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Agnes Lake Thatcher: Die amerikanische Zirkuspionierin


Von Ernst Probst

Agnes Lake Thatcher (1826-1907)

Als Erfinderin des Zwei-Manegen-Zirkus sowie eine der bedeutendsten Zirkusartistinnen und -managerinnen des Wilden Westens ging Agnes Lake Thatcher (1826-1907), geborene Meersmann, in die Geschichte des Zirkus ein. Sie wurde Frau eines Clowns, trat als Seiltänzerin und Kunstreiterin auf und gründete einen Zirkus. Nach der Ermordung ihres ersten Mannes heiratete sie „Wild Bill Hickok“, einen der berühmtesten Revolverhelden des Wilden Westens, der ebenfalls gewaltsam endete.

Agnes Meersmann kam 1826 im Elsass zur Welt und wanderte 1829 mit ihren Eltern in die USA aus. Beim Besuch des schwimmenden Zirkus „Spalding & Rogers“ lernte die 16-Jährige den Clown William Lake Thatcher (gest. 1869) kennen und lieben. Sie lief mit ihm davon, heiratete ihn und machte bald als Seiltänzerin Karriere.
Das Ehepaar Thatcher gründete in den USA einen Zirkus, in dem Agnes und die vulgäre Manegenadaption des Versepos „Mazeppa“ des britischen Dichters Lord Byron (1788–1824) die Hauptattraktionen bildeten. Berüchtigt war dabei die Szene, in der die Heldin nackt und rücklings auf ein wildes Pferd gebunden dahingaloppierte. Mit diesem Stück wurde damals auch die Schauspielerin und Dichterin Adah Isaacs Menken (1835–1868) umjubelt.

Einer der Angestellten im Zirkus der Eheleute Thatcher war der Vater des großen amerikanischen Zirkuskönigs James A. Bailey (1847–1906) von „Barnum & Bailey“. Als der Gatte von Agnes 1869 von dem Desperado Jake Killeon erschossen wurde, führte seine Witwe den Zirkus alleine weiter. Fortan trat sie als bewunderte Kunstreiterin auf. Außerdem erfand sie den so genannten Zwei-Manegen-Zirkus, in dem gleichzeitig zwei Nummern dargeboten wurden.

Bei einem Gastspiel in Abilene 1871 verliebte sich die verwitwete Agnes Lake Thatcher in den Stadtmarshal James Butler Hickok, genannt „Wild Bill Hickok“ (1837–1876). Dieser hatte offenbar wegen einer Angstneurose einen Killerinstinkt: Sobald er sich bedroht glaubte, zog er blitzschnell seine Pistole und feuerte.


„Wild Bill Hickok“ (1837–1876)

Agnes Lake Thatcher umwarb den merklich jüngeren „Wild Bill Hickok“ jahrelang, ehe sie ihn im Alter von 50 Jahren nach Rückkehr von einer Europatournee in Cheyenne (Wyoming) wiedersah und im Mai 1876 heiratete. Das Paar verbrachte die Flitterwochen in Cincinnati. Danach ging Hickok alleine nach Deadwood in South Dakota, und Agnes sah ihn nicht wieder.

Am Nachmittag des 2. August 1876 schlug in Deadwood die letzte Stunde für den am Grünen Star leidenden „Wild Bill Hickok“: Er pokerte mit drei alten Freuden in „Nuttall & Mann’s No. 10“ Saloon, als plötzlich der 25-jährige Jack MacCall in das Lokal kam und ihn von hinten in den Kopf schoss. Hickok war sofort tot.

Das Motiv für den Mord an „Wild Bill Hickok“ ist ungeklärt. Einer-seits heißt es, der ehrgeizige Täter habe ein gefürchteter Gunfighter werden wollen und deshalb den berühmten Killer Hickok erschossen. Andererseits wird spekuliert, McCall habe im Auftrag alter Feinde Hickoks oder von Leuten, die von dessen Auftauchen in Deadwood Schwierigkeiten befürchteten, gehandelt.

Der Mörder wurde ergriffen und am nächsten Tag vom „Miner’s Court“ freigesprochen, obwohl mehrere Augenzeugen McCalls Schuld bezeugten. Der Freispruch lässt darauf schließen, dass die Einwohner von Deadwood die Liquidierung Hickoks billigten. Wenig später erfuhr ein Marshall, wie sich Jack McCall öffentlich rühmte, Hickok getötet zu haben. Er nahm ihn fest und brachte ihn in Yankton vor Gericht. Dort verurteilte man MacCall zum Tode und richtete ihn am 1. März 1877 hin.

Zum Zeitpunkt des Todes von Hickok kannten nur wenige Leute die Wahrheit über die Tat, auf der dessen Ruhm basierte. Anlässlich einer Unabhängigkeitsfeier am 4. Juli 1876 enthüllte der Abgeordnete Jenkins aus Nebraska, Hickok habe am 12. Juli 1861 in der Postkutschenstation Rock Creek (Nebraska) nicht alleine zehn Mörder und Pferdediebe erledigt, sondern aus einem Hinterhalt drei unbewaffnete Männer ermordet: den Farmer David McCanles und dessen zwei Begleiter.
Agnes Lake Thatcher überlebte „Wild Bill Hickok“, dessen Frau sie nur einige Wochen lang gewesen war, um 31 Jahre: Sie starb am 21. August 1907 im Alter von 81 Jahren in Jersey City (New Jersey). 20 Jahre nach ihrem Tod erschien 1927 im „Nebraska History Magazin“ die erste und dokumentierte Darstellung des Mc-Canles Fights bzw. Rock Creek-Fights.
Ungeachtet dieser Veröffentlichung geisterte „Wild Bill Hickok“ noch lange als nobler Held in der Trivialliteratur und im Film herum. Auf der Leinwand wurde er oft als freundlicher, friedlicher, notfalls aber auch unerschrockener, draufgängerischer und listenreicher Held dargestellt. Nur einmal, in „Jack McCall Desperado“ (1953), verkörperte er den Schurken und tat dem Titelhelden, Jack McCall, so viel Unrecht an, bis ihn dieser zu Recht erschoss.


Ernst Probst - red. / 6. Oktober 2005
ID 00000002059
Ernst Probst ist Autor des Taschenbuches "Superfrauen 7 - Film und Theater"
www.verlagernstprobst.de

Weitere Infos siehe auch: http://www.kultura-extra.de/literatur/literatur/verlagportrait/ernst_probst.html






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