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Rezension


„Die Höhle der vergessenen Träume- 3D“ (Frankreich u. a. 2011)

Regie: Werner Herzog

Starttermin: 3. November 2011

Da machen Höhlenforscher im Jahr 1994 eine der sensationellsten Entdeckungen der Menschheitsgeschichte und kaum einer darf sich das im Original ansehen: Die Höhlen von Chauvet im Süden Frankreichs. Es sind drei Hobby-Forscher, darunter der Franzose Jean-Marie Chauvet, die auf einer ihrer Suchaktionen einen Luftzug spüren und eine gut 8.000 Quadratmeter große Höhle mit vier weiteren Sälen entdecken. Dort befinden sich rund 400 Wandgemälde, die um die 35.000 Jahre alt sind und ein ganzes Panoptikum von Tieren aus der Eiszeit darstellen: Höhlenlöwen, Mammuts, Panther, Uhus, Wollnashörner und Hyänen. Spätere Untersuchungen ergeben, dass ein Felssturz vor rund 22.000 Jahren die Höhle versiegelt hat, die bis 1994 deshalb unberührt blieb. Sie enthält u. a. den ältesten datierbaren menschlichen Fußabdruck, der 26.000 Jahre alt ist. Hinzu kommen viele Schädel und Knochenreste, überwiegend von Höhlenbären.

Die prähistorischen Malereien sind die ältesten, die bislang entdeckt wurden, und zeugen von voll ausgeprägten künstlerischen Fähigkeiten der Menschen, die sie geschaffen haben, deshalb erhielt die Höhle den Beinamen „Sixtinische Kapelle der Steinzeit“. Sie war am wahrscheinlichsten eine Kultstätte, da sie für Wohnzwecke nicht genutzt wurde. Für Jean Clottes, den ehemaligen Leiter des Chauvet-Höhlenprojekts, stammen die Kunstwerke von Schamanen, die diese Malereien in einem Trance-Zustand anfertigten, da sie so starke spirituelle Ausdruckskraft besitzen. Die Bilder sind teilweise versetzt gemalt, so dass auch der Eindruck von Bewegung entsteht, was durch geschickte Nutzung der unregelmäßigen Wandflächen noch verstärkt wurde.

“Die Pferde von Chauvet“ © Ascot Elite Filmverleih
Als Regisseur Werner Herzog die exklusive Dreherlaubnis für eine Dokumentation ergatterte, war es deshalb klar, dass er in 3D drehen musste, um das räumliche Erleben einzufangen. Die Auflagen waren streng aufgrund der Erfahrungen, die man in den Höhlen von Lascaut gemacht hatte. Dort hatte man zunächst Besucher zugelassen, was dazu führte, dass die Lascaut-Höhle nun von Schimmel befallen ist. Wie die von Lascaut, soll aber die Chauvet-Höhle detailgetreu nachgebaut und für Besucher zugänglich gemacht werden. Die Chauvet-Höhle selbst wird nur gelegentlich zu wissenschaftlichen Zwecken und für kurze Zeiträume geöffnet. So musste sich Herzogs Drehteam auch sputen. Hinzu kam, dass sie die eingebauten Stege nicht verlassen durften und so die Crew relativ häufig im Bild zu sehen ist. Herzog selbst, vielleicht um aus der Not eine Tugend zu machen, führt durch die Höhle und fungiert als Sprecher und Moderator von Interviews mit etlichen Experten.

Für Herzog war die Maltechnik besonders interessant: “Es ist schon auffällig, dass man Versuche machte, Bewegung darzustellen. Ein galoppierender Bison wird mit acht Beinen dargestellt. Ein Wollnashorn wird in acht hintereinander verschobenen Einzelphasen gemalt, so ähnlich wie beim Animationsfilm. Mit gewisser Vorsicht kann man also einen Bezug zum Kino herstellen. Es wirkt wie eine Art Proto-Kino, eine Vorstufe zum Kino“.

Insgesamt ist es sehr spannend – fast mit eigenen Augen – zu sehen, wie hoch entwickelt die Menschen vor 35.000 Jahren gewesen sind. Dies ist bislang auch der sinnvollste Einsatz von 3D, weil nur so ein plastischer Eindruck des Raumes wiedergegeben werden kann. Herzog deutet die Bilder so: „Sie tauchen hier in die festgefrorenen Träume einer tiefen Vergangenheit ein, die wir nicht voll begreifen können. Alle Versuche, sie zu deuten, werden immer scheitern. Aber wir wissen gleichzeitig, dass dies auch wir sind. Wir sehen hier eine Möglichkeit des Menschseins, die wir in uns tragen.“


Helga Fitzner - 6. November 2011
ID 5468

Weitere Infos siehe auch:





 

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