinwohl zu schützen. Opfergaben liebevoll arrangiert, werden täglich den Göttern gereicht, obwohl es oft die mageren Straßenhunde sind, die das bisschen Reis wegklauben.

Und es sind die Menschen, die uns mit ihren unterschiedlichen Religionen Toleranz zeigen. Sie selbst waren Immigranten, kamen aus China, aus Indien, selbst aus Persien und Arabien. Und wenn die Politik versucht, eine Staatsreligion durchzusetzen, die Balinesen wehren sich. Sie wissen, dass sie dann manipuliert werden, eine einzige Art von Moral kann mehr Kontrolle und Druck ausüben. Die Menschen halten ihre Tradition, ihre lebendige Kultur aufrecht, gegenseitige Akzeptanz und Anerkennung sind wichtig.

Es ist eine Mixtur aus Animismus, Buddhismus und Hinduismus, auch Islam und Christentum sind vertreten. Bali ist die letzte hinduistische Enklave in dem vom Islam beherrschten indonesischen Archipel. 1941 bis 1945 wurde Bali durch japanische Truppen besetzt. Immer war man dabei, seine soziale und kulturelle Identität zu bewahren. Ein stetiger Kampf um Unabhängigkeit. So können Balinesen auch misstrauisch sein. Man sieht, wie wichtig dann Kunst und Religiosität sind, um das Gleichgewicht zu wahren, auch der Sinn für Schönheit, Riten und Feste, in denen Flüche oder Schwarze Magie aufgehoben werden.

Liebe ist für sie das zentrale Ziel aller Weltreligionen. Alle Lebewesen und auch Pflanzen sind beseelt. Man schätzte von jeher den fruchtbaren Boden, auf dem Reis und Orangen wuchsen. Da sind wir gleich im Genussmodus, denn das Essen besteht aus vielen Köstlichkeiten. Alle Sinne öffnen sich, und der westliche Stress geht gegen Null. Essen ist Andacht und Gebet, deshalb auch die Opfergaben. Es werden neben frischem Obst und Gemüse, Reis, Schweinefleisch, Huhn und Fisch gereicht.



Immer lecker | Foto (C) Liane Kampeter


Und wer zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht? Andere Menschen.

Bitte jetzt ganz kitschig werden. B steht für Baden, A für Atmen, L für Liebe, I für Ingwer. Der Himmel ist weit, die Sterne klar, Bali ist das Licht des Lebens und des Glücks.

Es muss auch keine Langeweile aufkommen. Entlang der Mondphasen kann man Festivals besuchen sowie die vielen alten Tempel, die sich in jedem Dorf befinden. Tanz mit heiligen Masken oder auch Vorführungen mit Puppen werden regelmäßig aufgeführt. Im Kecak Dance macht die menschliche Stimme die Musik, zunächst aggressiv und irgendwann ein albernes Lachen. Wir beobachten Schüler bei der Probe, die sich über Stunden hinzieht. Da wird auch schon mal aufs Smartphone geschaut. Bei der endgültigen Aufführung ist es dann auch Sitte, Alkohol zu trinken.

Gamelan-Musik wiederum entführt in eine Welt der Trance, alte Männer tanzen im Feuer. Für uns ist das alles immer noch exotisch. Doch nicht alle Rituale sind fürs Publikum bestimmt.

Das Land bietet aber Trecking-Touren, Vulkanbesteigungen, Tauch- und Delfin-Exkursionen. Yoga, Spa- und Beauty-Sessions sowie Massagen, und auch gesundes Essen mit vielen Früchten gibt eine neue Balance. Oder der Ballermann von Kuta - er bietet den sozialen Rausch für Touristen mit Sex und Alkohol. Es gibt eben beides.

So kann es auch passieren, dass an der Grundstücksgrenze vom Paradies morgens um 5 Uhr ein Schwein geschlachtet wird. Messerstiche töten das Muttertier, das Ferkel wird von den Hunden gejagt. Schweinefleisch ist sogar ein Exportprodukt, und ich sehe sie eng in Draht gewickelt auf einem Laster dahin darben.

In meinem Resort gab es wie selbstverständlich vegetarisches Essen.

Ich vergaß die Welt dort draußen.



Badehäuschen | Foto (C) Liane Kampeter


Auch später, als es wieder zum Flughafen geht, bin ich erstaunt, wie viele moderne Autos sich durch den Stau arbeiten. Wie bereits gesagt, Bali hat unterschiedliche Seiten.

Interessant ist: Land darf nicht an Ausländer verkauft werden, andernfalls geht es an die Gemeinde.

Man hat auch immer wieder erleben müssen, wie Vulkanausbrüche ganze Gebiete abschneiden, der letzte Ausbruch war 1963 und forderte 2.000 Menschenleben. Der Große Berg (Gunung Agung 3031 Meter) aber ist heilig und Sitz der Götter. Fragt man die Leute, wird er es ewig bleiben. Vor dreißig Jahren habe ich ihn bestiegen, die Dämonen besänftigt und so Himmel und Erde verbunden - - eine bleibende Erinnerung.


Liane Kampeter - 17. September 2017
ID 10255
Weitere Infos siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Bali


Post an Liane Kampeter

http://www.liane-kampeter.de

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