Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 4

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Museum im Check

Barlachs

Arbeits-,

Wohn- und

Rückzugsort

zwischen 1910

und 1938





Am vergangenen Dienstag, als ich meine Museumstour nach Güstrow machte, wurde - was ich vorher nicht wusste - in einem nachmittäglichen Festakt das 800-jährige Bestehen des dortigen Doms begangen. Ich betrat den Kirchenraum, der voller geladener Gäste und zig Besucherinnen und Besucher war, und hätte lange suchen müssen, ob da noch ein freier Platz in den Kirchenbänken gewesen wäre - doch deswegen (also wegen des Festakts) war ich eigentlich nicht dort, sondern:

Ich wollte die Skulptur Der Schwebende von Ernst Barlach (1870-1938) sehen. Die hängt seit 1985 im östlichen Joch des Nordschiffs; zuvor hatte sie ab 1953 im westlichen Joch des Südschiffs gehangen. Dieser Engel aus Bronze zählt halt zu den bekanntesten Werken des in Wedel, unweit von Hamburg, geborenen norddeutschen Künstlers, und eine Barlach-Museumstour kann auf ihn nicht verzichten, obgleich er nicht zu den Beständen der ERNST BARLACH MUSEEN GÜSTROW zählt.


"1927 hat Barlach dieses Werk für den Dom geschaffen. Die Augen sind geschlossen; aber sie schauen; sie erleben eine Vision; sie blicken in einen Raum, der unserer Erfahrung nicht zugänglich ist. Mit ganzer Konzentration gibt er sich dieser Vision hin. Sein Mund ist geschlossen. Er könnte unendlich viel sagen von dem Leid, das Menschen niederzieht, verschlingt, von dem Elend des Krieges. Aber er schweigt, um ganz für das Geschaute da zu sein. Seine Hände sind nach innen gewandt. Wo wir auch beginnen, alles führt in die Innerlichkeit, in die Vision, die über ihn hinausweist. Seine Füße haben sich abgestoßen, eine Bewegung hat begonnen, deren Vollendung noch aussteht. Das Gesicht trägt die Züge der Käthe Kollwitz, mit der Barlach befreundet war. [...] Am 23. August 1937 wurde Der Schwebende als 'entartete Kunst' aus dem Dom entfernt und später eingeschmolzen. Freunde Barlachs haben 1939 mit großem Einsatz einen Zweitguß herstellen lassen, der in der Lüneburger Heide verborgen werden konnte. Dieser Schwebende hat seinen Platz in der Antoniterkirche in Köln gefunden. Das Werkmodell fiel einem Bombenangriff zum Opfer. So konnte vom Schwebenden in Köln eine neue Gußform hergestellt werden, die den Güstrower Schwebenden möglich machte. Seit dem 8.März 1953 schwebt der Engel wieder im Dom." (Quelle: dom-guestrow.de)



Der Schwebende von Ernst Barlach im Dom zu Güstrow | Foto: KE


Vom Güstrower Bahnhof aus ist die Gertrudenkapelle der erste Anlaufpunkt im Komplex der drei Häuser, die zu den ERNST BARLACH MUSEEN GÜSTROW gehören - seit 1953 ist sie...


"...das erste Museum in Deutschland, das der Kunst von Ernst Barlach gewidmet ist. Initiiert wurde es maßgeblich von der Bildhauerin Margarethe Böhmer, der Lebensgefährtin Barlachs, die damit sein künstlerisches Erbe bewahrte und zugänglich machte.

Die Kapelle selbst, ein Juwel der norddeutschen Backsteingotik, wurde von Ernst Barlach als idealer Ort für seine Kunst betrachtet. Im historischen Kapellenraum erwarten Sie prominente plastische Arbeiten wie
Der singende Mann (1928) sowie bedeutende Holzskulpturen, darunter Lesender Klosterschüler (1930).

Im Außenbereich erweitert eine eindrucksvolle Sammlung von Eisen- und Bronzeplastiken bedeutender Bildhauerinnen und Bildhauer der DDR die künstlerische Geschichte des Ortes."


(Quelle: barlach-museen.de)



Im Rahmen der 36. Landesweiten Kumnstschau M-V fand in der Getrudenkapelle aktuell die Sonderausstellung Hochstapeln statt - mit Exponaten, die sich "die Beobachtung, dass unsere Lebensräume durch Schichtung entstehen" zueigen machten.



