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Etymologie

Mammon steht abschätzig für

Geld und ungerechten

Reichtum

Wie das aramäische Wort ab dem 16. Jahrhundert ins Deutsche gelangte

Schon in der Mischna, im Talmud und im Neuen Testament wird das Wort Mammon abschätzig für Geld und ungerechten Reichtum verwendet. Es ist aus dem Aramäischen hergeleitet – von »mamona« (»Vermögen, Besitz«), nach anderer Quelle von »aman« (= »das, worauf man vertraut«). Aus der griechischen Form »mamonas« wurde daraus in der lateinischen Vulgata »mam(m)ona«. Martin Luther ließ das Wort in seiner Bibelfassung (in Mt 6,24; Lk 16,9; 11 und 13) unübersetzt, wodurch es ab dem 16. Jahrhundert ins Deutsche gelangte.

Wulfila

Schon in Bischof Wulfilas (311–383) frühester Übertragung des Neuen Testaments in eine germanische Sprache heißt es im Gotischen: »Ni manna mag twaim fraujam skalkinon; ni maguth guda skalkinon jah mammonin« (Kein Mensch kann zwei Herren dienen; Du kannst nicht Gott dienen und dem Mammon).

Auch im Jiddischen steht »momon/momen« für »Vermögen« bzw. »Geld«, z.B. im Satz »So sol man ir nit geben das momon zu iren henten ales zum einen«. Erich Bischoffs Wörterbuch der wichtigsten Geheim- und Berufssprachen (1916) führt »mômen-dômen« (= Gut und Blut) auf – rabbinisches »dâ-min« steht für »Blut«. Im Rotwelschen ist »Momon« (für »Reichtum, großer Gelddiebstahl«) belegt, seit 1726 auch »Mumme« (für »Geld«): »Mum malochen« hieß »falschmünzen« (eigentlich: »Geld machen«), der »Mummenpflanzer« war der Falschmünzer.

Geld wurde – so S. A. Wolf im Wörterbuch des Rotwelschen (1993) – gern mit menschlichem Kot verglichen: »Der Mummplatz bezeichnet in der Landsknechtssprache die Stelle des Lagers, an der sich die Aborte, Latrinen befanden.« Im Kriegsbuch (1578) des Militärschriftstellers Leonhard Fronsperger findet sich »ein mum-, oder mit gunst zu melden, ein scheiszplatz«, und der frühneuhoch-deutsche Schriftsteller Johann Baptist Fischart konstatiert in Aller Praktik Großmutter (1572): »Wer das gelt veracht vmb des boesen seckels willen, den solt man mit Mum fuellen.«

Mutig spekuliert Wolf, auch die berlinischen Redensarten "er hat keen‘ Mumm und da is keen Mumm drin" sowie das bewundernde "der hat Mumm in de Knochen" seien »aus rotwelschem Mumm im übertragenen Sinne des geistigen und körperlichen Vermögens, Könnens besser erklärt als durch lateinisches animum = ›Mut‹.«


Klischee

Dass vornehmlich Juden dem Mammon verpflichtet seien, ist ein stereotypes Vorurteilsklischee. 1907 erschien die 26. Auflage des so genannten Antisemiten-Katechismus unter dem Titel Handbuch der Judenfrage. Bis 1944 erreichte diese Hetzschrift des Leipziger Publizisten Theodor Fritsch, die für Hitler Pflichtlektüre war, 49 Auflagen mit 330.000 Exemplaren. Darin steht: »Der Jude schied aus dem Wirtschaftsgetriebe alle ethischen Momente aus, er entfachte den wilden Erwerbs-wahn, erzeugte Unstetigkeit, machte die Jagd nach dem Mammon zum beherrschenden Element der Wirtschaft.«

Und heutzutage? Am 10. Mai 2000 – schrieb der Rechtsextremist Horst Mahler in einem offenen Brief an Michel Friedmann: »Der Sieg der Deutschen über Jahwe wird zugleich die Götzendämmerung des Mammon, des weltlichen Gottes der Juden, sein.«


Höllenfürst

Mammon heißt auch jener Dämon, der Menschen zu materieller Sinnlichkeit anstachelt. In Georg Rudolf Widmanns Faustbuch von 1599 verwandelt »der Höllenfürst Mammon« die Menschen in Ausbeuter. Auch aus Hofmannsthals allegorischem Theaterstück Jedermann (1911) kennen wir Mammon als Personifikation des Reichtums.

Dass mancher dem Mammon nachweint, betont Heinrich Heines Burleskes Sonett (in: Nachgelesene Gedichte, 1812–1827): »Doch ach! mir Armen lächelt Mammon nie:/Denn leider, leider! trieb ich dich alleine,/Brotloseste der Künste, Poesie!/Und ach! wenn andre sich mit vollen Humpen/Zum Gotte trinken in Champagnerweine, / Dann muss ich dürsten, oder ich muss – pumpen.«




Anbetung des Mammon (Gemälde von Evelyn De Morgan) | Bildquelle: Wikipedia

Christoph Gutknecht - 10. November 2018
ID 11032


Post an Prof. Dr. Christoph Gutknecht

https://www.slm.uni-hamburg.de/iaa/personen/ehemalige-emeriti/gutknecht-christoph.html

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