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Es ist ziemlich schade, daß in den Zeiten des unbegrenzten
Warenverkehrs immer noch so viele Sprachen existieren. Wie schön
wäre es doch, wenn wir in ein Flugzeug klettern, am anderen Ende
der Welt herausplumpsen und das Idiom unseres Heimatgaues sprechen
könnten. Doch trotz der Anstrengungen der mallorquinischen
Ferienindustrie gibt es immer noch Länder, die es verdammt ernst
mit ihren Nationalsprachen nehmen und die regelrecht beleidigt
sind, wenn man wieder nur mit Esperanto ankommt.
Deswegen existieren von Gesetz wegen Sprachprüfungen, die für jeden
Netzhautscanner klar und deutlich bescheinigen, daß man eine
bestimmte Landessprache von der Pike auf gelernt hat. Einer
dieser Tests ist der berühmte Töfl-Test, benannt nach dem
subalternen altösterreichischen Konsulatsbeamten Franz-Josef
Töfl, der sich ein eigenes System zur Überprüfung von
Sprachkompetenzen ausgedacht hat. Keiner weiß ja im Prinzip,
was sich wirklich dahinter verbirgt. Das ist natürlich eine
Schande, weil einem so Nachteile auf dem Arbeitsmarkt entstehen.
Um sich seine Kapazitäten von Herrn Töfl zertifizieren zu lassen,
muß man sich zunächst mit dem Zug hinaus ins niederbayerische
Hauba-Nohfmingen begeben. Sobald man die angegebene Stelle erreicht
hat, springt man aus dem schnaufenden Triebwagen, wohlgemerkt
auf offener Strecke, denn der Ort besitzt bis heute noch keine
Station. Wenn es gut läuft, landet man in Herrn Töfls Armen,
wenn nicht, muß man mit dem Schienenkot selber fertigwerden.
Ganz im Gegensatz zum weitverbreiteten Klischee ist der Töfl ein
robustes gemütvolles Wesen leicht fortgeschrittenen Alters mit
einem melierten Backenbart, dessen rotes Rübezahlgesicht von
einer kaiserlich-königlichen Schaffnermütze umrahmt wird.
"Gomms amoil müatt", sind im allgemeinen seine ersten Worte.
Und schon hat er begonnen, der berüchtigte Töfl-Test. Die ersten
Minuten sind die wichtigsten, hier dürfen keine Fehler passieren.
Während man hinter dem gedrungenen Staatsdiener her auf einem
Ziegenpfad zu seinem Amtsstüberl stapft, sollte man ungefragt
einen gestreckten Galopp mit gelegentlichen Purzelbäumen vorlegen
- Herr Töfl kann auf diese Weise die körperliche Sanität und
das Funktionieren der Bauchmuskulatur überprüfen.
"Schorechtzo", zischt es zwischen schiefen Zähnen hindurch.
Sobald Sie sein Blockhaus betreten haben, in dem der Kanonenofen
bullert, werden Sie als nächstes über die Farbe Ihres Federmäppchens
interviewt werden. Sie sollten auch diese Fragen gewissenhaft,
mit sorgfältiger Pronuntiation, Intonation und Prosodie beantworten.
Eine unbedachte, gar ironische Äußerung könnte Sie unter Umständen
Ihre besten Jahre kosten, denn dann landen Sie in einem karpatischen
Salzstollen, ganz gleich welchen Standes Sie sind.
Nun haben Sie es schon fast überstanden. Franz-Josef Töfl wird
Ihnen nur noch geschwind in einem komplizierten nanotechnischen
Verfahren Ihr Prüfungsresultat auf die Netzhaut tätowieren, und
schon ist es vorbei.
Wider Erwarten ist der Beamte nach der Prozedur dann meist ganz
gut gelaunt. Dies ist für Sie die Gelegenheit, ihn zu fragen,
was es eigentlich mit dem Töfl auf sich hat.
"Töfl?!" Ja.
"S'an Abküazng!" Abküazng?
"Jo. Test of Östrian äs a Foräin Längwitsch."
Ah bene, bene.
Patrick Wilden, 15. November
2003
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