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jour fixe: brömsebro

Kurz nach dem Frieden von Brömsebro gewann der Baron Nostradamus de la Gardie eine Ferieninsel im Poker, die er nach ihrem Verlierer, einem General von Schnösel benannte. Während noch die Voranbendserien liefen, liess der Baron seine Fregatte anspannen und jagte mit zweihundert Sachen über die Ostsee, bis er auf einen Flecken Heideland stiess, auf dem bärtige blonde Frauen vor roten Blockhütten sassen und Rentiere brieten.
"Dis is ergo Schnösel" sagte er in seinem schwedischen Platt, als er an Land stach und der ersten Indigenen ansichtig wurde. Doch weil die Menschen dort kein "sch" sprechen konnten - schon gar nicht in Verbindung mit einem "n" -, hiess die Insel fortan Ösel.
De la Gardie checkte ohne Umschweife in der Ordensburg ein, schmiss die dort hausenden Patermänner, die noch in ihren Kettenhemden aus Jerusalemer Stahlwolle steckten, in den Burggraben und liess als erste staatsmännische Leistung die Kanonen wieder in Schuss bringen.
Es war eine milde Herrschaft, die der Baron über die Insel ausübte. Oft kam es ihm jedoch so vor, als kämpfe er gegen die Bockwindmühlen, die er den Insulanern selbst mitgebracht hatte. "Min Schloss!" rief er den Bewohnern zu, um klare Verhältnisse zu schaffen, und freundlich wiederholten sie "loss, loss". "Min Stall", sagte er bei anderer Gelegenheit verzweifelt, und das rohe Volk der Insel schrie "tall, tall". Täglich lernte es nun neue Laute. "Vorst, Puljong, Forell, ja Vein!" prostete der Baron ihnen am Jahrestag seiner Ankunft vom Balkon der Burg herab zu. Und das brave Inselvolk stürzte sich so begierig auf seine Worte, dass es sie noch heute genauso gerne in den Mund nimmt wie die gleichnamigen Speisen.
Doch währte der Friede von Brömsebro bekanntlich nicht ewig. Und gegen die russische Knute, die vom Esten her über den Sund langte, waren auch die Kanonen des Barons de la Gardie machtlos. "Saare maa, jetz saare maa, was tuen dann die Russen daa", sagte nachdenklich gedehnt der stark gealterte Mann an dem Tag, an dem er voller Grimm mitansehen musste, wie die Armee des Zaren die Hütten der Insel verheerte. Und seine arg gebeutelten Noch-Untertanen, die ihrem geliebten Baron noch in der Stunde ihres Untergangs aufs Maul schauten, beschlossen, seine letzten Worte für immer in ihren Herzen zu bewahren.
So kam die Insel zu einem neuen Namen, den ihre Bewohner noch heute stolz im Munde führen. Ein "sch" wollen sie aber noch immer nicht sprechen.



Patrick Wilden, 28. Juli 2003




 
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