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DVD-Besprechung

Pfiffige Hommage

an das Kino



Bewertung:    



Der rumänische Regisseur Corneliu Porumboiu gehört in seinem Heimatland zu den Initiatoren der Neuen Welle des rumänischen Kinos und genießt etliche Freiheiten. In La Gomera - Verpfiffen und verraten spielt er geschickt mit verschiedenen Genres. Es ist ein Mafiathriller, in dem sich der korrupte Polizist Cristi (Vlad Ivanov) mit der Verbrecherorganisation einlässt, was ihm aber nicht immer gut bekommt. Auf der Suche nach 30 Millionen aus dem letzten Coup, über deren Verbleib nur der Matratzenfabrikant Zsolt (Sabin Tambrea) etwas weiß, wird Cristi gezwungen, auf der Insel La Gomera die uralte Pfeifsprache El Silbo zu erlernen. Mit der kann man sich bis zu acht Kilometern Entfernung unbemerkt verständigen, und das soll helfen, Zsolt aus dem Gefängnis zu befreien. Mit von der Partie ist Gilda (Catrinel Marlon), als klassische Femme fatale dargestellt, die Cristi zur Kooperation verführt.

La Gomera ist relativ dunkel gehalten, die Dialoge karg, die ProtagonistInnen eher spröde, im Sinne des Neo Noir, hat aber auch komische Elemente. Insbesondere ist das Erlernen der Pfeifsprache eine schwierige Angelegenheit, die bierernst genommen wird und daher urkomisch wirkt. Die wunderbare Insel La Gomera als Drehort steht im Kontrast zu den eher grauen Drehorten in Rumänien, wo der größte Teil der Handlung stattfindet. Rumänien gibt Porumboius Spielereien mit Kommunikation und Abhören einen besonderen Flair. Cristis Wohnung ist verwanzt und mit geheimen Kameras versehen; er weiß davon, lässt es sich aber nicht anmerken. Das erschwert den Kontakt zu den Mafiosi, denen er bei der Befreiung von Zsolt helfen soll. (Gespielt wird Zsolt von Sabin Tambrea, der in der Hesse-Verfilmung Narziss und Goldmund eine so großartige Leistung geliefert hat; er wurde übrigens in Rumänien geboren und wuchs in Deutschland auf.) - Die Befreiungsaktion erweist sich als kompliziert, weil Cristis Chefin Magda (Rodica Lazar) von Cristis Verstrickungen mit der Mafia weiß. Auch sie hat ein großes Interesse daran, die 30 Millionen zu finden...

Manchmal gehen die Genre-Spielereien zu Lasten der Spannung, aber dafür wird man reichlich entschädigt. Die Pfeifsprache, mit der alle Abhörmöglichkeiten ausgetrickst werden, hat einen unglaublichen Reiz, weil man sich mir ihr unbemerkt verständigen kann, ohne dass andere etwas davon mitbekommen, denn es klingt wie Vogelgezwitscher. Am Ende inszeniert Porumboiu noch einen Showdown in einer Filmkulissenstadt in Bukarest und unterstreicht damit noch einmal seine Liebeserklärung an das Kino.

Musikalisch beginnt der Film mit Iggy Pops The Passenger, und wir sehen als ironische Brechung einen griesgrämigen Cristi auf einer Fähre der traumhaften Insel La Gomera zusteuern. Dieser Mann ist nicht auf Urlaubsreise. Porumboiu setzt aber überwiegend klassische Musik ein, die so gar nicht zur Handlung passen will. Sie erklingt u.a. im Hotel Opera und soll den Zweck erfüllen, potentielle Gäste abzuschrecken, damit die Mafia dort ungestört ihren Geschäften nachgehen kann. Die Altersfreigabe von 16 Jahren liegt an einem expliziten Mord und einer eindeutigen Sexszene, insgesamt verzichtet der Regisseur auf exzessive Gewalt.

Die Idee eines desillusionierten und korrupten Polizisten ist nicht neu, aber die Umsetzung mit Filmzitaten, wie die Duschszene aus Hitchcocks Psycho, und vielen anderen Anspielungen auf das Kino machen La Gomera zu einem cineastischen Vergnügen. Der Pfiff ist die Idee mit El Silbo. Der Regisseur erklärt: „Mir gefiel die Idee, dass in einer zunehmend kontrollierten Gesellschaft, in der jeder seine Rolle zu spielen hat, eine sehr alte Form der Kommunikation der Schlüssel zur Flucht sein kann, der Kontrolle zu entkommen und den ständigen Machtspielen, die den Handlungen aller Figuren den Stempel aufdrücken.“ Bei dem ganzen Genre-Mix ist Porumboiu ein eigenwilliges und eigenständiges Filmwerk gelungen, mit einem fantastischen Vlad Ivanov als Cristi und vielen für das deutsche Publikum unverbrauchten Gesichtern. Die Ausnahme ist Sabin Tambrea, dessen Gesicht man schon kennt und von dem man in der kommenden Zeit hoffentlich viel mehr und viel Gutes zu sehen bekommt.



Magda (Rodica Lazar) hat ein Auge auf ihren korrupten Kollegen Cristi (Vlad Ivanov) | © Vlad Cioplea, Alamode Filmverleih

Helga Fitzner - 28. Mai 2020
ID 12265
Weitere Infos siehe auch: https://www.alamodefilm.de/medium/detail/la-gomera.html


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