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Sachbuch

Essen in

Österreich





Bewertung:    



Der Gault & Millau Österreich ist dicker geworden, zeigt aber nur 800 Restaurants an gegenüber 852 und gibt nur 320 Tipps und Empfehlungen gegenüber 500 im Vorjahr. Nach wie vor hat der Führer den eklatanten Mangel, dass er nicht zur Kenntnis nimmt, dass in Österreich die ganz normalen Wirtshäuser, anders als in Deutschland oder sogar in Frankreich, oft besser sind als die renommierten Restaurants. Preiswerter sind sie allemal, und die österreichische, insbesondere die Wiener Küche braucht sich vor Expeditionen in internationale Gefilde, zurzeit vor allem in die asiatische Küche, nicht zu verstecken.

Auch diesmal hat sich im Spitzenbereich – nach den Kriterien des Gault & Millau – kaum etwas bewegt. Damit es aber so aussieht, als ob, bekamen jene Restaurants, die 2019 noch mit vier Hauben bewertet wurden, fünf Hauben – es sind exakt die selben fünf –, und die Träger von einstmals drei Hauben vier. Sieht nach verbesserten Leistungen aus, verschiebt aber bloß die Skala. An den Relationen hat es nichts geändert. Neu hinzugekommen sind rund drei Dutzend Haubenlokale mit 13-16 (von 20 möglichen) Punkten.

Koch des Jahres ist Hubert Wallner vom See Restaurant Saag in Techelsberg am Kärntner Wörthersee. Diverse weitere Auszeichnungen sind von eher skurrilem Interesse.

Ein paar Stichproben: Der Goldene Hirschen in Bregenz, in dem es den besten Rindfleischtopf westlich von Plachutta gibt – man nenne ein einziges Lokal in Deutschland, das damit konkurrieren kann – ist dem Gault Millau keine Erwähnung wert. Den Weiher Wirt in Salzburg haben die Tester auch diesmal ignoriert. Warum Huber‘s im Fischerwirt wieder hinter den Platzhirsch Brunnauer zurückgefallen ist, bleibt ein wohlgehütetes Geheimnis. Sage keiner, das spiele keine Rolle. Für die Besucher der Salzburger Festspiele mit dem Gault Millau unterm Arm kann die Differenz eines halben Punktes entscheidend sein.

Auch das kleine aber feine Fischrestaurant Blue Marlin in Hietzing, vor dem Eingang zum Park des Schlosses Schönbrunn, hat der Guide noch nicht entdeckt. Es besteht immerhin schon seit einem halben Jahr. Apropos Wirtshaus: das Gasthaus Wolf und Herzog‘s Wirtshaus in Wien werden zu Recht besprochen. Warum aber der Wolf zwei Hauben und Herzog nur eine erhalten hat, wird sich kaum objektivieren lassen. Die beiden Gasthäuser von Reinthaler sucht man vergeblich, und so bleibt es dem unbedarften Touristen verborgen, dass man sogar in der Wiener Innenstadt günstig und in bester regionaler Tradition essen kann. Will man die benachbarte Nobeladresse Sacher (2 Hauben) nicht blamieren? Zu Recht benotet der Fressführer die Meierei im Stadtpark im Souterrain des höchstbewerteten Steirereck und unter gleicher Leitung mit drei Hauben. Was er verschweigt: das Preisniveau der beiden Lokale von Heinz Reitbauer unterscheidet sich ungefähr so wie die Eintrittspreise zur Wiener Oper von jenen des Theaters in der Drachengasse.

Zu den Empfehlungen für Hotels, Almhütten und Südtirol neu hinzugekommen sind Listen der angeblich besten Golfclubs mit Restaurants – hier verbirgt sich auch, ohne Benotung, das vorzügliche Golfrestaurant am Mondsee – sowie der „besten“ Bars und Kaffeehäuser. Vergeblich sucht man solche ehrwürdigen Institutionen wie die Cafés Bräunerhof, Goldegg oder Hummel in Wien, Frauenschuh in Mondsee, Zauner in Bad Ischl oder Bazar in Salzburg. Dass manche eher als Konditoreien wahrgenommen werden, kann der Grund nicht sein. Die Gerstner K.u.K. Hofzuckerbäckerei wurde aufgenommen, die Kurkonditorei Oberlaa jedoch ebenso wenig wie Aida oder Heiner. Sollte es geheime Bedingungen geben für die Aufnahme in den Führer? Der Verdacht verstärkt sich bei der Sichtung der Hotelempfehlungen. In Innsbruck wird ein einziges Hotel genannt. Es ist das einzige Innsbrucker Hotel, das eine Anzeige im Gault & Millau platziert hat.

Der wie stets beigegebene Wein-, Schnaps-, Honig- und Speckführer hat ebenso wie der Restaurantführer wenig Überraschungen auf Lager. Die bestbenoteten Weine kommen – Surprise! Surprise! – von Knoll, Bründlmayer, Tement, Gross, Triebaumer, Weninger, Tschida und Kracher. Nicht ein Name dabei, der nicht schon seit vielen Jahren auf den Getränkekarten der teuersten Restaurants zu finden wäre.


Thomas Rothschild – 26. November 2019
ID 11846
Link zum Gault & Milau Österreich 2020


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