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Werkbetrachtung

Au Moulin Rouge von

Henri de Toulouse-Lautrec



Der Weg zu seinem Atelier auf dem Montmartre führte den kleinwüchsigen Künstler aus einer südfranzösischen Adelsfamilie, Henry Toulouse-Lautrec (1864-1901), immer an einer roten Mühle - die nicht wegen ihrer Mehlproduktion bekannt war - vorbei. In der Gesellschaft von Künstlern, Kurtisanen, Tänzerinnen und Vergnügungssüchtigen überhaupt saß der Maler nächtelang an einem runden Marmortisch auf der Balustrade, seinem Stammplatz im bekanntesten Etablissement, dem Varieté "Au Moulin Rouge" und beobachtete, schräg und leicht von oben, das turbulente Treiben, das da vor seinen Augen passierte. Aber auch die Bourgeoisie liebte die prickelnde Atmosphäre in den verruchten Bars im Quartier Pigalle um den Boulevard de Clichy. Das Plakat mit der roten Mühle machte den französischen Post-Impressionisten Toulouse-Lautrec bekannt. 1893 verewigte er prominent Stammgäste des Lokals in dem großformatigen Schnappschuss-Bild Au Moulin-Rouge.



Au Moulin Rouge von Henri de Toulouse-Lautrec | Bildquelle: Wikipedia


Die scharf abgeschnittene Frau rechts im Bild hat rötlich-blonde Haare, stark geschminkte Lippen und blickt unverblümt auf den Betrachter. Die schwarze, florale Dekoration auf ihrem Kopf und das schwarze Kleid verleihen dem von unten beleuchteten weiß-geschminkten Gesicht etwas Gruseliges. Bei ihr handelt es sich wahrscheinlich um die englische Tänzerin May Milton. Irgendwie scheint sie gar nicht in dieses Bild zu gehören, und in der Tat hat der Künstler sie erst später hinzu gefügt. Die Holzbalustrade, hinter der Toulouse-Lautrec sitzt, aber nicht zu sehen ist, führt direkt an den linken Bildrand. Toulouse-Lautrec hat sich indessen im Hintergrund ins Bild gebracht. Er ist der kleine Mann mit Hut, der in Begleitung seines leicht nach vorne geneigten Vetters Gabriel das Bild nach links verlässt und sich somit von der stehenden Frau mit dem spektakulären Rückendekolleté weg bewegt. Die temperamentvolle und zügellose Tänzerin La Goulue ("die Gefräßige") alias Louise Weber richtet sich gerade ihre aufgetürmten roten Haare, bevor sie die Quadrille naturaliste, eine Art wild gewordenen Can-Can, tanzen wird. Angeblich soll sie den Gästen immer die Gläser ausgetrunken haben. Eine Zeit lang war La Goulue der absolute Star im Moulin Rouge, und sie war auch das Modell auf Toulouse-Lautrecs erstem Werbeplakat. Neben ihr steht eine andere Tänzerin im schwarzen Kleid mit einem aufwendigen Kopfschmuck. Die große Spiegelglaswand im Hintergrund gibt flackernd die Szene in Degas-Manier wider. Die hellbraune Balustrade und der Holzplankenboden grenzen den Tisch links ein. An ihm sitzen drei Männer und zwei Frauen. Auf der weißen Tischdecke stehen zwei Flaschen. Bei den Männern handelt es sich um den Fotografen Paul Sescau, den bekannten Champagnervertreter Maurice Guibert und den Verleger und Musikkritiker Edouard Dujardin, der aufgrund seines Monokels und dem seltsam gewellten Bart identifiziert werden kann. Die Frau mit dem künstlerisch frisierten, roten Haarschopf von hinten und den pelzbesetzten Puffärmeln könnte Jane Avril, eine Tänzerin und Edelkurtisane und Freundin von Toulouse-Lautrec, sein. Die Frau gegenüber mit dem runden weißgeschminkten Gesicht und den schwarzen Haaren ist die spanische Tänzerin La Macarona. Auch sie hat der Künstler öfters gemalt. Wirklich zu amüsieren scheint sich aber hier niemand. Die Karaffe auf dem Tisch ist leer. Entweder ist diese Gruppe kurz vor dem Gehen, oder sie ist gerade gekommen, und der Kellner hat die leere Flasche der Vorgänger noch nicht abgeräumt. Sie haben weder ihre Mäntel ausgezogen noch die Hüte abgenommen, wirken in sich gekehrt und starren vor sich hin. Es ist eher eine Beerdigungsstimmung. Nur Dujardin scheint La Macarona etwas zuzuflüstern, was diese aber nicht zu beeindrucken scheint. Sie blickt leicht verächtlich ins Leere. Interessant sind die beiden Diagonalen im Bild, die bei May Milton beginnen. Eine geht über die schwarz gekleideten Männer bis hin zu Toulouse-Lautrecs Vetter, den treuen Begleiter auf seinen nächtlichen Streifzügen und das andere schwarze Schaf in der adeligen Familie. Die zweite verläuft weiter links über die Rothaarige, den Musikkritiker und dessen Reflexion im Spiegel. Die Hauptfarben im Bild sind Braun-Grün-Grau.
Christa Blenk - 8. Januar 2022
ID 13392
Henry Toulouse-Lautrecs Lebenswandel, sein Alkoholismus und sein Umgang mit Zuhältern, Prostituierten, Tänzerinnen und Künstlern missfiel seinem Vater entschieden. Er hätte seinen Sohn - trotz physischer Behinderung - sicher lieber auf die Jagd mitgenommen. Der Sohn fühlte sich aber in der eher anstößigen Montmartre-Gesellschaft weniger als behinderter Outsider. Auf die Jagd ging Toulouse-Lautrec auch, aber seine Ziele waren weder Hasen noch Rebhühner. Er pirschte das tanzende und sich amüsierende Paris und die rothaarigen Frauen der Belle Epoque an, die er am liebsten von hinten malte. Weichgezeichnet, wie Renoir das konnte, sind die Arbeiten von Toulouse-Lautrec nicht. Seine Welt ist unwirtlich, hart und erbarmungslos, abgestumpft.

Nach einem Delirium tremens lässt ihn seine Mutter 1899 in die Heilanstalt von Neuilly einweisen. Im Anschluss geht er kurz nach Paris zurück bis ihn seine Mutter 1901 im August nach Malromé holt, wo der Künstler 1901, drei Wochen später, nur 36jährig, verstirbt. Henry Toulouse-Lautrec wird mit seinen Plakaten und dem Einsatz der Farblithografie vor allem die Welt der Werbung beeinflussen.

Das Bild Au Moulin-Rouge entsteht 1892, ist mit 123 x 140,5 cm fast quadratisch und hängt im Art Institute of Chicago.


Wikipedia-Link zu Toulouse-Lautrecs Bild Au Moulin Rouge


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