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nachDRUCK # 2

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Historischer Roman

Genialer

Chaot





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Mit Wein, Weib und Gesang, so könnte das sorglose Leben des Medizinstudenten Paracelsus in Basel eigentlich verlaufen, wäre er nicht so unruhig; aber kein Wissensdurst ohne Neugier und keine Innovation ohne eine gehörige Portion Wagemut.

Das treibt Paracelsus, eigentlich Theophrastus Bombast von Hohenheim, zu gewagten Operationen. Ein Kaiserschnitt, heute eine Selbstverständlichkeit, war in der Umbruchzeit zur Renaissance nicht nur ein medizinisches Wagnis, sondern auch ein religiöses. Jeder Eingriff in den menschlichen Körper galt im späten Mittelalter als Tabu und als Gotteslästerung. Wem also ein solcher Eingriff missglückte, den verfolgten nicht nur die Angehörigen des Patienten, sondern auch die Strafe des Klerus. Hexerei wurde zu Beginn der Neuzeit mit Folter und Tod bestraft. Allein der Verdacht der Satansanbetung konnte das Leben kosten, denn unter der Folter gestand auch der Frömmste einen Dämonendienst.

Immerhin gelingt es Paracelsus und seinem Freund Caspar von der katholischen Kirche eine Sondergenehmigung zum Sezieren von Leichen zu erhalten. Der Blick in den menschlichen Körper erklärt Paracelsus viele Zusammenhänge, doch ein Rätsel bleibt für ihn und letztlich auch für uns bis heute bestehen. Paracelsus möchte die menschliche Seele finden, er will wissen, was beim Sterben aus dem Menschen flieht und wie dieses geartet sein könnte. Als er buchstäblich nichts findet, greift er zum Mystizismus und nimmt Kontakt zu einem Hexer und dem Dämon Azaroth auf.


"Theo lauschte: Geflüster aus allen Ecken. Hilflos sah er um sich. Wilde Hunde tanzten in den Flammen. Und paarten sich in der Luft. Paracelsus sah Mira nackt um das Feuer tanzen. Flammen züngelten um ihre festen Schenkel und ihre perfekten Brüste. Er wollte sie packen. Sie an sich ziehen. Er wollte ihr Becken. Er griff nach ihr, doch da war sie verschwunden.
Die Hunde heulten. Das Geflüster wurde lauter. Simon lachte Tränen. Sein Gesicht war glühend rot. Das Amulett begann zu singen, in einhundert fremden Sprachen. Kindskopfgroße Krähen flogen durch die Luft. Margret küsste Theo zärtlich. Ihre vollen Lippen. Warm und feucht. Theo strahlte. Die Zeit verlor ihre Bedeutung. Der Raum löste sich auf. Im Nichts. In ihm. Er selbst löste sich auf. War nicht Paracelsus und nicht Theo. Er war gar nichts mehr. Das war die Göttin der Wahrheit."
(S. 271)



Solche Versuche, hier mit Tollkirschen provoziert, gefährden nicht nur Paracelsus, sondern auch seine Freunde, denn der neue Bischof von Basel von Gundelsheim kennt keine Gnade gegenüber Ketzern, Gotteslästerern sowie ihrem Umfeld.

*

Eva-Isabel Schmid schildert überzeugend die Gesellschaft und die Macht der Kirche im 16. Jahrhundert. Es ist auch die Zeit von Luther, und der Begriff Protestant füllt sich mit Leben, wenn die gläubigen Baseler Bürger gegen ihren Despoten Bischof von Gundelsheim aufbegehren und dies zu blutigen Auseinandersetzungen führt.

In ihrem Buch Paracelsus - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele lernen wir Paracelsus als liebenswerten wie auch fanatischen Chaoten kennen, der mit seinen gewagten Experimenten nicht nur medizinisches Wissen erlangt, sondern auch esoterische Wege einschlägt. Ob indes Paracelsus wirklich der Charakter gewesen ist, wie wir ihn im Roman treffen, lässt sich für mich als Leserin nicht klären. Überhaupt, so scheint es, ist über den jungen Paracelsus wenig bekannt, da er zu dieser Zeit noch keine eigenen Schriften publizierte. Sein Leben als promovierter Arzt startete erst später; und weil es auch darüber viel zu berichten gibt, erwartet uns im Jahr 2021 die Fortsetzung des Romans.


Ellen Norten - 9. Januar 2021
ID 12682
Piper-Link zu Paracelsus von Eva-Isabel Schmid


Post an Dr. Ellen Norten

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