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70. BERLINALE

Panorama 2020

ONE OF THESE DAYS

SI C´ÉTAIT DE L´AMOUR



One of These Days (D/USA, Originalfassung mit deutschen Untertiteln, 120 min, Weltpremiere)

Der 1974 geborene Bastian Günther fand erst spät zur Filmregie (1999), aber gehört seitdem zu den interessantesten Filmschaffenden in Deutschland. Seit seinem subtil erzählten Psychodrama Huston (2011-13), in dem ein grandioser Ulrich Tukur einen abgehalfterten Wirtschaftsmanager spielt, der sich in Texas als Headhunter verzettelt, dreht Günther oft in den USA und setzt sich mit den trostlosen Aspekten des amerikanischen Lebenstraums vom grenzenlosen individuellen Aufstieg auseinander. So intensiv wie in seinem neuen Spielfilm One of These Days hat Günther das noch nie betrieben: Durch eine flotte Montage von Google-Maps-Straßenaufnahmen stellt er gleich zu Beginn klar, dass in dem texanischen Provinzkaff, in dem seine Geschichte spielt, der Wunsch nach einem glücklicheren, erfüllten Leben eigentlich nur zweierlei bedeuten kann: so schnell wie möglich abhauen – oder eben Sich-Abrackern für einen bescheidenen Wohlstand.

Anders als in Huston entfaltet sich das groteske, zunehmend tragische Geschehen nicht durch die Ankunft eines Fremden, sondern wird von der örtlichen Autohändlerin angeschoben: Aus Werbezwecken veranstaltet sie einen Steh-Marathon: Wer am längsten durchhält, die Hände auf einen teuren Transporter zu legen ohne einzuschlafen oder zu kollabieren, kann den Wagen behalten. Wie die 20 ausgelosten Bewohner des Ortes von anfänglichem Enthusiasmus in über hundert Stunden Schlafmangel in Phasen des Deliriums und Agonie, aber auch der Wut und Verzweiflung hineingleiten, ist eine gelungene Variante des mörderischen Tanzmarathons aus Sydney Pollacks Drama Nur Pferden gibt man Gnadenschuss (1969) mit Jane Fonda und Michael Sarrazin. Die Drehbücher beider Filme basieren übrigens auf realen Ereignissen. Über einen der zahlreichen „Hands on a Truck“-Wettbewerbe gab es 1997 bereits einen beachtlichen US-Dokumentarfilm, der absurderweise auch in ein Broadway-Musical verwandelt wurde (Hands on a Hardbody).

Günthers Film verarbeitet hingegen nicht nur die Wettbewerbe, die glimpflich ausgingen, sondern auch jenen, der in eine Tragödie mündete. Günther illustriert ohne Zeigefinger, aber mit Nachdruck, wie abstrus es aus europäischer Sicht wirkt, dass Gottesfürchtigkeit und der Glaube an positive Energien und Tapferkeit mühelos damit vereinbar sind, sich und andere für ein durch und durch menschenunwürdiges Spektakel in Lebensgefahr zu bringen. Der Film entfaltet seine Sogwirkung bedächtig, aber steigernd. Aus dem großartigen Ensemble ragen die beiden Hauptakteure Joe Cole und Carrie Preston heraus.


Bewertung:    



One of These Days | (C) Michael Kotschi, Flare Film


*

Dokumentarfilm Si c’était de l’amour (If It Were Love, F, 82 min, Originalfassung mit engl. Untertiteln, Weltpremiere)

Proben zu einem modernen Tanzstück mit Technomusik der französischen Choreographin Gisèle Viennes, wobei die internationale Tänzerschaft beim Einstudieren der Szenen- und Bewegungsabläufe auch Privates über sich preisgeben.

Trotz der suggestiven Kameraführung zündet diese Konzeption nicht und scheint Lichtjahre vom ähnlich konzipierten Noli Me Tangere – Spectre (1969) entfernt, der immerhin zu den längsten Filmen der Geschichte zählt. Der Aspekt, dass queere Begehrlichkeiten tanzend verhandelt werden, ist noch das Interessanteste an diesem insgesamt banalem Dokumentarfilm.


Bewertung:    



Si c´était de l´amour | (C) Aurora Films

Max-Peter Heyne - 22. Februar 2020
ID 12018
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de/


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