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Konzertkritik

Hallelujah

im Stehen



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Noch ehe der erste Ton jenes Chorstücks erklingt, das zu den beliebtesten der Musikliteratur zählt, übertroffen allenfalls von An die Freude in Beethovens Neunter, das "Hallelujah!" aus Georg Friedrich Händels Messiah, erheben sich die Zuhörer von ihren Sitzen in der Symphony Hall. Woher dieser Brauch stammt, ist nicht mit letzter Gewissheit zu eruieren. Dem Vernehmen nach ist König Georg II. 1743 bei der Premiere während des "Hallelujah!", aus welchen Gründen auch immer, aufgestanden, und die Etikette verlangte, dass man stand, wenn der König stand, wie heute noch das Orchester oder der Angeklagte, wenn der Dirigent die Bühne oder der Richter den Gerichtssaal betritt. Offenkundig überwindet man im Vereinigten Königreich eher die symbolischen Überreste des Patriarchats als den Ausweis monarchistischer Gesinnung. Boris Johnson kann nur eifersüchtig sein auf den bei Hannover geborenen König, dessen Standfestigkeit man noch nach bald 300 Jahren die Treue hält. Unterschiedliche Kulturkreise haben eben ihre eigenen Rituale. Im deutschsprachigen Raum halten viele daran fest, dass nach dem ersten Akt des Parsifal oder nach Mozarts Requiem nicht applaudiert werden dürfe.

*


Der City of Birmingham Choir mit seinen rund 120 Sänger*innen, von denen die Tenöre und Bässe zusammen weniger als halb so viele wie die seitlich positionierten Frauen ausmachen, wird, begleitet vom kammermusikalisch besetzten City of Birmingham Symphony Orchestra, von seinem seit 20 Jahren aktiven Leiter Adrian Lucas dirigiert. Unter den Solisten Rebecca Hardwick (Sopran), Hugh Cutting (Countertenor), Tom Castle (Tenor) und Ashley Riches (Bassbariton), die allesamt begriffen haben, dass ein Oratorium eine andere Artikulation erfordert als die Oper, macht Cutting bewusst, wie sehr sich die Stimmlage des Coutertenors in den vergangenen Jahrzehnten durchgesetzt und perfektioniert hat. Es ist ja bloß rund ein halbes Jahrhundert her, seit Alfred Deller von England aus die Renaissance des Countertenors eröffnet hat. Heute kann man die einschlägigen Talente kaum noch aufzählen. Hugh Cutting ist eins davon.

König Georg II. hin oder her, Adrian Lucas reizt das Majestätische nicht aus, forciert, selbst im "Hallelujah!", nicht die Dynamik, die ihm die Größe des Chors ermöglichen würde. Stattdessen setzt er auf eine Mittellage, die der Melodik vor dem Effekt den Vorzug gibt und auch den Instrumentalstimmen zu voller Geltung verhilft. Für Deutsche ist der in Halle geborene Händel ein Deutscher. Für Briten ist er, der den größten Teil seines Leben in England verbracht hat, ein Engländer. Und der Messiah gehört für sie zu Weihnachten wie Crackers und in Birmingham kurioserweise „echte deutsche Bratwürste“.



Händels Messiah mit dem City of Birmingham Choir in der Symphony Hall im Dezember 2022 | Bildquelle: citychoir.org.uk

Thomas Rothschild – 10. Dezember 2022
ID 13960
Händels Messiah (Symphony Hall Birmingham, 09.12.2022)
Rebecca Hardwick, Sopran
Hugh Cutting, Countertenor
Thomas Castle, Tenor
Ashley Riches, Bass
Thomas Trotter, Cembalo
Christopher Allsop, Orgelpositiv
City of Birmingham Choir
City of Birmingham Symphony Orchestra
Dirigent: Adrian Lucas


Weitere Infos siehe auch: https://www.citychoir.org.uk/


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