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FESTIVAL DE LANVELLEC ET DU TRÉGOR 2022

Rosarote Küsten,

Legenden, eine

Orgel und so

viel mehr!



Foto: Christa Blenk

Bewertung:    



Mit der Bretagne verbinden wir Tristan und Isolde, Merlin und Arthurs Tafelrunde, und dort, im überwältigenden Norden der Bretagne, zwischen grauen und rosaroten Felsenküsten fand dieses Jahr zum 36. Mal das FESTIVAL DE LANVELLEC ET DU TRÉGOR statt. Wie es schon die letzten Jahre der Fall war, wurden die Konzerte an unterschiedlichen Orten an der Küste de Granit Rose, zwischen Sand, Felsen, Wald und Stürmen entlang an drei Wochenenden im Oktober ausgetragen. Das ist touristisch und künstlerisch betrachtet sehr bereichernd, hat aber zur Folge, dass man nach den Konzerten über kleine, und wie man fühlt, viel zu enge Landstraßen den Weg zu seinem Hotel finden muss und als einzige Lichtquelle nur die Sterne hat, wenn es nicht gerade bewölkt ist. Das mag auch der Grund sein, warum dieses wirklich hochkarätige Festival sehr lokal geblieben ist. Die Anreise ist immer lang, ganz egal für welches Transportmittel man sich entscheidet. Wir hatten uns für das letzte Festival-Wochenende entschieden und ein Zimmer in einem charmanten Maison d‘Hôte in Tréguier gebucht, denn dort sollte am Sonntag, den 23. Oktober, das Abschlusskonzert in der wuchtigen Kathedrale aus dem 12./13. Jahrhundert stattfinden. Der Weg von Lanvellec nach Tréguier beträgt 35 Kilometer und von Lannion bis Tréguier sind es 18 – tagsüber ist das eine traumhafte Fahrt.

Der niederländische Dirigent, Cembalist, Organist und Pionier der historischen Aufführungspraxis Gustav Leonhardt (1928-2012) war es, der die einmalige Robert Dallam-Orgel aus dem Jahre 1653 in Lanvellec [s. Foto oben] – deren Pate er später auch wurde - im ersten Festivaljahr gespielt hat und die folgenden Jahre immer wieder als Interpret an die Côte d’Armor kam. Vor 10 Jahren ist Leonhardt verstorben, und deshalb war das dritte Festival-Wochenende ein wenig auch ihm gewidmet und begann mit einem Vortrag über diesen begnadeten Musiker.

*

In seinem unkonventionellen Referat am Freitagnachmittag in der Mediathek von Lannion konnte und wollte Jean-Paul Combet seine Verehrung für Gustav Leonhardt nicht verbergen. Er erzählte über sein erstes Zusammentreffen mit dem Musiker in den 1980er Jahren, über Leonhardts Bedeutung für das Festival und die Dallam-Orgel und untermalte das mit historischen Aufnahmen und mit Ausschnitten aus dem Straub-Film Chronik der Anna Magdalen Bach, in dem Leonhardt in der Rolle von Johann Sebastian Bach zu sehen ist.

Die Zeit hat dann nach dem Vortrag gut gereicht, um noch bei Tageslicht an der bezaubernden Felsenküste entlang nach Lanvellec zu fahren, wo sich um 20.30 Uhr Benjamin Alard mit seinem Orgel-Rezital auf den Spuren von Gustav Leonard bewegte und unter anderem Werke von Bach, Froberger und Couperin spielte. Die Orgel des Engländers Dallam ist die einzige, an der jedes Teil noch im Original vorhanden ist. Robert Dallam kam 1642 auf der Flucht vor Cromwell von England in die Bretagne und baute mehrere Orgeln in Frankreich.

Das Konzert Muera Cupido am Samstagabend fand im Carré Magique in Lannion statt. Nuria Rial begeisterte mit dem Ensemble Academia de Piacere mit vor allem spanischer Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Klassik trifft Fandango und Flamenco und explodiert. Es wurden unter anderem Werke von den Komponisten Francisco Guerau (1649-1722), Sebastián Durón (1660-1716), von Giovanni Bononcini und von José de Nebra (1702-1768) gesungen und gespielt, manchmal auf der Basis von Zarzuela-Elementen. Die Interpreten wollten damit auch beweisen, wie sich die spanischen Komponisten in dieser Zeit mit dem italienischen Stil auseinander setzten und trotzdem ihre Persönlichkeit nicht verloren haben. Eines der aufgeführten Werke stammte ganz frisch aus der Feder des Leiters des Ensembles, Fahmi Alphai (*1976). Die CD Muera Cupido haben wir dann auf der Rückfahrt immer wieder gehört und fanden sie jedes Mal mitreißender und schöner.

Das Abschlusskonzert des 36. Festivals fand am Sonntagabend in der Kathedrale von Tréguier statt, ein mittelalterlicher und unglaublich schöner Ort, nur ein paar Kilometer entfernt von der grauen Granitküste und des Sillon de Talbert, eine 35 Meter breite Landzunge aus Sand und Stein, die drei Kilometer ins Meer hineinreicht und bei Ebbe begangen werden kann. Le Poéme Harmonique unter Leitung von Vincent Dumestre, der auch selber an der Theorbe saß, präsentierte in einer beeindruckenden Performance ihre CD Anamorfosi. Musik von Monteverdi, Cavalli oder Allegri führte die Zuhörer auf eine Gratwanderung zwischen paganer und religiöser Musik. Das Ensemble Le Poéme Harmonique befasst sich seit 1998 vor allem mit Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert.



Le Poéme Harmonique | Foto (C) Florian Legrand; Bildquelle: festival-lanvellec.fr


Das 37. Festival wird voraussichtlich wieder in den ersten drei Wochen im Oktober 2023 stattfinden. Wir werden es nicht verpassen!

Christa Blenk - 28. Oktober 2022
ID 13877
Weitere Infos siehe auch: https://www.festival-lanvellec.fr/


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