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jour fixe

Als würde die Nacht ewig dauern: die Fledermäuse ließen ihre Köpfe hängen, die Blaukäppchenträger überschlügen ihre Stimmen in Richtung Charlotteville, eine Zigarettenkippe würde gemächlich im Gleisbettkokeln, bis daß der Tod sie einholt –
am Westkreuz,
am Ostkreuz?

Wir durchstoßen diese Nacht mit Lichtleitern, die zu ebener Erde mit leichtem Nachhall über die Straßen der Modernität gleiten. Drinnen mufft der Heizventilator, ein rückenbepackter Student nickert in sein spätes Telephon;
draußen rufen heisere Stimmen einen alltäglichen Alarm aus, der Rückhalt fordert,
die Meute rein, die Meute raus, die Meute rein, die Meute raus,
’rin, ’rus.

Über allem pfropft wie ein Korken – die Stadt, die sich nur langsam bewegt, im Currywursttempo. Die letzten Trottoirs liegen gestapelt, einzig die Dönerverkäufer walzern im gemächlichen Dreiviertel, während Nachtbahnen um ihre Häuser schleichen.
Du vergibst dir nichts, wenn du bei ihnen eintrittst, dein Revolverblatt ziehst und eine Dose con Wurstel orderst: sie kucken nur aus feuchten Augen von schräg unten dich an, wenn sie die scharfe Soße auf dem Fladen glattstreichen. Eine Batterie Sheriffs halftert vorbei, du schaust in die Zeitung, die von morgen, gestern gekauft. Eine Nachttram biegt ums Eck.

Du weißt genau, als du Vladimir Èsban erblickst, wie er in die altbekannte Ecke zwischen den Friedhöfen pinkelt, – du weißt genau, daß diese Nacht niemals enden wird, sondern daß sie ewig so dahinplätschert, zwischen Schrippen, Schuppen und Schrapnells, die, unhörbar, die verschlafenen Häuserfronten durchlöchern.
Du weißt, daß der langsame Satz ewig dauert und daß die schwere Stadt nur für den Bruchteil einer Ewigkeit aus ihrem Traum erwachen wird, einzig um wieder zurückzufallen in die Tiefe ihrer Nacht.
Du weißt, daß dich davor nur der Fahrplan retten kann, den du in dir trägst und der dich nun aufstehen läßt, leicht schwankend überquerst du die Chaussee, Vladimir Èsban ist verschwunden, du betrittst dein Gefährt und fällst prompt in einen schweren, leicht wiegenden Schlummer, der dich hinwegträgt in die weite Welt, du weißt, du würdest nicht mehr erwachen, wenn nicht irgendwann eine freundlich bestimmte Stimme halblaut in dein Ohr raunen würde:



Patrick Wilden, 1. März 2004

 

 



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