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Theaterkritik

wualitzaaa (ernst jandl)
a.tonal theater
Alte Feuerwache, Köln

Ernst Jandl ist der Großmeister der Lautverschiebung, des Wortverdrehens, der absurden Komik, die der Sprache inhärent ist. Er findet Rhythmen, Klänge, Melodien, wo wir im Regelfall nach Inhalten suchen. Aber Ernst Jandl ist kein DaDa-Apologet. Am Ende der vielfältigen Spiele um Worte und Sätze finden sich überraschende Einsichten mit mitunter philosophisch-aphoristischen Qualitäten.

Diese Mischung aus Leichtigkeit und Tiefsinn verführt immer wieder Theatermacher, Jandls Texte von einer Bühne herunter sprechen zu lassen. Das ist nicht einfach, denn die Pointendichte entspricht selten den Erwartungen eines amüsierwilligen Publikums. Regisseur Jörg Fürst und das a.tonal Theater umgehen die Gefahr einer hohlen Aneinanderreihung von Gags auf geschickte Art und Weise: Der Abend ist sowohl im übertragenen Sinne, wie auch faktisch, musikalisch angelegt. Zwischen den Lauteskapaden erklingen Geräusche und Melodien vom Klavier (Markus Berger) und die Schauspieler werden in das eine oder andere stumme Spiel choreographiert.

Von diesen (Alexe Limbach, Christine Stienemeier, Christof Hemming) sieht der Zuschauer allerdings nur Köpfe und Hände, der Rest der Körper bleibt im Bühnenbild versteckt, eine überlebensgrosse "1", ein ebenso grosses "Halmamännchen" und etwas, das einer Sanduhr ähnelt, bedeutungschwanger zeichenhaft auf grünem Grund. (Bühne: Anja Callam, Chsristina Wachendorff) Ein exzellentes Lichtdesign (Lothar Krüger) verleiht dem Raum immer wieder neue Qualitäten und dem Zuschauer visuelles Vergnügen.

Von formaler Strenge ist der Abend und die Schauspieler brauchen am Premierenabend einige Zeit, bis sie von "Erfüllern" der Regievorgaben zu "Benutzern" werden, aber das wird sich sicherlich mit den weiteren Vorstellungen einspielen.

Jandls Wortdrechseleien und das Aufeinanderbeziehen der verschiedenen Theatermittel machen diese sechzig Minuten "wualitzaaa" zu einem Teils witzigen, teils poetischen, aber immer gelungenen Abend.

Sven Lange / 22. Februar 2002
Termine:
20.-23. Februar 2002, 20 Uhr; Alte Feuerwache, Melchiorstraße 3, 50670 Köln, Tel.: 0221-973 15 10
26.-28. Februar 2002, 20 Uhr; Theaterhaus Köln, Stammstraße 38-40, Tel.: 0221-261 11 50

www.theaterszene-koeln.de
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