Die Gertrudenkapelle der Ernst Barlach Museen Güstrow | Foto: KE


Zentraler Anlauf- und Höhepunkt meiner Museumstour sollte dann allerdings Barlachs Atelierhaus sein:


"Das von Adolf Kegebein entworfene Gebäude wurde zwischen 1930 und 1931 errichtet und diente Barlach bis zu seinem Tod am 24. Oktober 1938 als Rückzugsort für sein künstlerisches Schaffen. Heute zeugt das denkmalgeschützte Gebäude nicht nur von der künstlerischen Vision Ernst Barlachs, sondern lädt auch ein, in die Welt eines der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts einzutauchen.

Im Erdgeschoss erwartet Sie eine umfangreiche Dauerausstellung, die Leben und Werk des Künstlers in all seinen Facetten beleuchtet. Hier können Sie Barlachs künstlerischen Weg nachvollziehen: von den ersten Gipsmodellen bis hin zu den finalen Holzskulpturen und Bronzeplastiken, die seine Meisterschaft eindrucksvoll belegen. Ergänzt wird die Ausstellung durch persönliche Gegenstände, literarische Dokumente und seltene Tonaufnahmen, die einen tiefen Einblick in Barlachs Leben und künstlerisches Schaffen geben.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Atelierhaus von Ernst Barlach wurde 1997/1998 und 2003 das Ausstellungsforum mit Grafikkabinett errichtet. Es ist der erste Museumsneubau in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung und steht damit symbolisch für den Neuanfang in der Kunst- und Kulturlandschaft auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.

Mit dem Ausstellungsforum gewann die Ernst Barlach Stiftung den ersten Preis des Bundes Deutscher Architekten Mecklenburg-Vorpommern.

Hier erwarten Sie wechselnde Ausstellungen, die das Werk Ernst Barlachs in neuen Zusammenhängen präsentieren, Einblicke in die Klassische Moderne bieten und Brücken zur zeitgenössischen Kunst schlagen."


(Quelle: barlach-museen.de)



Zufuß benötigte ich zum Atelierhaus zirka eine Dreiviertelstunde; so lange braucht man, falls ohne große Unterbrechungen (Rast auf Bänken oder so) zügig "durchgewandert" würde, und zwar immer der Nase nach auf dem Barlachweg, der, sobald die Innenstadt hinter einem liegt, links neben dem Mühlenbach entlang führt und ein Naturtraum an sich ist - Barlach selbst soll ihn unzählige Male gegangen sein, weswegen er auch heute so heißt. Am von Wald, Wiese und Heidberg umsäumten Inselsee angelangt sind es nur noch paar Minuten bis zum Ziel...

Das erste, was man sich im Atelierhaus - noch bevor man die verschiedenen Barlach-Objekte in Augenschein nimmt - unbedingt anschauen sollte, ist der (in Endlosschleife gezeigte) Film Ernst Barlach – Mystiker der Moderne in der Regie von Bernd Boehm; die Stimme von Mario Adorfs zitiert in ihm Originalaussagen Barlachs; der Film dauert eine knappe halbe Stunde und vermittelt eine umfassende Zusammenfassung und Interpretation von Leben und Werk des Künstlers.



Das Atelierhaus der Ernst Barlach Museen Güstrow | Foto: KE


Andre Sokolowski - 4. Juni 2026
ID 15890
Öffnungszeiten
November bis März
Di - So | 11 - 16 h
Mo | geschlossen
April bis Oktober
Di - So | 10 - 17 h
Mo | geschlossen

Eintrittspreise
Atelierhaus
8 € | 6 € (erm.)
Gertrudenkapelle
5 € | 3 € (erm.)
Kombi-Ticket
11 € | 8 € (erm.)
Jahreskarte
20 €

Standorte
Atelierhaus | Ausstellunggsforum
Heidberg 15, 18273 Güstrow
Gertrudenkapelle
Gertrudenplatz 1, 18273 Güstrow


Weitere Infos siehe auch: https://barlach-museen.de


https://www.andre-sokolowski.de

Ausstellungen

Kulturspaziergänge

Museen



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



  Anzeigen:






KUNST Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

AUSSTELLUNGEN

BIENNALEN | KUNSTMESSEN

INTERVIEWS

KULTURSPAZIERGANG

MUSEEN IM CHECK

PORTRÄTS

WERKBETRACHTUNGEN
von Christa Blenk



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)