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Stiefkind des Monats - Juni 2003


Der stählerne Adler
(Iron Eagle) USA 1985
Regie: Sidney J. Furie
RCA/Columbia Video (VHS)
Columbia TriStar Home (DVD)

Eigentlich hätte der nun folgende Text bereits seit geraumer Zeit fertiggestellt sein sollen, und vor etwa einem Jahr wäre das alles in gewisser Hinsicht sogar noch visionär gewesen. Im Gegensatz zu den anderen überwiegend langzeitstudierenden oder wahlweise auch frühverrenteten Tagedieben in der Redaktionsbelegschaft pflege ich allerdings einem nicht nur unregelmäßigen Broterwerb nachzugehen und benötige ansonsten dringend meinen Schlaf, so dass die bisweilen stürmisch küssende Muse oftmals länger auf ihre Befriedigung warten muss, als mir persönlich lieb sein kann. Weil der westliche Imperialismus aber noch immer beinahe täglich in die entlegensten Landstriche einmarschiert, ist es für Besprechungen wie diese genaugenommen nie wirklich zu spät:

Ein mutmaßlich verdienter Held der US-Armee wird seitens diverser, mittels kommunistischer Waffentechnik ausgestatteter „Wüstenhunde“ eines namenlosen Beduinenstaates, dessen vornehmlich schnauzbärtige Einwohnerschaft sich zumindest in der synchronisierten Fassung eines konstant gebrochenen deutschen Tonfalles bedient, vom Himmel gefegt, nachdem er die dortige Territorialhoheit trotz wiederholter diesbezüglicher Warnungen geflissentlich ignorierte. Dafür droht ihm jetzt die öffentliche Exekution - und zwar völlig zu Recht, wie ich meine.

Trotz eines in Rückblende zaghaft angehauchten Generationenkonflikts, welcher das defizitäre Pflichtgefühl der Jugend sowie deren akustische Vorlieben zum Gegenstand hat, will sich sein Sprössling, der mit dem Rest der quengeligen Sippschaft auf einem Luftwaffenstützpunkt haust und eher im Flugsimulator Übungsstunden nimmt statt in der Schule was Ordentliches fürs Leben zu lernen, mit dem dräuenden Ungemach nicht abfinden und fordert bedingungslose martialische Intervention, aber man kennt sie ja bereits, die übliche Leier: „Die da oben“, das Außenministerium, die Herren Diplomaten - der papierene Politiker, der in brisanten Angelegenheiten mit Auslandsbezug den Vortritt beansprucht und dem stets zu allem bereiten Militär die Hände gebunden hält, einschließlich geschichtsgeklitterter Bezüge auf Südostasien und den Iran, wo es nur aus diesem Grunde einst schwer was auf die Mütze gab. Da zwischenzeitlich allerdings „Sheriff“ Reagan im Weißen Haus die Hosen anhat, ist selbst der Nachwuchs einsatzbereiter denn je zuvor, so dass ein Häuflein Besatzergören mit tatkräftiger Unterstützung von Louis Gossett, jr., den man an bestimmten Wochentagen schon beinahe beunruhigend oft im nächtlichen Fernsehprogramm besichtigen kann, kurzerhand den privatinitiativen Befreiungsschlag plant. Wenn der feige Araber dann endlich in Grund und Boden gebombt ist, wartet daheim nicht etwa das Kriegsgericht - nein, zur Belohnung geht´s an die Akademie für künftige Jagdflieger, der geeignete Ort, pubertierendem Kampfgeist den letalen Feinschliff beizubringen.

Ich gebe zu, ursprünglich wollte ich gelegentlich dieses Beitrages mal so richtig die pazifistische Sau rauslassen, was für mich mit der pauschalen Bezeichnung ausnahmslos aller amerikanischen Soldaten als Mörder gleichbedeutend gewesen wäre. Unsere eigenen Jungs hätte ich natürlich ausgenommen und zur Begründung wohl angeführt, dass jene selbst zum fachgerechten Töten zu blöde wären, was nicht immer der Fall gewesen sei, wie ja insbesondere auch die jüngere Vergangenheit einer überaus stolzen Wehrmacht recht anschaulich dokumentiert habe. Unter dem Eindruck eventuell drohender Konsequenzen ob des Verunglimpfens einer im gesellschaftlichen Fundament fest verankerten Institution will ich mich an dieser Stelle aber nachdrücklich von derart perfiden Aussagen distanzieren, die geeignet wären, blütenweiße Uniformen gleich welcher Herkunft in den Schmutz zu ziehen, so dass meine Besorgnis, pünktlich zu Führers Geburtstag Unterlassungsverfügungen verhärmter Landserwitwen im Hausbriefkasten vorzufinden, nunmehr hoffentlich unbegründet sein sollte.

Aber nochmals zurück zum Filmchen: Die Airbase als repräsentativer Querschnitt der fetten weißen Unkultur schlechthin, einschließlich Fast Food, „Diet Pepsi“ und erfolgreich assimilierter Alibineger, die sich jedenfalls so lange zu ihren ehemals schwarzen Wurzeln bekennen dürfen, als sie zur Belustigung dienen und mit der herrschenden patriotischen Grundordnung konform gehen. Nein, der Regisseur Sidney J. Furie, der bereits für anderweitig Mißlungenes verantwortlich zeichnet und zu allem Überfluß auch noch zwei weitere Ableger dieses Unsinns fabriziert hat, beutet mitnichten vermeintlich militärische Tugenden aus, sondern liefert stattdessen wohl eher unbewußt Semidokumentarisches.

Die einzigen, die in die Röhre schauen und demzufolge einer gesteigerten Fürsprache durch den Autor dieser Zeilen bedürfen, sind mal wieder die Musiker, nämlich der Komponist Basil Poledouris, der später unter anderem manches der stets uneingeschränkt empfehlenswerten Werke Paul Verhoevens orchestrierte und dessen munter hüpfende Fanfaren das hier Gezeigte zumindest adäquat untermalen, sowie der Freakfunker George Clinton, welcher sich auf der Tonspur ausgerechnet neben bevorzugt in die „melodisch-rockige“ Kerbe schlagenden Dilettanten wie Queen, King Kobra oder Twisted Sister befindet, worunter er sicherlich auch heute noch schwer zu leiden hat.

dd - red / 19. Juni 2003


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