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Soziokultur


Der „Club der polnischen Versager“ als TV-Studio



Christian Stahl - Foto (C) Jamal Tuschick


Konservierte Akutzustände

Die Einladung richtet sich zumal an Kundinnen: „Liebe Kundinnen, am kommenden Sonntag, den 6.10. um 20.00 Uhr widmet sich der TV-Berlin-Blog 'B Mix Berlin' im 'Club der Polnischen Versager', Ackerstrasse 169, dem Thema: Berliner Erzählkultur im Spiegel übergreifender Epochen. Vor Euren Augen talken: Julia Boek vom Magazin für Alltagskultur DER WEDDING, Jörg Braunsdorff, Buchhändler der TUCHOLSKY-Buchhandlung, und Jens Johler, Herausgeber und Initiator der berüchtigten, quasi historischen SCHWARZEN PROTOKOLLE! Für die musikalische Schwingungserhöhung sorgt CLARK NOVA ... . Moderator der Show ist wie immer der charmante Wortakrobat Christian Stahl!“

Ich fühle mich angesprochen, noch bin ich nicht alt genug für den Tatort am Sonntagabend mit seinen konservierten Akutzuständen. Ich komme aus der Brasilianischen Botschaft in die Ackerstraße, im panischen Jetzt strahlt „Der Club der polnischen Versager“. Christian Stahl spricht in überwältigender Helligkeit von „aparter Unterschiedlichkeit“. Vielleicht beschreibt das seine Gäste. Sie sitzen am Küchentisch. Stilsicherheit zählt zu den Club-Merkmalen. Stahl weiter: „Der Jörg ist unser Experte für alles, avantgardistisch, reich und sexy ... im digitalen Wandel.“

Das ist ein Zusammenschnitt wie im Radio, wenn nur dreißig Sekunden zur Verfügung stehen für einen Beitrag von drei Minuten dreißig. Der erklärte, „Links-Buchhändler“ Braunsdorff nimmt sich die Zeit, alter Zeiten zu gedenken, bevor er der Gegenwart zusetzt: Was ewig in jeder hessischen Kleinstadt gelang, nämlich stapelweise Gedichtbände zu verkaufen, Braunsdorff erinnert an Erich Fried, haut heute in Berlin nicht mehr hin. Warum auch immer, Lyrik führt zum Elend.

Braunsdorff ist so ein letzter, an seinen ökonomischen Erkenntnissen vorbei spekulierender Mohikaner. Ich finde das sympathisch, diese aufgeräumt-hemdsärmelige Ratlosigkeit. „Wo ist die Substanz in der Gesellschaft?“ fragt er.

Ich zitiere aus einer anderen Einladung: „Verblüffende Fragmente des Dazwischen über den in Ordnungssystemen sich verkeilenden Menschen – mit seiner gleichzeitigen Sehnsucht, nicht festgelegt zu sein.“

Verblüffende Fragmente des Dazwischen: das passt in Berlin. Da werfen sich solche Fragen auf: Wo soll man rauchen, wenn das Wetter schlechter wird?

Julia Boek verkündet: „Bei uns wird jeder bezahlt.“ Für schriftliche Beiträge zur Alltagskultur, „die nicht in die Informationsökonomie passen“. Die aktuelle Ausgabe des Periodikums beschäftigt sich mit Geld. Aus der Perspektive von Pfandleihern zum Beispiel.

Kult hat „Der Wedding“ als Status. Entfernte Facebook-Freunde bejubeln sein Erscheinen. So selten es auch ist.

Eine Akzeptanz, die über Zirkel hinausgeht, wie schön. Jens Johler erzählt von kurz nach Achtundsechzig, als die antiautoritäre Bewegung „zu einer Bewegung von lauter Parteiansätzen mit dem Anspruch auf Deutungshoheit verkam“. „Elitär und dogmatisch“ erscheinen Johler die Streitgenossen in der Retrospektive. In jenen Jahren ging man noch mit getippten Vorlagen zum Drucker für „völlig bilderlose“ Ausgaben der Schwarzen Protokolle. – Verhaftet in „der Illusion, die Welt mit Worten verändern zu können“.

Johler sitzt so da, als hätten seine Irrtümer noch gesellschaftliche Virulenz. Immer wieder unterbricht Clark Nova das Gespräch mit Gesang. Ich würde ihn jederzeit als den Johnny Cash von Kreuzberg bezeichnen, bin aber nicht sicher, ob das nicht schon ein Allgemeinplatz unter Besserinformierten ist.



Clark Nova sang und spielte Lieder - Foto (C) Jamal Tuschick


Jamal Tuschick - 7. Oktober 2013 (3)
ID 7232

Weitere Infos siehe auch: http://www.polnischeversager.de/


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