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72. BERLINALE

Operation

gelungen,

Patient

lebt!

BERLINALE-Bilanz 2022




An dieser, der 72. BERLINALE, gibt es wenig auszusetzen, schon gar nicht, dass sie überhaupt stattgefunden hat. Wissensstand einen Tag nach Ende: Kein gemeldeter Corona-Fall in den Kinos während des Festivals, nur davor (1,5 Prozent der rund 11.000 vorgenommenen Tests, vermelden die Kollegen). Während der letzten vier Tage wurden anders als gewöhnlich die Filme des Gesamtprogramms mehrfach wiederholt, damit die um 50 Prozent begrenzten Platzkapazitäten kompensiert werden konnten. So konnten die Veranstalter immerhin viele nach Schachbrettmuster ausverkaufte Aufführungen nachweisen und kommen offiziell auf 140.000 ausgegebene Tickets. Das ist eine sehr beachtliche Zahl inmitten der Omikron-Welle und ein Beleg dafür, dass erstens die BERLINALE viele unerschrockene Fans hat und zweitens das Führungsteam mit dem künstlerischen Leiter Carlo Chatrian und der Festivalmanagerin Mariette Rissenbeek Recht daran tat, deren Interessen zu bedienen. Zudem gelang es trotz weniger internationaler Gäste, weniger Glamour und keiner großen Empfänge die Botschaft auszusenden, dass es Zeit ist, sich als Kulturveranstalter aus dem Dunkel der Corona-Kriechspur herauszuwinden.

Risikofrei und unumstritten war diese Strategie nicht! Der üppige Eventteil für die internationale Produktions- und Nachwuchsszene musste wieder digital stattfinden, was in ökonomischer Hinsicht ins Fleisch schneidet. Das heimische Publikum und die mit über 1.200 Akkreditierten noch immer große Journalistenschar mussten sich aufwendigen und lästigen Einlasskontrollen unterziehen, an die man sich nur mühsam gewöhnte. Ungeimpfte und Tagestestunwillige mussten ohnehin draußen bleiben. Ausgerechnet einige Kulturjournalisten, darunter leider auch vom lokalen Platzhirsch Rundfunk Berlin-Brandenburg, protestierten in ihren Leitartikeln gegen die Abhaltung der BERLINALE wegen des zu großen Risikos.

Diese Warnungen reihten sich in den Autopilot-Pandemie-Panikmodus mancher Medien ein und wirkten infektions-, vor allem aber übertrieben kulturpessimistisch. Bei allem Verständnis um die Sorge vor der eigenen und vor anderer Menschen Gesundheit – der BERLINALE-Leitung zu unterstellen, sie nehme massenhafte Infektionen in Kauf grenzt an üble Nachrede. Es war ja sowieso lange vor dem Februar klar, dass Deutschlands noch immer größtes und wichtigstes Filmfest nicht den sonst üblichen Umfang und Hype würde haben können. Dafür, dass man als eine Kulturveranstaltung des Bundes die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen treffen musste, war es eine erstaunlich reibungslose und bisweilen sogar fröhlich wirkende BERLINALE. Immerhin kamen neben den deutschen auch einige ausländische Stars wie Charlotte Gainsbourg, Emmanuelle Béart oder Megan Fox, da war die kurzfristige Absage von Ehrengast Isabelle Huppert zu verschmerzen.

Die Feierstimmung und die Leichtigkeit – vom Netzwerkeln am Rande ganz zu schweigen – kam unter den gegebenen Umständen natürlich nicht auf. Aber so gesehen: Das erste Mal in 37 Jahren BERLINALE (das Onlinefestival 2021 ausgenommen) konnte man sicher sein, auf dem Online-Wege ein Ticket und einen garantierten Sitzplatz für die ausgewählten Filme zu bekommen – noch dazu mit garantiertem Abstand zu irgendwelchen Schniefnasen und müffelnden Sitznachbarn! Bitte, bitte: nicht rückgängig machen – beibehalten und ausbauen! Dann lieber weniger Filme und Aufführungstermine – das tat gut! Leider mussten erst Kinos am Potsdamer Platz geschlossen werden und eine weltweite Pandemie galoppieren, damit das wahr wurde, was Ex-BERLINALE-Leiter Dieter Kosslick in Interviews immer vornehm von sich weggeschoben hatte: Eine mögliche Reduzierung des Programms wäre Sache seiner Nachfolger.

Erfreulich viele Beiträge des eingedampften Programms stammten aus der hierzulande unterrepräsentierten Schweiz, Afrika, Asien und von Frauen (was natürlich immer noch mehr sein kann, aber die zur Auswahl stehende Ware kann sich ein künstlerischer Leiter nicht schnitzen). Gefühlt gab es noch nie so viele Filme zu den Themen Minderheitenrechte, Transgender und Diversität. Der Bären-Wettbewerb war in diesem Jahr nicht so stark mit angestrengt prätentiösen Kunstfilmen gespickt wie die beiden bisherigen Hauptprogramme, die Carlo Chatrian verantwortete. Stattdessen wählte er diesmal mehr Arthaus-Filme von bekannten Regisseuren und Regisseurinnen wie z.B. Francois Ozon und Claire Denis aus Frankreich oder Ursula Meier aus der Schweiz und Hong Sang-soo aus Südkorea, die verlässliche Lieferanten interessanter, anspruchsvoller Kost für große A-Festivals sind. Und Andreas Dresen ist in Deutschland schon fast eine Klasse für sich. Anders als manche Kolleginnen und Kollegen habe ich nichts dagegen, dass ein publikumswirksamer Film wie Rabiye Kurnaz vs George W. Bush zwei Silberne Bären erhält – zumal, wenn diese an Frauen gehen (haha, Totschlag-Argument!).

Die Jury unter Vorsitz des amerikanischen Regisseurs M. Night Shyamalan (The Sixth Sense) hat ihre immerhin acht Bären klug und gerecht verteilt, auch den Goldenen Bären an Alcarràs der Spanierin Carla Simóns, der dramaturgisch und visuell überzeugend von der Existenzkrise einer katalanischen Bauernfamilie erzählt. Es spricht für die diesjährige Wettbewerbsauswahl, dass man gut und gerne sechs bis sieben weiteren Filmschaffenden Bären-Preise gegönnt hat! Der größte Wehrmutstropfen bleibt die von Carlo Chatrian vor drei Jahren quasi als seine Duftmarke gesetzte Reihe „Encounters“, in der viel zu oft zu langatmige, sperrige, abgehobene und uninspirierte Beiträge zu sehen sind, die keine Entdeckungen sind, sondern allenfalls ins Forum gehören – dem die Reihe unnötig Konkurrenz beschert.

Ansonsten: Kompliment, die 72. BERLINALE ist unter schwierigen Umständen gut gegangen!



Foto: Max-Peter Heyne

Max-Peter Heyne - 21. Februar 2022
ID 13481
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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